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Ich bin iM EINsatz: Den Soldaten ein Stück Heimat geben

Koulikoro, 21.10.2015.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Offenes Ohr: Als Militärpfarrerin sieht sie sich selbst als „wandelndes Gesprächsangebot“.
Offenes Ohr: Als Militärpfarrerin sieht sie sich selbst als „wandelndes Gesprächsangebot“. (Quelle: Bundeswehr/Stephan Ink)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Militärpfarrerin Kim K., 39 Jahre alt und verheiratet. Zu Hause bin ich als Militärpfarrerin in Weiden in der Oberpfalz eingesetzt. Im letzten Jahr habe ich das 38. Kontingent der Kosovo Force (KFOR) begleitet.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Als Militärpfarrerin habe ich in erster Linie ein offenes und verschwiegenes Ohr für die Soldaten hier im Einsatz. Ob es gerade mit der Kommunikation nach Hause knirscht, es im Team vor Ort nicht ganz rund läuft oder Ereignisse aus vergangenen Einsätzen auf der Seele liegen: Ich bin für die Soldaten da.

Mit ihren Feldgottesdiensten schafft die Militärpfarrerin für ihre Soldaten eine kleine Auszeit zum Dienstalltag.
Mit ihren Feldgottesdiensten schafft die Militärpfarrerin für ihre Soldaten eine kleine Auszeit zum Dienstalltag. (Quelle: Bundeswehr/Stephan Ink)Größere Abbildung anzeigen

Hier in Mali bin ich mit meiner Aufgabe nicht allein, auch wenn ich keinen Mitarbeiter habe. Es unterstützen mich viele Soldaten ehrenamtlich, wenn es um die Planung und Durchführung von Gottesdiensten, Fahrten oder besonderen Veranstaltungen geht. Wöchentlich biete ich Feldgottesdienste an, in denen die Soldaten die Möglichkeit haben, zur Ruhe zu kommen. Auch um durchzuatmen und miteinander eine angenehme Zeit abseits des Dienstalltags zu verbringen. Dabei wird kein Taufschein kontrolliert. Jeder ist herzlich willkommen.

Hier in Afrika kann Kim K. die Gottesdienste mit ihren Soldaten an besonderen Orten feiern.
Hier in Afrika kann Kim K. die Gottesdienste mit ihren Soldaten an besonderen Orten feiern. (Quelle: Bundeswehr/Stephan Ink)Größere Abbildung anzeigen

Mit moderner Musik und kurzen Gedanken zu Lebens- und Einsatzfragen werden diese Gottesdienste als Ruhepol gern in Anspruch genommen. Dabei möchte ich mit Symbolen Gedanken anstoßen und ein Gefühl von Heimat vermitteln. Hier in Afrika können wir den Gottesdienst an besonderen Orten feiern: Im Feldlager, auf einem Hoteldach, an einem Tafelberg oder zusammen mit vielen anderen Nationen viersprachig auf dem Appellplatz.

Selber Musik zu machen, verschafft mir den Ausgleich, den ich dabei in der Einsatzbegleitung brauche - mit Gitarre und Cajon (Kistentrommel) im Hauptquartier oder gleich eine ganze Band wie im Koulikoro Training Center. Das Musizieren miteinander macht unendlich viel Spaß und es macht den Kopf frei. Dass die Gottesdienste und das Kontingentfest mit fetziger Livemusik begleitet werden, ist ein toller Bonus dieser Arbeit.

Natürlich gehören auch manche Besprechungen und Beratungen zu meinem Auftrag, die ich gerne wahrnehme, um mit den verschiedenen Bereichen von EUTM Mali in Kontakt zu bleiben.

Tagsüber gehe ich durch das Camp und schaue in den Büros und Unterkunftsbereichen vorbei, um zu hören, wie es den Soldaten gerade geht. Wahrscheinlich schmunzelt manch ein Soldat inzwischen über die Frage: „Und? Wie läuft‘s zu Hause?“

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Auch als Militärpfarrerin bekommt sie die Einsatzmedaille überreicht.
Auch als Militärpfarrerin bekommt sie die Einsatzmedaille überreicht. (Quelle: Bundeswehr/Stephan Ink)Größere Abbildung anzeigen

Besonders schätze ich die Gespräche und Diskussionen, die wir abends vor und in der Betreuung haben: Da geht es schon mal um die Flüchtlingsfrage, um das Warum des Bösen in der Welt und um die vielen schönen und schlimmen Erfahrungen, die Menschen so machen. Natürlich bin ich auch Fachfrau für Glaubensfragen, so dass es tatsächlich um „Gott und die Welt“ geht. Ich lasse mich, die Kirche, die Welt und den Glauben gerne von den Soldaten hinterfragen. Das öffnet meinen eigenen Horizont.

Einmalig ist für mich, dass ich im Einsatz zwar eine Uniform trage aber dennoch Zivilistin bin und dadurch, wie zu Hause auch, immer in der Position außerhalb der militärischen Hierarchie verbleibe. So kann ich beobachten, ansprechen, hinweisen, beraten und immer ehrlich mit allen Dienstgradgruppen reden. Dabei ist die absolute Verschwiegenheit oberstes Gebot.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich meinen Mann, mit ihm zusammen guten Wein zu trinken und in Musik zu schwelgen. Ich vermisse es auch, mal wieder ein Bad zu nehmen, barfuß in der Wohnung zu laufen oder einen guten Film zu sehen. Das sind die Dinge, auf die ich mich zu Hause besonders freue.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich freue mich auf meine Rüstzeitgemeinde mit meinen Soldatenfamilien, mit denen ich im Advent wieder unterwegs bin. Ich freue mich auf „meine“ Soldaten zu Hause. Daher grüße ich besonders meine Soldaten und deren Familien in meinem Zuständigkeitsbereich Weiden–Hof–Grafenwöhr–Bayreuth–Bamberg–Döbraberg und besonders die, die mich so lieb auch in diesem Einsatz wieder mit Karten und Carepaketen bedacht haben.

Den Kameraden des 8. Deutsche Einsatzkontingent EUTM Mali und MINUSMA hier in Afrika wünsche ich Gottes Segen und Kraft für die Zeit, die sie noch im Einsatz verbringen. Und natürlich gehen liebe Grüße an meine Familie, die mich aktiv durch diesen Einsatz getragen hat.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Kim K.


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