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Einsatztagebuch Westafrika Teil 4: „Heute ein Selfie“

Monrovia/ Liberia, 22.01.2015.

Für Hauptfeldwebel Dennis K. beginnt die vierte Woche bei der Humanitären Hilfe für Westafrika besonders heiß. Es brennt, eine ehemalige Botschafterin berichtet vom deutschen Karneval und US-Soldaten halten ihn für ein Mitglied der „Special Forces“. Und dann auch noch die einmalige Chance für ein Selfie. Nicht schlecht für einen Fotografen, der es sonst ja fast nie auf ein Foto schafft.

Montag, 12. Januar

Die vierte Woche beginnt. Der heutige Tag ist heiß, sehr heiß. Normalerweise hat man sich innerhalb einer guten Woche akklimatisiert. Doch heute wird das getoppt. Das Thermometer zeigt mittags 34°C. Das hatten wir zwar schon, aber die gefühlte Temperatur liegt heute aufgrund der Luftfeuchtigkeit deutlich über 40°C. Jeder Schritt wird einem zu viel. Der Weg zu meinem Zimmer im vierten Stock wird zur schweißtreibenden Expedition. Man muss hier permanent trinken, fünf bis sechs Liter Wasser am Tag sollten es sein.
Als am Abend dann die Einwohner Monrovias wie üblich ihren Müll verbrennen, liegt eine stickige Dunstwolke über der Stadt. Eine Müllabfuhr gibt es hier nicht. Der Müll wird einfach an einer Stelle aufgehäuft und anschließend verbrannt. Wieder etwas, was wir uns zu Hause nicht vorstellen können.

Müllverbrennungsanlage

Müllverbrennungsanlage (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Auch wir verbrennen den Müll der ETU in einer von zwei mobilen Müllverbrennungsanlagen. Diese „Incinerator“ haben allerdings eine so hohe Verbrennungstemperatur (mehr als 800 Grad), dass kaum Rauch entsteht.
Wenn nach Sonnenuntergang die Luftfeuchtigkeit schneller steigt als die Temperatur fällt, kann man es manchmal nicht mehr aushalten. Schon gar nicht, wenn der Smog dazu kommt.

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Dienstag, 13. Januar

Hauptfeldwebel Konstantin T. – Kompaniefeldwebel und Multitalent des Kontingents

Hauptfeldwebel Konstantin T. – Kompaniefeldwebel und Multitalent des Kontingents (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Wir haben einen Artikel über unseren Spieß vorbereitet. Der hat hier unheimlich viel zu tun. Konstantin macht hier fast alles möglich. Er sorgt dafür, dass wir immer einen vollen Getränkekühlschrank haben, holt Personal vom Flughafen ab, bringt Personal zum Flughafen. Er macht auch noch die ganzen Personalangelegenheiten für das Kontingent, telefoniert zum Teil mehrere Stunden am Tag mit Deutschland. Seine wichtigste Rolle ist aber die des Postboten. Oftmals braucht er Stunden und jede Menge Überzeugungsarbeit gegenüber liberianischen Beamten, um die heißersehnten Pakete zu bekommen. Gleichzeitig er ist natürlich auch das „Postamt“ für Sendungen, die wir nach Hause schicken wollen.

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Mittwoch, 14. Januar

Bei der Feuerlöschübung

Bei der Feuerlöschübung (Quelle: Bundeswehr/Regina Nöbel (DRK))Größere Abbildung anzeigen

Es brennt in unserer ETU! Allerdings ist es, Gott sei Dank, nur eine Feuerlöschübung. Wir schulen das lokale Personal im Umgang mit der Kübelspritze. Alle sind, im wahrsten Sinne des Wortes, mit Feuereifer dabei. Unsere Techniker haben einen großen Haufen von Abfallholz aufgestapelt, angezündet und dann unter Anleitung löschen lassen. Diese Prozedur wiederholt sich den ganzen Tag hindurch, da wir teilweise schon im Schichtbetrieb arbeiten und einige Mitarbeiter erst im Laufe des Tages zur Arbeit kommen.

Die ehemalige liberianische Botschafterin in Deutschland

Die ehemalige liberianische Botschafterin in Deutschland (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Abends haben wir dann Besuch. Die ehemalige liberianische Botschafterin in Deutschland ist gekommen, um uns einen interessanten Vortrag über ihr Land zu halten. So erfahren wir zum Beispiel, woher der Brauch kommt, seinen Mitarbeitern Reis zu schenken. Angefangen hat es mit einer US-amerikanischen Reifenfirma, die hier riesige Kautschukplantagen unterhält. Den Plantagen mussten Reisfelder weichen, mit deren Erträgen die Einheimischen Ihre Familien durchbrachten. Die nun im Kautschukabbau angestellten Bauern, bekamen ihr Gehalt, ein Teil wurde jedoch in Form von Reis ausgezahlt. Daraus entstand dann auch in anderen Betrieben der Brauch, zumindest zu bestimmten Feiertagen, Reis an die Mitarbeiter zu verschenken. Wir haben das zum Jahreswechsel auch gemacht. Es kam sehr gut an.

Als die ehemalige Botschafterin gefragt wird, was bei ihr denn besonders hängengeblieben ist, wenn sie an Deutschland denke, muss ich schmunzeln. Es ist ausgerechnet der rheinische Karneval! Sie erzählt, wie Ihre Kinder jedes Bonbon aufgesammelt haben und dass es noch wochenlang Süßigkeiten im Überfluss zu Hause gab. Den Brauch eines Polterabends kannte sie vorher auch nicht, war aber schwer beeindruckt davon. Offenbar haben sich die Rheinländer von ihrer besten Seite gezeigt, was mich persönlich aber auch nicht wundert.

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Donnerstag, 15. Januar

Einblick in die US-amerikanische „Monrovia Medical Unit“ (MMU)

Einblick in die US-amerikanische „Monrovia Medical Unit“ (MMU) (Quelle: Bundeswehr/Philip Hauenstein)Größere Abbildung anzeigen

Ich fahre mit zu den US-Amerikanern, die hier die so genannte „Role 2“ zur Verfügung stellen. Die „Role 2“ ist ein Feldkrankenhaus, in dem die komplette notfallmedizinische Versorgung vorgenommen werden kann. Sogar operative Eingriffe sind hier möglich. Das Ganze ist zum größten Teil in riesigen Zelten untergebracht, die aufgeblasen werden. Durch die vollgepumpten Stützen wird auch eine Klimatisierung der Zelte erreicht. Es überrascht mich, wie angenehm kühl es im Inneren ist.

Leutenant Colonel Fandre und Oberstleutnant Christian J. bei der Unterzeichnung

Leutenant Colonel Fandre und Oberstleutnant Christian J. bei der Unterzeichnung (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Wir sind heute hier, um einen Vereinbarung zu unterzeichnen, der die notfallmedizinische Versorgung des gesamten deutschen Kontingents noch einmal bekräftigt. Auch unsere Rotkreuzler würden im Notfall durch die US-Amerikaner versorgt werden. Sie wären auch für den Fall einer Ebola-Infektion innerhalb unseres Teams für die Versorgung des Patienten zuständig.

Wir nehmen nach der Unterzeichnung auch am Briefing der US-Amerikaner teil. Bevor der General der 101. Airborne Division den Raum betritt, wird laute Rockmusik gespielt. Seine erste Frage: „Welche Band ist das?“ Ein Rätsel, ein Brauch, den er anscheinend selbst ins Leben gerufen hat. Ich versuche mir eine solche Lockerheit in einem deutschen Briefing vorzustellen. Aber irgendwie will es mir nicht gelingen. Wir werden dem kommandierendem General der Monrovia Medical Unit (MMU) als „German Delegation“ vorgestellt.

Die Plakette, die Major General Volesky übergeben wurde

Die Plakette, die Major General Volesky übergeben wurde (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Der General bekommt als Geschenk eine Plakette überreicht, die er überrascht entgegennimmt. Wir bedanken uns gegenseitig für die Unterstützung, versprechen uns auch weiterhin eine gute, kameradschaftliche Zusammenarbeit und sind gemeinsam stolz auf das, was alle im Kampf gegen Ebola bisher erreicht haben. Die Plakette wird in der „Hall of Fame“ der 101. Airborne Division ihren Platz finden, verspricht uns der General.

Lustige Begebenheit am Rande: Nachher stellt sich heraus, dass die Bartträger unter uns für „Special Forces“ gehalten wurden. Offenbar dürfen US-amerikanische Soldaten nur einen Schnauzbart tragen. Die Special Forces hingegen sind davon ausgenommen. Ich bei den Special Forces … na dann.

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Freitag, 16. Januar

Heute ein Selfie - Fotograf und das Team der ETU

Heute ein Selfie - Fotograf und das Team der ETU (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Wir beschließen die arbeitsreiche Woche mit einem Foto des gesamten Teams. Dazu haben wir extra T-Shirts drucken lassen. Ich stehe auf dem Container unserer Administration um alle aufs Bild zu bekommen. Als ich danach „Stop, just a second“ rufe und ein „Selfie“ von mir auf dem Dach mit dem Team im Hintergrund mache, werde ich frenetisch gefeiert. Denn es ist nun mal das schwere Los des Fotografen, dass man tausende Fotos macht, aber selbst ist man nie mit drauf. Heute nicht.

Die Fotowände fanden großen Anklang

Die Fotowände fanden großen Anklang (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Wir schließen den Arbeitstag mit einer kleinen Feier für alle ab. Unsere liberianischen Mitarbeiter freuen sich über die Fotowand mit Schnappschüssen der letzten Wochen, sowie über Fingerfood und Softdrinks. Es wird getanzt, gescherzt, Fotos werden gemacht. Man kann vielen ansehen, wie das „Eis bricht“ und wir noch näher zusammenrücken. Am Abend müssen wir uns allerdings auch wieder von ein paar unserer Kameraden verabschieden. Mittlerweile ist das Kontingent fast einmal komplett ausgetauscht. Es hat sich ein kleines Ritual entwickelt. Nach dem Antreten, möglichen Auszeichnungen und den „letzten Worten“, stellen wir uns zu einem Spalier auf und winken den Abreisenden noch hinterher. Das tun wir auch heute.

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Samstag, 17. Januar

Gestern Abend kam eine Niederländerin vom Roten Kreuz zu uns. Das DRK ist mittlerweile eine echte „Multi-Kulti“-Truppe. Die Team-Mitglieder kommen aus der ganzen Welt: Kenia, Schweiz, Frankreich, Österreich, Australien, Großbritannien. Fantastisch ist auch zu sehen, wie gut man mit allen auskommt. Wir sind schon vor einiger Zeit dazu übergegangen, unsere Briefings auf Englisch durchzuführen. So verstehen wir uns untereinander und auch unsere liberianischen Mitarbeiter, auch wenn sie einen sehr gewöhnungsbedürftigen, liberianischen Slang sprechen. Sie sprechen sehr weich, verschlucken harte Konsonanten und haben eigene Begriffe, die es im Schulenglisch so nicht gibt. Aber man gewöhnt sich auch daran. Spätestens nach einer Woche bekommt man ein Gefühl dafür. Und außerdem hat man ja auch noch Hände und Füße, mit denen man kommunizieren kann. Irgendwie klappt es immer. Woche fünf steht vor der Tür. Ich bin gespannt, was sie bringen wird.

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Stand vom: 29.01.15 | Autor: Dennis K.


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