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Libanon: Die Ära der Schnellboote bei UNIFIL geht zu Ende

Lamassol, 01.04.2016.

Im Oktober 2014 begrüßte der Kommandeur des 7. Schnellbootgeschwaders die Besatzungen von S73 „Hermelin“ und S78 „Ozelot“ in Rostock zurück aus dem UNIFIL-Einsatz und sprach davon, dass mit dieser Rückkehr „eine Ära enden würde“. Fortan sollte der UNIFIL-Einsatz nicht mehr durch Schnellboote, sondern durch Korvetten abgeleistet werden. Dann wurde die Marine im Einsatz EUNAVFOR MED im Sommer 2015 gefordert. Eine Korvette musste ans Horn von Afrika, um eine Fregatte im Mittelmeer verfügbar zu machen. Das hieß für die Schnellboote: zurück vor den Libanon.

Die Besatzung des Schnellboots „Hyäne“ mit der „Hermelin“-Besatzung unter Führung von Korvettenkapitän Tesch im letzten UNIFIL Einsatz der Schnellboote

Die Besatzung des Schnellboots „Hyäne“ mit der „Hermelin“-Besatzung unter Führung von Korvettenkapitän Tesch im letzten UNIFIL Einsatz der Schnellboote (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL)Größere Abbildung anzeigen

Anderthalb Jahre später, am 31. März 2016, wird die Besatzung von S73 „Hermelin“ aus dem Einsatz UNIFIL abgelöst und tritt den Weg in die Heimat an. Dieses Mal tatsächlich zum allerletzten Mal: Denn obwohl die Einsatzbelastung für die Marine nicht weniger geworden ist, wird es kein Schnellboot der Klasse 143A mehr sein, das künftig den Seeraum vor der Zedernrepublik überwachen und Waffenschmuggel verhindern wird. Das Geschwader geht am 4. Juli 2016 aus der Fahrbereitschaft, die Schnellboote werden außer Dienst gestellt.

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Besonderheiten im Sommer wie im Winter

Seeversorgungsmanöver mit der Türkischen Korvette Büyükada

Seeversorgungsmanöver mit der Türkischen Korvette Büyükada (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL)Größere Abbildung anzeigen

Hinter den Soldaten von S73 „Hermelin“ liegen dann nicht nur mehrere Monate Einsatz, sondern für viele Besatzungsangehörige auch ein halbes Marineleben, das sie im östlichen Mittelmeer verbracht haben. So Oberbootsmann Robert G., der aus Erfahrung sagen kann, dass sich die Wintermonate vor der Levante von den Kontingenten in den Sommermonaten unterscheiden: „Die Wintermonate sind für das Brückenpersonal angenehmer. Im Sommer ist es extrem heiß, die Luft sehr feucht. Auch für die Antriebsdiesel und die elektronischen Anlagen ist das eine Belastung. Der Winter birgt hingegen das Risiko, dass man wegen schweren Wetters mit einem Schnellboot nicht im Operationsgebiet stehen kann.“ So war auch die Besatzung von S73 „Hermelin“, die Anfang Dezember 2015 das Boot von der Stammbesatzung S80 „Hyäne“ übernahm, so manches Mal gezwungen, im Hafen von Limassol zu „sheltern“ – also Schutz vor dem Wetter zu suchen, das die Seefahrt trotz aller Technik bis heute wesentlich mitbestimmt. Dann musste die Besatzung natürlich auch fernab der Lieben zu Hause Weihnachten, Silvester und Ostern im Einsatz verbringen. Auch das ist für eine Besatzung immer eine besondere Belastung im Einsatz, erst recht, wenn sie Familie haben.

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Ausbildung der Libanesischen Marine

“Schnellboot Hyäne mit der Hermelin-Besatzung vor dem UN-Hauptquartier in Naqura (Libanon)

“Schnellboot Hyäne mit der Hermelin-Besatzung vor dem UN-Hauptquartier in Naqura (Libanon) (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL)Größere Abbildung anzeigen

Zur See gefahren wurde dennoch und das Boot S80 „Hyäne“ legte annähernd 10.000 Seemeilen im Einsatzgebiet zurück, die Kontrolle des mittlerweile 70.000sten Schiffs im Einsatzgebiet vor dem Libanon fällt in ihren Einsatzzeitraum. Routiniert wurde der Verkehr im Seegebiet beobachtet und überwacht. Schiffe, die die libanesischen Häfen ansteuerten oder ausliefen, wurden überprüft, die gewonnenen Informationen den libanesischen Behörden zur Verfügung gestellt. Wie in all den Jahren seit 2006 wurde jede Gelegenheit genutzt, um mit der libanesischen Marine zu üben. Junge Kadetten wurden an Bord von S80 „Hyäne“ ausgebildet und die Küstenradarstationen an Land darauf trainiert, den Auftrag – der momentan noch durch den multinationalen, maritimen Anteil der Interimstruppen der UN im Libanon durchgeführt wird – einmal selbst zu übernehmen. Dabei fällt gerade den UNIFIL-erfahrenen Soldaten auf, dass es seit 2006 zu enormen Fortschritten kam.

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Besondere Besuche

Generalmajor Poschwatta, Konteradmiral Brasil und Fregattenkapitän Johst schreiten die Front ab

Generalmajor Poschwatta, Konteradmiral Brasil und Fregattenkapitän Johst schreiten die Front ab (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL)Größere Abbildung anzeigen

In Erinnerung bleiben werden die Besuche von Militärbischof Overbeck und Generalmajor Poschwatta während des Einsatzes – und natürlich auch die Silvesterparty der Besatzung.

Soldaten des Seebataillons übernehmen die Sicherung des Bootes in Küstennähe im Nahbereich

Soldaten des Seebataillons übernehmen die Sicherung des Bootes in Küstennähe im Nahbereich (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL)Größere Abbildung anzeigen

Aber auch Veränderungen im Vergleich zu den Einsätzen der Vorjahre: So mancher musste sich erst daran gewöhnen, im Hafen mit Schutzweste und G36 Wache gehen zu müssen – ein bis dato ungewohntes Bild im Einsatz UNIFIL, der auch nicht losgelöst von den regionalen Erschütterungen im Nahen Osten sein stilles Dasein fristet. Nach vier Monaten im Einsatz freut sich die Besatzung nun allerdings nur noch auf die Ankunft im Heimathafen Warnemünde am 18. April 2016.

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Stand vom: 01.04.16


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