Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Aktuelle Einsätze > Von Dakar nach Bamako: Reparaturen unter westafrikanischer Sonne

Von Dakar nach Bamako: Reparaturen unter westafrikanischer Sonne

Dakar, 31.03.2014.

Sieben Techniker des Lufttransportstützpunktes Dakar (LTStP Dakar) sind auf dem Weg in die malische Hauptstadt Bamako, um eine defekte Transall C-160 zu reparieren.

Ein hydraulischer Vorratsbehälter ist undicht. So die Fehlerbeschreibung, die die Techniker in Dakar vor wenigen Tagen erreichte. Die Diagnose wurde durch einen Prüfer des Stützpunktes bestätigt. Der Behälter versorgt verschiedene Hydraulikkreise des Flugzeugs, so beispielsweise die gesamte Steuerung (Höhen-, Quer- und Seitenruder) und die Landeklappen, die Laderampe und das Ladetor. Eine schwerwiegende Störung, die eine Nutzung der Maschine unmöglich macht.

Mit viel Gepäck unterwegs - Instandsetzungscrew mit fünf Tonnen Material

Mit viel Gepäck unterwegs - Instandsetzungscrew mit fünf Tonnen Material (Quelle: Bundeswehr/Peter B.)Größere Abbildung anzeigen

Nachdem die benötigten Ersatzteile aus Deutschland eingetroffen sind, wird der Instandsetzungstrupp in Marsch gesetzt. Nachmittags hebt die Transall, die die Soldaten nach Bamako bringt, ab. Mit an Bord sind zusätzlich noch etwa fünf Tonnen Material – Werkzeug, Ersatzteile und ein Hydraulikteststand, der allein bereits vier Tonnen wiegt.

Rund zwei Stunden und 40 Minuten ist die Transall in der Luft, bevor sie auf dem Rollfeld in der malischen Hauptstadt aufsetzt. Für die Soldaten werden die kommenden kräftezehrend werden. Doch die meisten von ihnen arbeiten nicht das erste Mal unter derartigen Bedingungen. In unzähligen Einsätzen auf dem afrikanischen Kontinent und in Afghanistan haben sie bewiesen, dass die Luftfahrzeugtechnik Hitze und Staub trotzen kann.

nach oben

Trockene Hitze

Die Hitze beim Öffnen einer Backofentür, um nach dem Sonntagsbraten zu schauen, kommt dem am nächsten, was die Soldaten beim Öffnen der Laderampe der „Trall“ empfinden. Gestartet bei 25 °C in Dakar, gelandet bei 40 °C im Schatten in Bamako. Jeder Windstoß fühlt sich an, wie ein Schwall warmer Luft aus einem Fön.

Alle packen mit an - Entladen in Bamako

Alle packen mit an - Entladen in Bamako (Quelle: Bundeswehr/Peter B.)Größere Abbildung anzeigen

Sobald die Triebwerke abgeschaltet sind, beginnt der Ladungsmeister mit dem Entladen des Flugzeugs. Zügig wird alles ausgeladen, was in Mali bleiben soll. Es muss schnell gehen, denn die Crew kann nicht allzu viel Zeit am Boden verbringen. Sie müssen zurück nach Dakar.

Es ist 18:30 Uhr. Der Sonnenuntergang steht kurz bevor, doch Hauptfeldwebel Oliver B. möchte noch einige Vorbereitungen für die Instandsetzung am morgigen Tag treffen - Abdeckungen werden entfernt, Verschraubungen gelöst.
Für die Techniker birgt der frühe Beginn die Chance, zeitliche Ressourcen für eventuelle Komplikationen zu schaffen. "Die Maschine muss fertig werden", sagt der 41jährige Oliver B., „und zwar im Zeitplan." Dieser gibt zwei Tage vor, inklusive aller erforderlichen Tests und Überprüfungen am Ende.

Nach der Ankunft beginnen die Techniker mit den Vorbereitungen

Nach der Ankunft beginnen die Techniker mit den Vorbereitungen (Quelle: Bundeswehr/Peter B.)Größere Abbildung anzeigen

Die defekte Maschine steht wenige hundert Meter entfernt, auf einem Schotterplatz am Rande der Rollbahn. Bodenpersonal wird beauftragt, den Hydraulikteststand mit einem Schleppfahrzeug zu ihr zu bringen. Ein zusätzliches Stromversorgungsgerät wird angefordert. Oliver B. gibt den Takt vor, denn der Tausch des Hydraulikbehälters ist der aufwendigere Teil der Instandsetzung und hat absoluten Vorrang. Die anderen Arbeiten sind nicht minder wichtig, können aber parallel erledigt werden.

Gegen 20:30 Uhr sind die Soldaten auf dem Weg in ihre Unterkunft. Das Thermometer zeigt noch immer 33 Grad an. Es geht quer durch die staubige, noch immer belebte Hauptstadt Malis. Abendessen, Duschen und dann ab ins Bett. Vielleicht noch ein kurzes Telefonat mit der Familie. Alle haben die gleichen Pläne.

"Morgen früh ist um sechs Uhr Abfahrt. Kein Frühstück hier, wir nehmen Frühstückspakete mit und essen vor Ort", sagt Major Armin B. Er schaut in die Runde. Allgemeines Nicken. Alle wissen, dass es sinnvoll ist, früh zu beginnen, um zumindest ein wenig bei kühleren Temperaturen zu arbeiten. Kühlere Temperaturen bedeuten hier 25 - 30 Grad.

nach oben

Der nächste Morgen

Hauptfeldwebel Oliver B. und Stabsunteroffizier Hans-Christian S. beim Ausbau des Hydraulikbehälters

Hauptfeldwebel Oliver B. und Stabsunteroffizier Hans-Christian S. beim Ausbau des Hydraulikbehälters (Quelle: Bundeswehr/Peter B.)Größere Abbildung anzeigen

Der Tag hat noch nicht richtig begonnen und schon wird der Zeitplan über den Haufen geworfen. Die Fahrer, die die Soldaten zum Flughafen fahren sollen, sind nicht da. Es wird telefoniert und wieder telefoniert. Mit einer Stunde Verspätung geht es dann endlich los.

30 Minuten dauert die Fahrt zum Flughafen. Um diese Zeit ist die Stadt noch nicht so belebt. Gleich nach der Ankunft wird mit der Arbeit begonnen. Der Creweinstieg und beide seitlichen Türen im Heck der Maschine werden geöffnet, um wenigstens ein wenig Luftzirkulation zu bekommen. Hauptfeldwebel Oliver B. und Stabsunteroffizier Hans-Christian S. beginnen mit dem Ausbau des Hydraulikbehälters. Sie möchten die Zeit wieder aufholen.

"Wie spät ist es?", fragt Oliver B. "Zehn Uhr", ruft jemand. "Wow, wir liegen gut.“ Hauptfeldwebel Oliver B. schaut kurz zufrieden und widmet sich wieder seiner Arbeit. Der defekte Behälter ist schon ausgebaut und wird von zwei Technikern für den Rücktransport vorbereitet. Im Behälter befindet sich noch Öl, das abgelassen und entsorgt werden muss.

nach oben

Eine kleinigkeit essen, viel trinken

Essen an Bord der defekten Maschine - Hautfeldwebel Wolfgang V. bei der Zubereitung

Essen an Bord der defekten Maschine - Hautfeldwebel Wolfgang V. bei der Zubereitung (Quelle: Bundeswehr/Peter B.)Größere Abbildung anzeigen

Major Armin B. und Hauptfeldwebel Wolfgang V. stehen an einer Transportkiste und bereiten das Essen für alle vor. Käse-Schinken-Tomate-Zwiebel-Baguettes stehen auf dem Speiseplan. Als Getränke werden reichlich Mineralwasser, Cola oder Limonade gereicht. Zum Nachtisch gibt es Obst. "Essen fassen", ruft Hauptfeldwebel Wolfgang V. als alles aufgebaut ist.

Aus allen Ecken der Transall erscheinen Soldaten und schnappen sich ein Baguette. Fünf Minuten Ruhe. Verschwitzte, zufriedene Gesichter. Die Stille wird von Oberfeldwebel Benjamin N. unterbrochen. Er hat die Sauerstoffregler im Cockpit getauscht. "Alle fünf Regler sind gewechselt und funktionieren", sagt er. Diese Regler müssen in bestimmten Intervallen ausgebaut und überprüft werden. Die Überprüfung erfolgt regelmäßig an einem Teststand, der aber weder in Bamako noch in Dakar verfügbar ist. Daher werden die ausgebauten Teile zur Überprüfung nach Deutschland geschickt. Der Tausch wird vom Nachprüfer, Hauptfeldwebel Wolfgang V. abgenommen. Endspurt. Die letzten Rohrleitungen werden mit dem neuen Hydraulikbehälter verbunden.

Nachprüfer Stabsfeldwebel Sven-Marc R. und Hauptfeldwebel Oliver B. bei der optischen Prüfung

Nachprüfer Stabsfeldwebel Sven-Marc R. und Hauptfeldwebel Oliver B. bei der optischen Prüfung (Quelle: Bundeswehr/Peter B.)Größere Abbildung anzeigen

Es folgt noch eine optische Prüfung, ebenso ob alles funktioniert und dicht ist. Dafür wird nun der mitgeführte Hydraulikteststand an die Transall angeschlossen.

"Fünf Bar!", ruft Hauptfeldwebel Oliver B.. Oberfeldwebel Benjamin K. steht an der linken Springertür und ruft den Wert nach draußen zum Teststand, wo Oberfeldwebel Benjamin N. den Rechner des Teststandes bedient. Es folgen noch weitere Kommandos und der Soldat am Teststand ruft die eingegeben Werte zurück. Oliver B. lässt den Druck schrittweise bis auf 210 bar erhöhen. Dies entspricht dem Betriebsdruck im Flug.

Oberfeldwebel Benjamin N. bedient den Hydraulikteststand

Oberfeldwebel Benjamin N. bedient den Hydraulikteststand (Quelle: Bundeswehr/Peter B.)Größere Abbildung anzeigen

Die Geräusche des Hydraulikbehälters sind unüberhörbar, er arbeitet. Die Zufriedenheit bei den Soldaten steigt von Minute zu Minute. Auch Nachprüfer, Stabsfeldwebel Sven-Marc R. ist zufrieden. Der neue Behälter ist dicht und funktioniert. Oliver B. dreht sich um und sagt: "So, ich bin fertig. Nur noch die Abdeckungen und Verkleidungen anbringen und dann können wir den Entgasungsflug durchführen". Doch der ist erst für den nächsten Tag geplant. Er muss sich noch gedulden.

Durch den Tausch hat sich im Hydrauliksystem der Transall Luft ansammeln können. Den größten Teil dieser Luft konnte bereits durch Entlüften oder auch Entgasen entfernt werden. Doch nicht alle Hydraulikkreise konnten vollständig entlüftet werden. So auch der Hydraulikkreis des Fahrwerks. Dies kann nur während eines Fluges durch mehrfaches Ein- und Ausfahren des Fahrwerkes erfolgen.

Bevor das Flugzeug am nächsten Tag in die Luft geht, muss noch ein Standlauf durchgeführt werden. Dabei werden beide Triebwerke mit bestimmten Drehzahlen und Belastungsstufen "gefahren".

nach oben

Prüflauf am Boden und Entgasungsflug

Ein Muss bei dieser Instandsetzung - Der Standlauf

Ein Muss bei dieser Instandsetzung - Der Standlauf (Quelle: Bundeswehr/Peter B.)Größere Abbildung anzeigen

Bei dieser Instandsetzung ist der Standlauf aus zwei Gründen erforderlich. Zum einen werden schon jetzt, ohne zu fliegen, verschiedene Hydraulikkreise aktiviert und somit entlüftet. Zum anderen ist es vorgeschrieben, dass bei einem Flugzeug, das mehrere Tage stand, solch ein Standlauf durchgeführt werden muss. Er verläuft gut, die Transall kann morgen starten.

Am Nachmittag des nächsten Tages kehrt die Crew mit Hauptfeldwebel Oliver B. vom etwa einstündigen Entgasungsflug zurück. Als er zu den Kameraden zurückkommt, schaut er in fragende Gesichter. Er hebt den Daumen. Der Instandsetzungseinsatz war ein voller Erfolg. Nun können die Techniker zurück nach Dakar fliegen. Noch ein gemeinsames Abendessen, Gespräche über den jetzigen und auch die unzähligen anderen Einsätze der letzten Jahre. Dann wird geschlafen.

nach oben

Zurück in Dakar

Wir haben Arbeit mitgebracht. Die zweite deutsche UN-Transall in Dakar.

Wir haben Arbeit mitgebracht. Die zweite deutsche UN-Transall in Dakar. (Quelle: Bundeswehr/Peter B.)Größere Abbildung anzeigen

Um zwölf Uhr landet die Reparatur-Crew mit den fünf Tonnen Material am nächsten Tag wieder in Dakar. Ausladen, Nachflugkontrolle. Wie Ameisen bewegen sich die Soldaten der Technik und des Luftumschlagzuges um das und im Flugzeug. Am nächsten Tag soll die Maschine wieder einsatzbereit sein. Sobald sie entladen ist und die Nachflugkontrolle durchgeführt wurde, werden Arbeitsbühnen an das Transportflugzeug geschoben und die Arbeiten beginnen.

25 Soldaten sind im technischen Bereich des Lufttransportstützpunktes Dakar eingesetzt. Zu Hause in Deutschland gehören sie zum Lufttransportgeschwader 62. Aufgeteilt in verschiedene Fachbereiche, ist jeder einzelne ein Spezialist, doch in bestimmten Situationen sind sie einfach ein Team. Sie müssen sich abstimmen, wenn eine Transall in verschiedenen Bereichen defekt ist. Sie unterstützen sich. So wie beim jüngsten Einsatz in Bamako.
Die vergangenen vier Tage waren eine Herausforderung für die Techniker, doch auch diese Situation haben sie gemeistert. Der Auftrag kann weiter durchgeführt werden.

nach oben


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 27.01.15 | Autor: Peter B.


http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/poc/einsatzbw?uri=ci%3Abw.bwde_einsatzbw.aktuelle_einsaetze&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB174000000001%7C9HQET9354DIBR