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Wir sind iM EINsatz – Die Versorger vom Einsatzgruppenversorger

In See, 29.03.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Das Versorgungsteam der „Frankfurt am Main“
Das Versorgungsteam der „Frankfurt am Main“ (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED)Größere Abbildung anzeigen

Vereinfacht ausgedrückt könnte durch unseren Einsatzgruppenversorger eine Fregatte der deutschen Marine einmal die Welt umfahren, ohne je einen Hafen anlaufen zu müssen. Das Schiff führt Treibstoff, Frischwasser, Lebensmittel, Munition und alle anderen Arten von Vorräten mit, um Schiffe der Marine auch auf See mit allem auszustatten, was diese für ihre Aufgaben benötigen. Als schwimmender Versorgungsstützpunkt halten wir so den Betrieb auch in den Einsätzen der Marine fernab der Heimatbasen am Laufen. Dazu ist einiges an Arbeit nötig, die nur gemeinsam im Team zu bewältigen ist. Wir sind die Teileinheiten 410 / 411 des Hauptabschnittes 400 (Zentrale Dienste) und wir sind sozusagen die Versorger des Einsatzgruppenversorgers. Unser Team besteht aus 18 Soldaten.

Das ist unsere Aufgabe im Einsatz.

Die Arbeit beginnt bereits im Hafen – mit schwerem Gerät wir an Bord das Material eingelagert
Die Arbeit beginnt bereits im Hafen – mit schwerem Gerät wir an Bord das Material eingelagert (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED)Größere Abbildung anzeigen

Die Versorgung bereitet alles vor, was das Schiff aus logistischer Sicht zum Laufen bringt und am Laufen hält. Sei es die Ersatzteilbeschaffung, das Anfordern und koordinieren der Abgaben von Betriebsstoffen, das eigene Fuhrparkmanagement im Heimat- oder Auslandshafen, die allgemeine Materialbewirtschaftung der Einheit und vieles mehr. Hierbei muss speziell das Team der Eigenversorgung mit allen anderen Teileinheiten des Schiffes (zum Beispiel mit der Schiffstechnik oder dem Bereich des Seemännischen Dienstes) eng zusammenarbeiten.

Ein Blick in die langen Flure des EGV
Ein Blick in die langen Flure des EGV (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED)Größere Abbildung anzeigen

Dies ist ein Koordinierungsaufwand, der sehr aufwändig, aber zugleich auch äußerst abwechslungsreich und spannend ist. Wir unterscheiden uns allerdings von den Logistikern anderer Einheiten wie Fregatten dadurch, dass wir ebenso eine logistische Steuerungsfunktion innerhalb eines ganzen Verbandes – bestehend aus Schiffen und Booten auch verschiedener Nationen – übernehmen. Dies ist dann die sogenannte Fremdversorgung. Hier werden z.B. die 8600 m³ Dieselkraftstoff verwaltet, die wir im Bauch haben. Daneben lagern wir aber auch einen großen Bestand an Ersatzteilen für diejenigen Einheiten mit ein, die wir im Einsatz logistisch unterstützen. Dies reicht von hochspezifischen elektronischen Versorgungsartikeln, über Proviant, bis hin zu Artikeln des alltäglichen Gebrauchs wie bspw. Handtuch- und Toilettenpapier.

Die Tankanlage der „Frankfurt am Main“ wird für den nächsten Einsatz vorbereitet
Die Tankanlage der „Frankfurt am Main“ wird für den nächsten Einsatz vorbereitet (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED)Größere Abbildung anzeigen

In dem Einsatz EUNAVFOR MED Sophia wird das logistische Konzept eines Einsatzgruppenversorgers wie oben beschrieben stringent verfolgt. Eine Hauptaufgabe ist, neben der Betankung der Einheiten anderer Nationen des Verbandes, die koordinierte Neubeschaffung von Materialien für uns sowie die Korvette „Ludwigshafen am Rhein“ zu gewährleisten. Dabei handelt es sich zum Beispiel um große Umfänge von Artikeln, welche die Einheiten im Rahmen der Rettung in Not geratener Personen benötigen. Aber auch Material zum persönlichen Eigenschutz unserer Soldaten wird von uns mitgeführt und bei Bedarf mittels Versorgungsmanövern auf See oder im Hafen verausgabt.

Im Hafen werden große Mengen an Material bewegt
Im Hafen werden große Mengen an Material bewegt (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED)Größere Abbildung anzeigen

Erfüllung und Stolz empfindet das Team der Eigen- und Fremdversorgung – und eigentlich das ganze Schiff – wenn jeder erkennt, was er nach einem langen Tag auf See oder im Hafen bspw. bei der Übergabe von Kraftstoff oder auch von großen Mengen an Material und Proviant geleistet hat. So haben wir allein in einigen Häfen mehr als 25 Tonnen Material sowie Proviant umgeschlagen. Als Knotenpunkt eines see- und hafengebundenen logistischen Systems liegt ein großes Maß an Verantwortung auf all unseren Schultern, um alle Einheiten im Einsatzgebiet zu versorgen und somit die Erfüllung des Einsatzauftrags mit zu gewährleisten.

Das macht unsere Tätigkeit hier besonders.

Die „Frankfurt am Main“ liegt  zur Nachversorgung an der Pier
Die „Frankfurt am Main“ liegt zur Nachversorgung an der Pier (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED)Größere Abbildung anzeigen

Es ist die tägliche Abwechslung, welche das Aufgabenfeld des Logistikers und damit auch der Versorgung interessant aber auch zugleich unberechenbar macht. Zum Beispiel können heute noch alle Bestände an Material zur Aufnahme von in Not geratenen Personen aufgefüllt sein, aber schon am nächsten Tag – zum Beispiel wegen der Rettung von 615 Personen am 15. März 2016 – muss ein sofortiges logistisches Nachsteuern erfolgen. Da wir diesen Prozess aus ständigem Abgleich zwischen Ist- und Soll-Zustand nicht nur für das eigene Schiff, sondern auch für andere Schiffe eines Verbandes im Auge haben müssen, verlangt dies einen noch höheren Grad an Flexibilität und Koordinationsfähigkeit.

Der Gabelstapler lernt fliegen – von der Pier zurück in das Schiff
Der Gabelstapler lernt fliegen – von der Pier zurück in das Schiff (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED)Größere Abbildung anzeigen

Aber gerade dies macht die Logistik ebenso nervenaufreibend wie spannend. Nichts ist schöner als der Erfolg, wenn man viel Arbeit bei der Beschaffung und Transportabsprache investiert und ein wichtiges Ersatzteil an Bord und damit Anlagen wieder zum Laufen gebracht hat. Manchmal sind diese Prozesse wahre Nervenkrimis, wenn beispielsweise das Auslaufen des Schiffes unmittelbar bevorsteht und der Transport-LKW noch im Stau steckt. Dann wird die Zeit schon einmal knapp. Daneben gibt es allerdings auch ganz alltägliche und auch monotone Dinge, die weniger Freude mit sich bringen aber eben für eine logistische Plattform absolut notwendig sind.

Die Inventur ist nicht die beliebteste Aufgabe an Bord
Die Inventur ist nicht die beliebteste Aufgabe an Bord (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED)Größere Abbildung anzeigen

Darunter zählen zum Beispiel die in festen Abständen durchzuführenden Inventuren der Eigen- und Fremdversorgung. Hier wird tagelang jedes einzelne Gut gesichtet, gezählt und mit dem Bestand abgeglichen. Alles andere als spannend, aber zugleich die Voraussetzung, um das Schiff und den Verband logistisch am Laufen zu halten.

Ein Überblick.

Wenn alle an einem Strang ziehen ist das Material zügig an Bord
Wenn alle an einem Strang ziehen ist das Material zügig an Bord (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED)Größere Abbildung anzeigen

Um sich einmal eine Vorstellung von den logistischen Dimensionen machen zu können, hier ein paar Zahlen: Wir haben seit 2002 ca. 95.000 m³ Kraftstoff an andere Einheiten übergeben. Damit könnte man mit einer Boeing rund 792-mal die Erde umrunden. Während Seeversorgungsmanövern in den vergangenen Jahren haben wir zudem 1,1 Millionen kg an Material und anderen Feststoffgütern an andere Einheiten übergeben. Dies Menge entspricht ungefähr 1100 Kleinwagen. Allein für die Ausrüstungsphase dieses Einsatzes haben wir eine ganze Woche reine Materialbewegungen auf der Pier durchgeführt. Dabei ziehen wir alle, das gesamte Schiff, an einem Strang und sind speziell auf See rund um die Uhr erreichbar.

Was wir noch sagen wollen.

Unser Versorgungsteam ist für die hohe Qualität seiner Arbeit allerdings auch abhängig von der Kooperation mit der Heimatlogistik. Daher grüßen wir unsere Unterstützungsdienststellen in Deutschland und bedanken uns für die fordernde, individuelle aber auch erfüllende Zusammenarbeit. Wir grüßen all unsere Familien und Verwandten und freuen uns auf eine sichere Heimkehr nach Wilhelmshaven.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Teileinheiten 410 / 411, Einsatzgruppenversoger „Bonn“


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