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Ich bin iM EINsatz: Alles im Lot – ein Vermesser in Gao

Gao, 20.11.2018.

Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat steht im Camp Castor in Mali vor einem Wegweiser.
Feldwebel Moritz K. ist im MINUSMA Einsatz als Vermesser eingesetzt (Quelle: Bundeswehr/Christoph Liesmann)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Moritz K., 32 Jahre alt und seit Oktober 2013 bei der Bundeswehr. Ich bin in Euskirchen stationiert und verrichte dort meinen Dienst als Geoinformationsvermesser der Bundeswehr im Dezernat „Einsatzvermessung“ des Zentrums für Geoinformationswesen der Bundeswehr. Der Einsatz bei MINUSMA ist für mich die erste dienstliche Verwendung außerhalb Deutschlands

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Feldwebel Moritz K. an seinem Computer Arbeitsplatz
Feldwebel Moritz K. überträgt seine Messdaten (Quelle: Bundeswehr/Christoph Liesmann)Größere Abbildung anzeigen

Kurz gesagt, mache ich hier alles im Einsatz, was ganz allgemein zum Aufgabenspektrum eines Vermessers gehört oder gehören kann. Unser Auftrag ist jedoch durch das Einsatzführungskommando der Bundeswehr ganz deutlich umschrieben. Wir unterstützen hier vor Ort verschiedenste militärische und zivile Bedarfsträger mit bauvorbereitender und baubegleitender Vermessung. Die Dokumentation von Versorgungsleitungen, die Schaffung / Verifizierung von Grundlagendaten oder auch kleineren, schwer zu benennenden Arbeiten „auf Zuruf“, getreu dem Motto: „Habt ihr mal? Könnt ihr mal?“, gehören zu unserem Aufgabenbereich. Wir sind ein dreiköpfiges Team. Unser Tagesablauf richtet sich strenggenommen immer nach der Sonne – also früh raus, spät rein. Denn Vermessung in der Dunkelheit ist zwar möglich, aber durch die eingeschränkte Sicht nicht empfehlenswert. Die klimatischen Bedingungen sind eine große Belastung für Mensch und Material.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Blick durch die Optik eines Nivelliergerätes auf Feldwebel K. und eine Messlatte
Der Blick über das Gerät zum Messpunkt (Quelle: Bundeswehr/Christoph Liesmann)Größere Abbildung anzeigen

Nun, jede Vermessung ist ein Unikat. Die Verfahren sind oft die gleichen und man könnte sie nach „Schema F“ abspulen. Jedes neue Gelände, jeder neue Auftrag, das Wetter und auch die materielle Ausstattung zwingen mich immer dazu, den Messablauf neu zu planen und die Messdurchführung auch oftmals unkonventionell durchzuführen. Vermesser sind viel draußen in der Natur, überwiegend bei Tageslicht und stets an der frischen Luft. Das ist für mich persönlich, auch gerade innerhalb der militärischen Struktur, ein großes Privileg der Freiheit. Außerdem komme ich als Vermesser viel herum. Ich lerne Menschen kennen, die sonst keiner wahrnimmt. Ich sehe Winkel und Ecken, die niemand kennt. Ich entwickle einen Blick für Details, die anderen verborgen bleiben. Ein großer Unterschied zum Dienst in Deutschland ist, dass man im Inland stets versucht, fachliche „Schwächen“ auszubessern, während man hier im Ausland das fachliche Können und die Stärken ausspielen muss, um ein präzises Ergebnis zu erzielen und das Team gewinnbringend zu ergänzen.

Als besonderes persönliches Erleben ist für mich auch die durchaus konstruktive, wertschätzende Zusammenarbeit der verschiedensten Truppengattungen und Dienstposten miteinander zu benennen, denn das findet man im Inland leider nicht immer vor.

Das vermisse ich hier am meisten.

Feldwebel Moritz K. beim Einstellen des Nivelliergerätes vor einem UN- Fahrzeug
Das Nivelliergerät muss genau für die Messung durch Moritz K. ausgerichtet werden (Quelle: Bundeswehr/Christoph Liesmann)Größere Abbildung anzeigen

Am meisten vermisse ich hier ein vernünftiges deutsches Frühstück, mit Graubrot, geschmackvollen Cerealien und echtem Joghurt.

Ein gepflegtes Pils würde hier an der ein oder anderen Ecke auch ganz nett sein, aber die holländischen Bavaria-Alternativen bei 0,0% sind mittlerweile von „gänzlich unbekannt“ auf „überragend“ in der Beliebtheitsskala geklettert.

Obligatorisch genannt; es fehlt mir natürlich auch mein privates Umfeld.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Moritz K. mit seiner Messausrüstung an seinem Kontrollpunkt.
Der Festpunkt dient Moritz K. als Kontrolle für alle weiteren Messungen (Quelle: Bundeswehr/Christoph Liesmann)Größere Abbildung anzeigen

Nach meiner Rückkehr werde ich mir wohl die drei Top-Problemlöser des Mali-Einsatzes anschaffen: Ein Elektroschweißgerät (hiermit wird hier alles bearbeitet, geflickt oder umgebaut, solange irgendwie noch Metall dran ist), einen Brotbackautomaten und ein London-(Dart-)Board mit Steel-Darts – die Freizeitbeschäftigung Nummer zwei, nach der Videotelefonie.

Persönlich werde ich nach meinem Einsatz in den verbleibenden Wochen bis zum Jahreswechsel einen Kurzurlaub machen. Dann werde ich als IT-Beauftragter des Dezernats eine neue Innerbetriebliche Weisung in den Entwurf bringen und die Software-Umstellung unserer mobilen Rechnereinheiten begleiten.

Zum Schluss sei noch mein persönlicher Dank an das „Team Heiligenschein“ – die sich selbst so nennenden Würdenträger vom Militärpfarramt – für die vielen Betreuungsangebote und die Männer der Feldpoststelle für ihren reibungslosen und souveränen Einsatz ausgesprochen.


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Stand vom: 20.11.18 | Autor: Moritz K.


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