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Ich bin iM EINsatz: Der „Salzbuckel“

In See, 26.10.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Fregattenkapitän Ulrich A. ist seit 38 Jahren bei der Marine – aktuell als Mitglied des Stabs der „Standing NATO Maritime Group 2“ in der Ägäis.
Fregattenkapitän Ulrich A. ist seit 38 Jahren bei der Marine – aktuell als Mitglied des Stabs der „Standing NATO Maritime Group 2“ in der Ägäis. (Quelle: Bundeswehr/Helge Adrians)Größere Abbildung anzeigen

Moin! Ich heiße Ulrich A. und bin Fregattenkapitän. In Deutschland gehöre ich zur Einsatzflottille 2 in Wilhelmshaven. Dort bin ich in der Gruppe Weiterentwicklung tätig. Ich kann gar nicht genau sagen, mein wievielter Auslandseinsatz das mittlerweile ist. Schließlich diene ich schon seit 1978 in der Marine. Ich tippe mal, dies ist mein achter. Davor war ich zum Beispiel bei „Sharp Guard“, der „Operation Active Endeavour“ und mehrmals bei UNIFIL.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Die Presselage wird jeden Morgen ausgewertet
Die Presselage wird jeden Morgen ausgewertet (Quelle: Bundeswehr/Helge Adrians)Größere Abbildung anzeigen

Im Stab der „Standing NATO Maritime Group 2“ nehme ich derzeit die Aufgabe des sogenannten „Staff Public Affairs Officer“ wahr. Im Tagesgeschäft nennt man mich auch ganz einfach SPAO. In dieser Funktion bin ich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der SNMG2 zuständig und bilde das Bindeglied zwischen unserem Stab und dem „Public Affairs Office“ von MarCom, der maritimen Kommandobehörde der NATO.

Mein Arbeitstag beginnt damit, dass ich die aktuelle Medienlage dahingehend auswerte, ob zum Beispiel Zeitungsartikel erschienen sind, die für unseren Einsatz relevant sein könnten. Hierüber informiere ich täglich den Kommandeur der SNMG2 in der Morgenlage. Daneben betreue ich Besuche von Journalisten, die sich über die NATO akkreditiert haben. Dazu gehören auch die organisatorische Planung und die pressefachliche Beratung des Kommandeurs. Ich stehe aber auch den Soldaten zur Seite, falls sie Fragen rund um einen Pressetermin haben.

Fregattenkapitän Ulrich A. verleiht einem deutschen Soldaten der SNMG2 die Einsatzmedaille.
Fregattenkapitän Ulrich A. verleiht einem deutschen Soldaten der SNMG2 die Einsatzmedaille. (Quelle: Bundeswehr/Helge Adrians)Größere Abbildung anzeigen

Daneben habe ich noch zwei weitere Aufgaben: Zum einen bin ich der Disziplinarvorgesetzte des 2. Deutschen Einsatzkontingents. Mir unterstehen dabei alle deutschen Offiziere und Unteroffiziere; Flottillenadmiral Schönbach ist als Kommandeur der SNMG2 und deutscher Kontingentführer der Disziplinarvorgesetzte der nächsten Stufe. Zum anderen bin ich für das nationale Meldewesen des Kontingents zuständig. Ich bin damit der Berichterstatter des Verbands und informiere täglich Bundeskanzleramt, das Bundesministerium der Verteidigung sowie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr, damit diese Stellen in der Heimat immer auf dem neusten Stand sind, was hier im Operationsgebiet geschieht.

Meine drei Jobs im Stab machen sehr viel Spaß. Grund dafür ist vor allem die Mischung aus Seefahrt und der Zusammenarbeit mit den Soldaten im Stab. Wir sind etwa 20 Soldaten aus sechs Nationen. Jeder ist ein Unikat und es ist wirklich toll, mit diesen Leuten im Einsatz sein zu dürfen. Anstrengend empfinde ich dagegen die ständigen Bemühungen um Personal. Es ist ja nicht so, als würden wir den Einsatz alle gemeinsam beginnen und gemeinsam beenden. In jedem Hafen kommen und gehen Kameraden, aus dienstlichen oder auch privaten Gründen. Zum Beispiel weil sie heiraten. Wenn man so einen Termin langfristig geplant hat und dann kurzfristig ein Einsatz dazwischen gekommen ist, wäre es auch unangemessen, sie nicht gehen zu lassen. Doch die Posten müssen nachbesetzt werden. Qualifiziertes, einsatzklares Personal zu finden, ist manchmal schon eine Herausforderung.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Flottillenadmiral Kay-Achim Schönbach, der Kommandeur der SNMG 2,  und Fregattenkapitän Ulrich A.
Flottillenadmiral Kay-Achim Schönbach, der Kommandeur der SNMG 2, und Fregattenkapitän Ulrich A. (Quelle: Bundeswehr/Helge Adrians)Größere Abbildung anzeigen

Meine jetzige Tätigkeit als Teil der SNMG2 wird wahrscheinlich mein letzter Einsatz sein. Ich bin immerhin schon 57 Jahre alt. Dass ich auf meine „alten Tage“ nochmal ran durfte, verdanke ich dem Kommandeur. Mit ihm pflege ich schon länger eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Besonders ist aber auch, dass wir mit dem Stab der SNMG2, der von einem deutschen Admiral geführt wird, auf einer niederländischen Fregatte eingeschifft sind. So etwas kommt nicht alle Tage vor. Daher empfinde ich die Arbeit in diesem multinationalen Rahmen als überaus bereichernd. Es macht mich im Übrigen auch stolz, einen Beitrag zur Eindämmung der Schleuserkriminalität zu leisten. Da werden Menschen für viel Geld in meist nicht seetaugliche Boote gesetzt. Jeder, der einmal zur See gefahren ist, weiß, welche Risiken es auf dem Meer gibt.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich natürlich meine Familie. Während eines längeren Hafenaufenthalts in Souda auf Kreta hatte ich die Chance, dass mich meine Frau besuchen kommt. Da unsere beiden Kinder erwachsen sind und bereits arbeiten beziehungsweise noch studieren, konnten sie nicht mitkommen. Dementsprechend vermisse ich sie alle. Leider kann ich an Bord auch nicht mein Lieblingshobby ausüben: Motorradfahren. Zu Hause wartet meine Harley Davidson auf mich. Ich freue mich schon, nächstes Jahr wieder ein paar Runden mit ihr zu cruisen. Ansonsten bin ich begeisterter Musiker. Mit Freunden spiele ich in einer Blues Band. Die muss zurzeit leider pausieren – doch auch das wird nachgeholt, wenn ich wieder in der Heimat bin.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Für die Zukunft wünsche ich mir, mit der SNMG2 weiterhin einen erfolgreichen Beitrag in der Ägäis zu leisten. Bis kurz vor Weihnachten bin ich jedenfalls noch dabei. Vielleicht ist ja doch noch ein weiterer Einsatz drin – ein bisschen Dienstzeit habe ich ja noch. Und da ich im kommenden Jahr planmäßig eine neue Tätigkeit in Deutschland bekommen werde, hoffe ich auf einen spannenden Job, der erneut die Möglichkeit zum Auslandseinsatz hergibt.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Ulrich A.


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