Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Aktuelle Einsätze > Ich bin iM EINsatz: Der Wachoffizier vom Tender „Rhein“

Ich bin iM EINsatz: Der Wachoffizier vom Tender „Rhein“

In See, 08.05.2017.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Jan S. ist seit Mitte 2015 als Fernmeldeoffizier auf dem Tender Rhein eingesetzt
Jan S. ist seit Mitte 2015 als Fernmeldeoffizier auf dem Tender Rhein eingesetzt (Quelle: Bundeswehr/Chris Sieg)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Oberleutnant zur See Jan S., 27 Jahre alt und stamme aus Gifhorn. Nach dem Abitur habe ich am 1. Juli 2009 meinen Dienst bei der Deutschen Marine angetreten. Nach der Ausbildung zum Offizier habe ich an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg Betriebswirtschaftslehre studiert. Anschließend folgten viele Lehrgänge, die mich auf meine zukünftigen Aufgaben an Bord vorbereitet haben. Seit Mitte 2015 bin ich jetzt an Bord des Tenders Rhein. Dort leite ich den Fernmeldebereich, aber auch meine eigene Fahrwache. Im Team führen wir auf der Brücke die Geschicke des Tenders. Die Kameraden der Schiffstechnik unterstützen uns dabei. Technik und Navigation ergänzen sich, was für den sicheren Seeverkehr unverzichtbar ist.

Als Wachoffizier auf der Brücke hat er eine große Verantwortung und plant unter anderem auch die Routen auf See
Als Wachoffizier auf der Brücke hat er eine große Verantwortung und plant unter anderem auch die Routen auf See (Quelle: Bundeswehr/Chris Sieg)Größere Abbildung anzeigen

Aktuell befinden wir uns im 5. Kontingent bei EUNAVFOR MED Mission Sophia im Mittelmeer. Es ist bereits mein zweiter Einsatz. Anfang 2016 war ich bereits für drei Monate mit der dem Ständigen NATO-Minenabwehrverband „Standing NATO Mine Countermeasures Group 1“ unterwegs.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Jan S. hat die elektronische und die Papierseekarte fest im Blick
Jan S. hat die elektronische und die Papierseekarte fest im Blick (Quelle: Bundeswehr/Chris Sieg)Größere Abbildung anzeigen

Als Wachoffizier führe ich stellvertretend für den Kommandanten mit meinem Team den Tender im Seegebiet. Zwei Soldaten stehen dabei als Ausguck außerhalb der Brücke und informieren über andere Schiffe in der Nähe. Die Seekarte und das Radar müssen auch immer im Blick bleiben. Insgesamt sind wir ein eingespieltes Team von neun Soldaten. Die Kameraden der Schiffstechnik sorgen dafür, dass wir genügend Strom und Antriebsleistung haben, um den Tender überhaupt steuern zu können.

Jan S. in seiner Tätigkeit als Wachoffizier auf der Brücke
Jan S. in seiner Tätigkeit als Wachoffizier auf der Brücke (Quelle: Bundeswehr/Chris Sieg)Größere Abbildung anzeigen

Als Abschnittsleiter des Fernmeldebetriebes bin ich dafür verantwortlich, dass wir rund um die Uhr kommunizieren können. In meinem Abschnitt arbeiten neun „Funker“ daran, dass wir immer erreichbar sind. Vor allem der Kontakt zum Hauptquartier der Mission Sophia oder anderen Schiffen ist dabei wichtig. Wenn ich nicht auf der Brücke stehe, bin ich für den Lagebildaufbau verantwortlich. Das bedeutet, dass ich das große Ganze der Mission im Blick behalte. Ich trage alle Informationen über die Aktivitäten in unserem Seegebiet zusammen und unterrichte den Kommandanten regelmäßig über die Lage. Bei Seenotrettungen, wie sie bei EUNAVFOR MED vorkommen können, halte ich den Kontakt zum Maritime Rescue Coordination Center in Rom und zu anderen Schiffen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Als Verantwortlicher auf der Brücke muss er alles im Blick haben - da ist das Fernglas ein wichtiges Hilfsmittel
Als Verantwortlicher auf der Brücke muss er alles im Blick haben - da ist das Fernglas ein wichtiges Hilfsmittel (Quelle: Bundeswehr/Chris Sieg)Größere Abbildung anzeigen

Die Seefahrt und das Meer haben mich schon immer fasziniert. Während viele meiner ehemaligen Schulkameraden in die nächstgrößere Stadt gezogen sind, um dort zu studieren, fahre ich über die Weltmeere und „entdecke“ für mich neue Länder und Kulturen.

Im aktuellen Einsatz hatten wir eine umfangreiche Rettungsaktion mit fast 1.200 Menschen, die wir aus Seenot gerettet haben. Das war eine gigantische Leistung der gesamten Besatzung. Stolz macht mich auch der alltägliche Zusammenhalt in meiner Fahrwache und meinem Abschnitt. Die Auslandshäfen sind immer spannend, zumal wir dort beruflich in Gegenden kommen, die privat vielleicht nicht direkt besucht würden. In Catania konnten wir beispielsweise den Lavastrom des Ätna beobachten und das direkt vom Hafen aus.

Das vermisse ich hier am meisten.

Alltägliche Dinge wie eine Fahrradtour rund um Kiel oder Frühstück im Garten fehlen mir schon. Gemeinsames Kochen, ein Kinobesuch oder Ausschlafen habe ich noch mehr schätzen gelernt. Wenn wir Ende August nach Kiel zurückkehren, werde ich das aber nachholen.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Die Besatzung wieder gesund und munter zurück in den Heimathafen Kiel zu bringen. Danach wartet eine neue Aufgabe auf mich: Als Hörsaalleiter an der Marineschule Mürwik darf ich meine Erfahrungen an die angehenden Offiziere weitergeben.

Ich grüße meine Familie sowie meine Freunde und freue mich schon darauf, euch bald wiederzusehen!


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 12.12.17 | Autor: Jan S.


http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/poc/einsatzbw?uri=ci%3Abw.bwde_einsatzbw.aktuelle_einsaetze&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB174000000001%7CAM6CET643DIBR