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Ich bin iM EINsatz: Als Truppenpsychologin bei KFOR

Prizren, 01.06.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Mitten in der Truppe: Major Julia C.
Mitten in der Truppe: Major Julia C. (Quelle: Bundeswehr/Florian Scholzen)Größere Abbildung anzeigen

Hallo, ich bin Julia C., Truppenpsychologin des 43. Deutschen Einsatzkontingents KFOR. Für mich war es der erste Einsatz. Ich kam erst zur Kontingentmitte, war also einige Wochen kürzer im Einsatz, als die meisten anderen Soldaten. Seit Abschluss meines Studiums im September 2014 arbeite ich für die Bundeswehr: In Deutschland als Angestellte, im Einsatz als Soldatin. Aufgrund meiner Qualifikation führe ich dabei den Dienstgrad Major.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Truppenpsychologin Julia C. im Gespräch mit einem Soldaten
Truppenpsychologin Julia C. im Gespräch mit einem Soldaten (Quelle: Bundeswehr/Florian Scholzen)Größere Abbildung anzeigen

Truppenpsychologen gibt es überall in der Bundeswehr, in Deutschland wie im Auslandseinsatz. Meine Aufgabe im Einsatz ist dabei grundsätzlich dieselbe wie in der Heimat: Führungsberatung, nicht nur für den Kommandeur, sondern für Vorgesetzte auf allen Ebenen. Je nach Bedarf führe ich gemeinsam mit meinem Truppenpsychologiefeldwebel Aus- und Weiterbildungen zu psychologischen Themen durch. Für jeden Soldaten bin ich ansprechbar, wenn er sich dienstlichen, persönlichen oder familiären Schwierigkeiten ausgesetzt sieht. In diesen Fällen versuchen wir gemeinsam eine individuelle Lösung zu finden. Das gelingt manchmal schon mit einem Gespräch, manchmal auch nach mehreren.

Mit Einverständnis des Soldaten versuchen wir auch im psychosozialen Netzwerk, wo sich die Militärseelsorger, der Truppenarzt und der Truppenpsychologe regelmäßig treffen, Lösungen zu finden. Glücklicherweise war in meinem Einsatz keine Krisenintervention mit dem Kriseninterventionsteam notwendig. Das kann bei schwerwiegenden Ereignissen, wie zum Beispiel schweren Verkehrsunfällen, Beschuss, Verwundung oder Tod eines Soldaten aktiv werden.

Obwohl ich erst zur Kontingentmitte in den Einsatz kam, wurde ich von den Kameraden gut aufgenommen. Die Zusammenarbeit funktionierte auf Anhieb. Dennoch fand ich es in der Nachschau schade, nur die Hälfte des Kontingentzeitraums zu begleiten. Ich hätte mich gefreut, als Truppenpsychologin das gesamte Kontingent mitzumachen. Beziehungen und Vertrauen kann man nur schwer übergeben.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein starkes Team: Die Truppenpsychologin und ihr Feldwebel
Ein starkes Team: Die Truppenpsychologin und ihr Feldwebel (Quelle: Bundeswehr/Florian Scholzen)Größere Abbildung anzeigen

Für meine Tätigkeit im Inland finde ich es wichtig zu wissen, wie es Soldaten im Einsatz geht. Was beschäftigt sie? Wie erleben Sie die Abwesenheit von Familie und Freunden, den neuen Tages- und Wochenrhythmus?

Doch so besonders ist meine Tätigkeit hier im Einsatz gar nicht. Ich bin wie alle Soldaten rund um die Uhr erreichbar und tue das, wofür ich ausgebildet bin. Zunächst ist es ungewohnt, auch an den Wochenenden im Dienst zu sein, aber man gewöhnt sich schnell daran. Wichtig ist, trotzdem für den eigenen Ausgleich zu sorgen. Hier in Prizren haben wir dafür sehr viele Möglichkeiten. Mir selber reicht manchmal schon der Blick in die schöne Natur des Kosovo, zum Beispiel auf die Berge. Ich habe mir das vorher gar nicht so schön vorgestellt.

Die Arbeit im Team möchte ich nicht mehr missen. Zu Hause arbeite ich alleine, hier unterstützt mich mein Truppenpsychologiefeldwebel. Ich hätte nie gedacht, wie wertvoll diese Unterstützung sein kann. Als erfahrener Soldat findet er einen anderen Zugang zu den Kameraden. Gelegentlich bewahrte er mich auch vor Fettnäpfchen im militärischen Umfeld. Wir ergänzen uns nicht nur, die gemeinsame Arbeit macht viel Spaß.

Das vermisse ich hier am meisten.

Julia C. freut sich auf ihren Freund, ihren Hund und den Alltag
Julia C. freut sich auf ihren Freund, ihren Hund und den Alltag (Quelle: Bundeswehr/Florian Scholzen)Größere Abbildung anzeigen

Ich vermisse am meisten meinen Freund und „Chico“, unseren Hund. Genauso freue ich mich wieder auf meine eigene Wohnung, auf so alltägliche Dinge wie frische Erdbeeren, Fahrradfahren durch die Stadt und mit dem Hund spazieren zu gehen. Meine Familie und meine Freunde sind es gewohnt, dass ich selten zu Hause bin. Trotzdem vermisse ich sie und freue mich jedes Mal auf das Wiedersehen. Mit meiner Mama und meinem Freund habe ich Briefe geschrieben, mit anderen per Kurznachrichten kommuniziert.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich wünsche allen Soldaten einen ruhigen Einsatz und dass sie gesund nach Hause kommen. Ich drücke allen die Daumen, dass sie pünktlich an ihrem Wunschflughafen ankommen. Grüße sende ich in meine Heimatdienststelle, an die Kameraden im Gefechtsübungszentrum des Heeres. Genauso natürlich an meinen Freund und meine Familie. Ich freue mich, Euch in wenigen Tagen wiederzusehen und persönlich zu hören, was bei Euch in den vergangenen Monaten passiert ist.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Julia C.


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