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Management mit Menschenkenntnis – mit der Chefin der Einsatzwehrverwaltung auf Tour

Koulikoro, 13.10.2017.

Einsatzwehrverwaltung? Das klingt nicht gerade spannend. Aktenstöße abarbeiten, tagelang am Computer sitzen und Listen führen. Das könnte man so meinen. Nichts als Büroarbeit also, während sich die Kameraden an Ausbildung und Training mit malischen Soldaten machen. Doch nach einer Tour mit der Leiterin der Einsatzwehrverwaltung des Koulikoro Training Center wendet sich das Vorurteil: Management-Qualität und Menschenkenntnis und jede Menge Mobilität braucht die Verwaltungschefin hier.

Koulikoro – ein heißer Sonntag im Oktober. Stolze 39° C zeigt das Thermometer und die Luftfeuchtigkeit kommt auf schwüle 75%. Von einem schönen Tag in Afrika kann keine Rede sein. Grund genug für die Soldaten, sich den Dienstablauf ein bisschen kräftesparend einzuteilen. Was auf diese Weise machbar ist, wird im Schatten erledigt und was nicht eilt, wird nach und nach abgearbeitet.

Die Ruhe vor dem Sturm. Lisa hat sich heute viel vorgenommen

Die Ruhe vor dem Sturm. Lisa hat sich heute viel vorgenommen (Quelle: Bundeswehr/Simon Hofmann)Größere Abbildung anzeigen

Aber auch das ist für Major Elisabeth F. heute nicht möglich. Der Auftragszettel der Leiterin der Einsatzwehrverwaltung im Koulikoro Training Center ist voll. Und so hat „Lisa“, wie sie von den Kameraden hier genannt wird, bis zum nächsten Abend denn auch noch eine ganze Menge vor.

Also rein ins Auto und ab in Richtung Hauptstadt. Bamako ist zwar nur rund 60 Kilometer entfernt, und in zwei Stunden zu schaffen, aber auch wenn die Route fest steht, ist der Straßenzustand ungewiss und immer wieder kann auch etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommen. Lisa stört das nicht, sie passt sich an, managed, was sie kann, am Telefon.

Mehr als die Hälfte ihres Dienstalltags hält sie den Hörer in der Hand. Abwechselnd in Deutsch, Englisch und sogar in perfektem Französisch trifft sie Vorabsprachen, verschiebt Termine oder klärt komplexe Sachverhalte. Und mit den langen Autofahrten hat sie längst ihren Frieden gemacht, gewinnt den Touren sogar was Positives ab: „Da kommen mir die besten Ideen. Denn mir gehen im Auto viele Sachen durch den Kopf, wenn ich mal ein paar Minuten Ruhe habe.“, erläutert Frau Major.

Diese Phasen sind auch nötig. Der Terminplan für die nächsten 24 Stunden ist dicht gedrängt: Schecks müssen ausgestellt und übergeben werden, Sozialversicherungsbeiträge der Ortskräfte sind einzuzahlen und Vertragsverhandlungen über weitere geschützte Fahrzeuge muss sie noch führen.

Gerade das ist in Afrika nicht immer ganz einfach. Die Mentalität vieler Menschen hier, ihre legeres Verständnis für Zeit und Verwaltungsabläufe verlangen ihr viel ab. Und alles aus der Ferne zu lösen, sich hinter dem PC zu verkriechen ist nicht Lisas Sache: „Es gehört schon zum guten Ton, den persönlichen Kontakt zu seinen Geschäftspartnern zu pflegen. Gerade auf diesem Wege lassen sich die meisten Dinge klären. Per Telefon oder Mail bräuchte man Wochen oder sogar Monate dafür.“

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Ankunft in Malis Hauptstadt

Ankunft im Hotel, der erste Termin wartet schon, Scheckübergabe für gemietete Fahrzeuge

Ankunft im Hotel, der erste Termin wartet schon, Scheckübergabe für gemietete Fahrzeuge (Quelle: Bundeswehr/Simon Hofmann)Größere Abbildung anzeigen

Durch den teils aberwitzig anmutenden Verkehr führt sie ihr Weg schließlich bis zum Hotel. Hier hat sie die ersten Termine mit Vertragspartnern. Für viele von ihnen liefen die Verhandlungen in der letzten Zeit ausschließlich per Mail und Telefon. Sie haben seit Monaten keinen deutschen Soldaten mehr zu Gesicht bekommen. Nun zeigt sich auch, dass Lisas Philosophie der Klärung in persönlichen Gesprächen Früchte trägt. Die malischen Vertragspartner lieben das wortreiche Erörtern, und Major F. kommt mit ihrem fließenden Französisch zum Zuge. Inzwischen ist es 21:30 Uhr. Sie wird noch eine Kleinigkeit essen, dann geht’s ins Bett. Der nächste Tag beginnt früh.

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Amt ist Amt...

Die richtigen Formblätter sind wichtig, Bürokratie gibt es auch in Mali

Die richtigen Formblätter sind wichtig, Bürokratie gibt es auch in Mali (Quelle: Bundeswehr/Simon Hofmann)Größere Abbildung anzeigen

Schon vor dem Frühstück hat sie alle Absprachen mit der Hotelführung getroffen und alle noch offenen Rechnungen beglichen. Nach kurzem Frühstück sitzt sie dann wieder im Wagen. Auf direktem Weg geht es zum Hauptquartier der EU Trainingsmission Mali. Keine Stunde später geht es weiter. Bei der „INPS“, der malischen Sozialversicherung, werden die Beiträge der für die Soldaten arbeitenden Ortskräfte bezahlt. Das dient den Maliern gleichzeitig als Nachweis über ihre Krankenversicherung. Eine penible Vorarbeit ist wichtig, die richtigen Formblätter und das vollständige Ausfüllen sind unerlässlich. Amt bleibt Amt, das scheint nicht nur in Deutschland so zu sein.

Schäden am Fahrzeug sind in Mali an der Tagesordnung, aus der Ruhe bringen lässt sich Lisa davon nicht

Schäden am Fahrzeug sind in Mali an der Tagesordnung, aus der Ruhe bringen lässt sich Lisa davon nicht (Quelle: Bundeswehr/Simon Hofmann)Größere Abbildung anzeigen

Zwei Stunden später geht es tiefer in die Stadt. Dann passiert das, was niemand braucht. Schaden an der Bremsanlage des gepanzerten Autos. „Kein Problem“, sagt Lisa. „Wir legen Termine um. Ich wollte später eh noch zur Autowerkstatt“. Also schnurstracks zum Autohändler mit Werkstatt. Kaum fährt sie auf den Hof, lassen die Arbeiter alles andere stehen und liegen und kümmern sich um Lisas Fahrzeug. Ibrahim ist der Chef der Werkstatt. Er freut sich immer sehr, wenn „seine Lisa“ da ist. „Wenn Lisa da ist, ist alles gut. Dann strahlt die Sonne in Mali ein klein wenig heller als sonst“, sagt er lächelnd. Was es zu verhandeln gibt, läuft gut. Immer wieder unterbrochen durch Telefonate auf beiden Seiten.

„Lisa, wir brauchen noch ganz dringend zwei PC‘s samt Bildschirm und Drucker…“ Die Frau Major bleibt gelassen und organisiert. Gut, dass sie Kontakte hat.

Mehr Bandbreite – also schnelleres Internet für die Soldaten – ist für Lisa eine Herzensangelegenheit

Mehr Bandbreite – also schnelleres Internet für die Soldaten – ist für Lisa eine Herzensangelegenheit (Quelle: Bundeswehr/Simon Hofmann)Größere Abbildung anzeigen

Während Ibrahims Männer die Räder abnehmen und neue Bremsen besorgen, tauscht Lisa das Fahrzeug und stürzt sich wieder ins Getümmel der Stadt. Erste Station: der Telefonanbieter ORANGE. Seit Lisa die Verhandlungen mit dem örtlichen Telefondienstleister übernommen hat, ist eine Bandbreitenerhöhung, also schnelleres Internet für die deutschen Soldaten, in greifbare Nähe gerückt.

Lisas Improvisationskünste zusammen mit dem Fachwissen eines Sportlers ebnen den Weg zu neuem Sportgerät

Lisas Improvisationskünste zusammen mit dem Fachwissen eines Sportlers ebnen den Weg zu neuem Sportgerät (Quelle: Bundeswehr/Simon Hofmann)Größere Abbildung anzeigen

Die nächste Baustelle lässt nicht lange auf sich warten. Die Sportgeräte des Kraftraums im Camp sind in einem miserablen Zustand. Der materialverantwortliche Spanier würde gerne investieren, kennt sich aber zu wenig aus. Er bittet Lisa um Hilfe. In Mali Sportgeräte nach europäischem Standard zu finden, ist eine echte Aufgabe. Aber auch hier helfen Lisas Kontakte. Der Markt wird gesichtet, dann wird sie fündig. Sie notiert sich Preise, Daten und Größen. In den nächsten Tagen wird sie dem verantwortlichen Spanier alles vorlegen, was er braucht, um neue Geräte zu beschaffen. Inzwischen ruft Ibrahim an, das Auto ist fertig.

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Autofahren - fast wie in Berlin

Auf Englisch oder Französisch, manchmal auch mit den Händen, Lisa weiß sich immer zu verständigen

Auf Englisch oder Französisch, manchmal auch mit den Händen, Lisa weiß sich immer zu verständigen (Quelle: Bundeswehr/Simon Hofmann)Größere Abbildung anzeigen

Zurück in der Werkstatt ist das Auto nicht nur repariert, sondern auch blitzblank gewaschen. „So wie es sich für eine Prinzessin gehört“, lacht Ibrahim. Zeitgleich hält ein kleiner Lieferwagen. Im Kofferraum sind die benötigten Computer. Genau die, die der IT-Verantwortliche im Camp braucht. Alles wird eingeladen und es geht weiter. Zurück in den Trubel der Stadt. Zwei Termine gilt es noch wahrzunehmen, wenn möglich, ohne Unfall. Gar nicht so leicht in einer Stadt, in der es täglich durchschnittlich fünf Tote durch Verkehrsunfälle gibt. Trotz allem sitzt Lisa entspannt im gepanzerten Toyota. „Der Verkehr ist zwar gewöhnungsbedürftig und herausfordernd, aber mit angepasster Fahrweise machbar.“ „Dit is fast wie zuhause in Berlin“, wirft Lisas Fahrer lachend ein. Die Stimmung im Auto ist gut. Trotz des langen Tages, der vielen Termine, der Hitze und des Verkehrs. „Inzwischen ist das Fahren hier keine Belastung mehr für mich, aber ich bin ja auch schon das fünfte Mal hier in Mali“, sagt Lisa.

Beinahe alle Termine sind geschafft, da klingelt wieder ihr Telefon. Zwei Dinge fehlen noch, Grillkohle und Kaffee für die Sanis.

„Auf der einen Seite stelle ich Schecks über mehrere hundert Millionen CFA, die Francs der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion aus, auf der anderen Seite mache ich Kameraden mit Kleinigkeiten des täglichen Bedarfs eine Freude. Das kann man nicht am Preis festmachen. Der direkte Kontakt mit den Menschen hier ist unbezahlbar für mich. Erfolg macht sich für mich nicht am Preis fest.“

Der Spaß kommt trotz all dem Stress nicht zu kurz, an dem Zweirad kommt Motorrad-Fan Lisa nicht vorbei

Der Spaß kommt trotz all dem Stress nicht zu kurz, an dem Zweirad kommt Motorrad-Fan Lisa nicht vorbei (Quelle: Bundeswehr/Simon Hofmann)Größere Abbildung anzeigen

Nachdem auch das Problem mit der Grill-Kohle gelöst wurde, geht es zurück ins Camp. Gegen 19 Uhr wird das Auto abgestellt und entladen. Trotz aller Anstrengungen und Mühen war es ein guter Tag für Lisa. „Ich liebe den Einsatz. Das war zwar alles ermüdend, aber erfolgreich. Es hat mich erfüllt, wie jeder Tag im Einsatz. Ich kann das, was ich tue. Ich sehe die Erfolge und bekomme die positive Resonanz. Das ist unbeschreiblich. Ich habe das Gefühl und die Überzeugung – ich tue etwas Gutes. Das ist meine Berufung.“

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Stand vom: 13.10.17 | Autor: Simon Hofmann


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