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Ich bin iM EINsatz: „Vom Blinddarm bis zum Kaiserschnitt“

Prizren, 12.05.2014.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In den sechzehn Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Oberstabsarzt Jörg S. bei seiner Arbeit im Operationssaal
Oberstabsarzt Jörg S. bei seiner Arbeit im Operationssaal (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Oberstabsarzt Dr. Jörg S. und im Einsatz bei KFOR. Als Notarzt, Chirotherapeut und Sportmediziner und zugleich Facharzt für allgemeine Chirurgie in der Weiterbildung zum Unfallchirurgen/Orthopäden verfüge ich über viele Qualifikationen, die hier teilweise auch gefordert werden.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Mein Auftrag ist die Sicherstellung der chirurgischen Expertise im Einsatzland. Sofern es zu einer Verletzung kommt, steht durch mich schnelle und umfassende Hilfe, wenn nötig auch operativer Art, zur Verfügung.

Als Notarzt, Chirotherapeut und Sportmediziner und zugleich Facharzt für allgemeine Chirurgie in der Weiterbildung zum Unfallchirurgen/ Orthopäden kann ich dabei ein breites Spektrum abbilden. Ich habe hier bereits Blinddarmoperationen durchgeführt, Knochenfragmente an einem Finger angenähert und fixiert sowie zwei Schulterrepositionen vorgenommen.

Im Einsatz stehen nicht nur kleinoperative Behandlungen, wie die Versorgung von Schnittwunden an, sondern größtenteils konservative Behandlungsmaßnahmen: Dazu zählen manuelle Therapien wie das das Lösen von Blockaden im Rücken sowie die medikamentöse Therapie und Verordnung von orthopädischen Stützinstrumenten.

Die Teileinheit -Fachuntersuchungsstelle Chirurgie- wird hier durch einen erfahrenen Feldwebel geführt. Er kümmert sich um das Material wie Instrumente, medizinische Geräte, um den Medikamentennachschub und vergibt Termine. Somit bleibt Zeit, sich nicht nur weiter um die eigene Fortbildung oder um zusätzliche Aufgaben aus der Heimat zu kümmern, sondern auch für Unterstützung und Weiterbildung in fachfremden Bereichen zu sorgen: So konnte ich unter Anleitung unseres Vertragsgynäkologen im Regional Hospital Prizren an sechs Geburten per Kaiserschnitt teilnehmen.

Im Vergleich zu meinem ersten Einsatz bei ISAF gleicht KFOR beinahe einem Routinebetrieb einer deutschen militärischen Einrichtung im Ausland unter Beteiligung weiterer befreundeter Nationen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Der Mann mit den magischen Händen: Oberstabsarzt Jörg S. bei der Behandlung
Der Mann mit den magischen Händen: Oberstabsarzt Jörg S. bei der Behandlung (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

In diesem Fall ist KFOR einzigartig, da ich der einzige Facharzt für Chirurgie bin, der für alle an der Mission Beteiligten im Falle des Falles da ist. Damit bilde ich die letzte Instanz ab. Hier muss ich die Entscheidung, welche Maßnahme ich am Patienten aus chirurgischer Sicht treffe, alleine fällen und habe keinen erfahrenen Oberarzt/ Chefarzt in der Hinterhand, den ich schnell um Rat fragen kann. Dies ist eine Situation, mit der man umzugehen hat und aus der man lernt, dann gefestigter in den nächsten Einsatz zu gehen und sich erneut der Herausforderung zu stellen.

Zudem sind im Einsatzlazarett nicht alle gängigen oder bekannten Instrumente/ Hilfsmittel für eine OP vorhanden, wie ich sie in der Heimatverwendung im Bundeswehrkrankenhaus Ulm kenne und benutze. Daher ist manchmal auch Improvisationsvermögen gefragt, zumal die Verletzungsmuster sehr different sind.

Das vermisse ich hier am meisten.

Dass ich meine Familie am meisten vermisse, steht außer Frage. Die Kommunikationsmöglichkeiten sind aber ausreichend, um etwa mit Skype Verbundenheit und Nähe aufrecht zu erhalten. Gerade für die Kinder halte ich dies für extrem wichtig. Sie haben einfach noch kein Zeitgefühl, das tägliche Sehen des Elternteils ist immens wichtig. So registriert meine Tochter mit weniger als zwei Lebensjahren bereits am Skype-Klingelton, dass Papa gleich auf dem Bildschirm erscheint und wartet mit einem leicht gesungenen „Hallo“ auf.

Als begeisterter Triathlet leitet Oberstabsarzt Jörg S. eine gut besuchte Trainingsgruppe
Als begeisterter Triathlet leitet Oberstabsarzt Jörg S. eine gut besuchte Trainingsgruppe (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Ansonsten vermisse ich hier nichts. Es ist alles vorhanden, was man zum (Über-)Leben in einem Feldlager braucht. Ein wenig mehr Freiraum zum Schwimmen und Radeln wäre schön. Da bin ich als aktiver Triathlet doch ein wenig eingeschränkt. Aber ich halte mich mit Rumpfstabilisierungstraining in der Gruppe, die ich anleite, doch ganz fit.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich hoffe, dass ich hier alle Aufgaben weiterhin bewältigen kann. Ich möchte mich persönlich weiterentwickeln, auch um die Ansprüche an meine Person als Offizier und Arzt erfüllen zu können. Ich wünsche allen Kameraden eine gesunde Heimkehr – denn dann habe ich alles richtig gemacht.

Mir selbst wünsche ich einen gesunden Nachwuchs im September. Ich grüße meine Familie zu Hause sowie alle meine Freunde, Bekannten sowie Kameraden im Bundeswehrkrankenhaus in Ulm, die für mich mitarbeiten müssen.


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Stand vom: 08.01.18 | Autor: Dr. Jörg S.


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