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Ich bin iM EINsatz: Mit den Sternen navigieren

In See, 09.12.2014.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In zahlreichen Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Maurice L. an der Seekarte
Maurice L. an der Seekarte (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Fähnrich zur See Maurice L. und als Zweiter Navigationsoffizier der Fregatte „Lübeck“ im Einsatz bei der EU-Operation „Atalanta“. Im Oktober 2010 bin ich als Wehrdienstleistender zur Marine gekommen. Da ich gerne zur See fahren wollte, durfte ich diese Zeit auf der „Gorch Fock“ verbringen. Hier habe ich Segel gesetzt und gepackt und Instandsetzungsarbeiten an Deck gemacht. Von Dezember 2010 bis Mai 2011 habe ich als Teil der Stammbesatzung an einer Auslandsausbildungsreise des Segelschulschiffes teilgenommen.
Im Mittelpunkt dieser Reise stand die Umrundung des legendären Kap Hoorn, Feuerland in Südamerika. Ein weiteres Highlight war die Passage durch den Panamakanal. Ich konnte mich sehr gut und schnell in die Besatzung einfinden, so dass ich regelmäßig Arbeiten mit den Toppgasten erledigte. Hier sind wir regelmäßig in die Masten der „Gorch Fock“ aufgeentert und haben Reparaturen in der Takelage erledigt.

Nachdem ich mich für drei Jahre bei der Marine verpflichtet hatte, habe ich mich entschlossen, in die Laufbahn der Reserveoffiziere zu wechseln. Nach dem Offizierlehrgang wollte ich eigentlich Schiffbau in Hamburg studieren. Allerdings merkte ich, dass mir das Leben mit und in der Marine sehr gut gefällt. Also wechselte ich in die Laufbahn der Truppenoffiziere mit Studium im Fachbereich Nautik. Dieses Studium werde ich an der Jadehochschule in Elsfleth absolvieren. Um darauf bestmöglich vorbereitet zu sein, absolvierte ich innerhalb der Marine bis Juli 2014 Ausbildungen im Bereich Nautik. Zusätzlich lerne ich nun auf der Fregatte „Lübeck“ die praktische Navigation an Bord eines Schiffes und erhalte so umfangreiches Wissen, welches mir für das Studium von Nutzen sein wird.

Ab Oktober 2015 werde ich für vier Jahre Nautik studieren und in dieser Zeit auch zur See fahren. Hier werde ich zusätzliche Einblicke in die zivile Handelsschifffahrt erhalten, worauf ich neugierig bin und mich sehr freue.
In meiner Freizeit treffe ich mich am Wochenende gerne mit Freunden und betreibe seit acht Jahren Kraftsport. Darüber hinaus fahre ich an sonnigen Sommertagen gerne mit meinem Motorrad durch den Harz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Bei der Ausbildung zum Brückenwachoffizier
Bei der Ausbildung zum Brückenwachoffizier (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Als zweiter Navigationsoffizier bin ich auch Leiter des Abschnittes „Navigation“. Im Moment muss ich vor allem lernen, was ein Brückenwachoffizier macht. Hier wird mir während der Seefahrt beigebracht, die Fregatte von der Schiffsbrücke aus sicher zu fahren. Der Navigationsoffizier sowie ein erfahrener Offizier bilden mich aus und vermitteln mir die praktische Anwendung des Wissens, welches ich im Offizierlehrgang vermittelt bekommen habe. Dabei geht es unter anderem um die korrekte Anwendung der Navigationsverfahren und die Einhaltung nautischer Gesetze in See. Ich lerne, was bei den verschiedenen Seemanövern, wie zum Beispiel bei einem Ruderversager, bei einer Maschinenstörung oder beim An- und Ablegen der Fregatte, zu beachten und zu bedenken ist.

Der richtige Weg will gut geplant sein
Der richtige Weg will gut geplant sein (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Mein großes Ziel während des Einsatzes ist es, so viel Wissen und Erfahrungen wie möglich zu sammeln. Außerdem erhoffe ich mir dadurch, im nächsten Jahr meinen ersten „Leistungsnachweis“ vom Kommandanten erteilt zu bekommen. Damit dürfte ich das Schiff selbstständig von der Brücke aus navigieren und führen. Außerdem könnte ich mich dann schon während meines Studiums zum Berufssoldaten bewerben.
Neben der Ausbildung auf der Brücke habe ich auch jeweils eine Woche im Schiffstechnischen Leitstand sowie in der Operationszentrale des Schiffes verbracht. Dabei konnte ich ein Verständnis für das Zusammenspiel aller Soldaten, Maschinen und Funktionen gewinnen. Aus allen Erfahrungen kann ich eine Essenz für mich selbst bilden, damit ich später genau weiß, was an anderen Stellen des Schiffes erfolgt, während ich die Verantwortung auf der Brücke trage.
Mir persönlich bringt es Freude, wenn ich ein Manöver erfolgreich und gut beendet habe und das Briefing mit dem Kommandanten und dem Navigationsoffizier positiv ausfällt. Außerdem macht es mich glücklich, wenn ich von meiner Familie über E-Mail oder Telefon etwas höre. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass ich für längere Zeit nicht zu Hause bin. Allerdings ist es sowohl für mich, als auch für meine Familie eine kleine Herausforderung.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Auf der Brücke hat Maurice L. alles im Blick.
Auf der Brücke hat Maurice L. alles im Blick. (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Für mich ist es besonders, dass ich mit nur 23 Jahren eine recht große Verantwortung trage. Es macht mich stolz, wenn ich merke, dass mein eigener Plan für die Erfüllung eines Auftrages aufgeht. Dieses Gefühl ist unbezahlbar. Eine weitere Besonderheit für mich ist, dass ich mich mit meiner Tätigkeit auf der Fregatte „Lübeck“ optimal auf das Studium vorbereiten kann. Eine Vielzahl von dem, was ich auf der Brücke bereits jetzt erlerne, werde ich während meines Studiums vertiefen können.
Ich erlerne unter anderem, wie ich mit Hilfe von Sternen meinen Standort auf See bestimmen oder das Wetter aus einer Wetterkarte lesen kann. Ich bekomme ein Gefühl dafür, Radarbilder auszuwerten und entsprechend des Radarbildes in Kombination mit den optischen Beobachtungen richtig zu navigieren. Das Geschäft eines Nautikers ist riesig und dazu noch sehr interessant.

Hinzu kommt, dass ich große Freude dabei habe, mit Menschen zusammen zu arbeiten. Ich bin bereits jetzt Vorgesetzter und es motiviert mich immer wieder, wenn die mir anvertrauten Soldaten ehrlich und freundlich auftreten. Besonders hier im Einsatz ist es wichtig, zwar als Respektperson wahrgenommen zu werden und dennoch ein Vertrauensverhältnis zu den Soldaten zu entwickeln. Da mir die Soldaten jeden Tag das Gefühl geben, dass sie mich als Vorgesetzten akzeptieren und vertrauen, weiß ich, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ich bin vor ein paar Wochen Onkel geworden und ich freue mich sehr darauf, meinen Neffen bald kennenzulernen. Außerdem vermisse ich es, mit meinen Freunden am Wochenende feiern zu gehen, mit meinem besten Kumpel zu trainieren und lange Touren auf meiner Maschine zu unternehmen.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich grüße meine Familie und Freunde, vor allem meinen langjährigen Trainingspartner und Kumpel Phil.
Alles Gute wünsche ich meiner Schwester und ich freue mich auf ein sehr baldiges Wiedersehen in Wilhelmshaven.
Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr, ihr Lieben!


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Maurice L.


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