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Einsatztagebuch Operation „Sophia“ (5): Seit 22 Jahren im Dienst der Deutschen Marine

In See, 26.07.2016.

Die Geburtsstunde der heutigen „Werra“ schlug 1993, als sie bei der „Flensburger Schiffbau Gesellschaft“ mit der Nummer 682 gebaut wurde. Ein Jahr später nahm die Marine das nach einem mitteldeutschen Fluss benannte Schiff in Dienst. Neben der Kombüse im Mittelgang des Schiffes ist mit schweren Schrauben ein Schild angebracht, das an frühere Zeiten erinnert: Der gleichnamige Schnellboottender war der Vorgänger der heutigen „Werra“, ab 1964 fuhr er im Dienst der Bundesmarine und wurde später an die Türkei verkauft.

Ein Handelsschiff bei der Marine

Kommandant der „Werra“ Korvettenkapitän Mirko Preuß

Kommandant der „Werra“ Korvettenkapitän Mirko Preuß (Quelle: Bundeswehr/Tender Werra)Größere Abbildung anzeigen

„Der heutige Tender ist nach dem Standard von Handelsschiffen gebaut“, erklärt Korvettenkapitän Mirko Preuß, der Kommandant. „Anders als Fregatten, die um ihre Aufgaben herum geplant werden, hat man einen in der zivilen Seefahrt bewährten Schiffstyp hergenommen und militärisch angepasst.“ Zu erkennen ist das unter anderem an der Brücke. Bei den meisten Kriegsschiffen liegt das Brückenhaus direkt hinter der Back. So nennen Seeleute das Hauptdeck am Bug eines Schiffes. Dass die „Werra“ ein militärisches Schiff ist, fällt natürlich an der grauen Farbe auf – und an der Bewaffnung. „Sie mag zwar eine alte Dame sein, aber der Tender kann auch anders“, meint der Kommandant. Zwei 27-Millimeter-Geschütze verteidigen das Schiff im Nahbereich. Am Hauptdeck sind schwere Maschinengewehre angebracht und auf dem Brückendach Fliegerfaust-Stellungen. „Der Tender ist aber“, erläutert Preuß, „für ganz andere Aufgaben gebaut worden, als wir sie hier vorfinden.“

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Vor Anker im Päckchen

Versorgung auf See der „Datteln“

Versorgung auf See der „Datteln“ (Quelle: Bundeswehr/Tender Werra)Größere Abbildung anzeigen

Zehn Boote können vor Anker an der Steuerbord- und Backbordseite des 100 Meter langen Schiffes anlegen. Das Konzept stammt aus einer Zeit, als die Einsatzaufgaben in der Nord- und Ostsee im Vordergrund standen. Verbände aus Minensuch- und Schnellbooten können am Tender anlegen, Kraftstoff, Munition und Lebensmittel übernehmen und wieder ablegen.

Kraftstoffübernahme auf See

Kraftstoffübernahme auf See (Quelle: Bundeswehr/Tender Werra)Größere Abbildung anzeigen

„In der Marine nennen wir das einen ‚Coastal Supply Point’, also eine küstennahe Versorgungsstelle“, so der Korvettenkapitän. Wenn der Tender vor Anker liegt, spart das einem Boot den Weg in den Hafen. Es kann schneller ins Einsatzgebiet zurückkehren. „Natürlich machen wir das heute immer noch, wenn wir mit Bootsgeschwadern operieren. Unsere Anlagen pumpen 30.000 Liter Kraftstoff pro Stunde auf ein anderes Boot, die Frischwassertanks fassen 240.000 Liter. Aber der Einsatz bei Sophia ist das beste Beispiel dafür, dass man ein solches Schiff auch einsetzen kann, um den Seeraum zu überwachen oder ein Boarding-Team einzusetzen“, ergänzt Preuß. „Wir haben Platz für 37 Soldaten über den Durst - und den brauchen wir auch. Für den Sophia-Einsatz sind Spezialisten an Bord, die gar nicht zu meiner Besatzung gehören. Unter anderem ein Boarding-Team, Ärzte, Dolmetscher, Rechtsberater und Lageoffiziere.“

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Nach New York und zur Hälfte zurück

Reichlich Platz für viele Container

Reichlich Platz für viele Container (Quelle: Bundeswehr/Tender Werra)Größere Abbildung anzeigen

28 Zwanzig-Fuß-Container kann seine Mannschaft an Oberdeck stellen, 66 Mann Besatzung sorgen für den Bordbetrieb. Darunter sind Funker, Smuts und Antriebsmechaniker. Im Maschinenraum leistet die Hauptmaschine 3340 PS, um die 3600 Tonnen in Fahrt zu bringen, 720.000 Liter Kraftstoff lagern im Bauch des Schiffes. „Wenn wir den Kraftstoff für uns selbst verbrauchen würden, kämen wir von Kiel bis nach New York und bis zur Hälfte zurück “, bringt es der Kommandant auf den Punkt. „Oder wir können ein Minenjagdboot zwölf Mal volltanken.“ Sein Proviantmeister hat genug Kühl- und Lagerräume, um 27 Tonnen Verpflegung zu verstauen. Der Artilleriemeister kann 150 Tonnen Munition unterbringen. Und auf dem Flugdeck kann ein Sea-King-Hubschrauber landen.

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Patenschaft seit 55 Jahren

Das Wappen des Tenders „Werra“

Das Wappen des Tenders „Werra“ (Quelle: Bundeswehr/Tender Werra)Größere Abbildung anzeigen

Werra – warum eigentlich Werra? Am 1. Dezember 1961 hatte die Verordnetenversammlung der Stadt Eschwege an der Werra beschlossen, die Patenschaft für den damaligen Schnellboottender zu übernehmen. Die hat gehalten: Am Bug des Tenders prangt bis heute das Stadtwappen. „Wie die anderen Tender und die Flottendienstboote der Deutschen Marine, ist die ‚Werra’ nach einem Fluss benannt, doch die Patenschaft wird von einer Stadt getragen“, sagt Oberleutnant zur See Toni M., der Fernmeldeoffizier des Schiffes. Er kümmert sich im Auftrag des Kommandanten um die Verbindungen zum Eschweger Bürgermeister Alexander Heppe.

Der Tender 'Werra' ist schon das zweite Mal bei der Operation Sophia

Der Tender 'Werra' ist schon das zweite Mal bei der Operation Sophia (Quelle: Bundeswehr/Tender Werra)Größere Abbildung anzeigen

„Die Beziehung zu den nordhessischen Eschwegern ist eine lebendige Patenschaft“, berichtet er. Der Bürgermeister der Stadt und die dortige Marinekameradschaft halten den Kontakt zur Küste. Für die Besatzung gibt es jährlich zwei angenehme Pflichten. Vor Weihnachten reist eine kleine Delegation nach Eschwege und verkauft beim „Hüttenzauber“ Punsch. „Den Erlös spenden wir an Kinder- und Behinderteneinrichtungen vor Ort. Das machen wir bei einem Besuch im Sommer, wenn eine kleine Abordnung zum Johannisfest nach Eschwege eingeladen wird“, sagt Toni. Auf den Besuch musste die Besatzung im vergangenen Jahr verzichten. Denn der Tender war ab dem Sommer in der „Seenotrettung Mittelmeer“ und später in dem europäischen Sophia-Verband im Einsatz. Auch in diesem Jahr fiel der Besuch aus: Am 20. Juni hat das Schiff gemeinsam mit dem Minenjagdboot „Datteln“ den Heimathafen Kiel verlassen. Die Heimkehr wird für November erwartet. Der Navigationsmeister koppelt vor: Dann wird die Fahrtstrecke jenseits der 230.000 Seemeilen seit Indienststellung liegen.

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Stand vom: 29.07.16 | Autor: Bastian Fischborn


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