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Ich bin iM EINsatz: „Gestrandet“ – Viel Druck im ersten Landeinsatz

Djibouti, 27.10.2014.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Hauptbootsmann Heiko N. vor der Taucherdruckkammer
Hauptbootsmann Heiko N. vor der Taucherdruckkammer (Quelle: Bundeswehr/Ulrike Harz)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Hauptbootsmann Heiko N., ich bin seit 1994 Soldat und leiste im Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr der Deutschen Marine in Neustadt in Holstein meinen Dienst. Dort bin ich Tauchereinsatzleiter für die U-Boot-Rettung eingesetzt. Hier in Djibouti bin ich in der Deutschen Verbindungs- und Unterstützungsgruppe als Bediener der Taucherdruckkammer und als Betreuungsfeldwebel tätig.

Ich habe schon an einigen Einsätzen wie UNIFIL (Libanon), „Sharp Guard“ (ehemaliges Jugoslawien) und innerhalb der ständigen Einsatzverbände der NATO im Atlantik bzw. im Mittelmeer teilgenommen. Dies ist jedoch mein erster Einsatz an Land.

Das ist meine Aufgabe hier im Einsatz.

Der Bediener der Druckkammer kümmert sich auch um das Betreuungsprogramm der Soldaten
Der Bediener der Druckkammer kümmert sich auch um das Betreuungsprogramm der Soldaten (Quelle: Bundeswehr/Ulrike Harz)Größere Abbildung anzeigen

Meine Tätigkeit besteht hier im Wesentlichen aus zwei Aufgaben. Zum einen bin ich als Bediener der einzigen Taucherdruckkammer in Djibouti tätig. Wir gewährleisten eine 24-stündige Bereitschaft für das tauchende Personal der hier vor Ort befindlichen Nationen. Die Zusammenarbeit mit den Soldaten unterschiedlicher Nationen (Japan, USA, Spanien und andere) gestaltet sich gut und ist äußerst interessant.

Immer, wenn neue Teams nach Djibouti kommen, besichtigen sie unsere Taucherdruckkammer. Ich erkläre ihnen dann die Möglichkeiten zur schnellen Versorgung im Falle eines Taucherunfalles. Dabei treffen wir auch schon Absprachen, wie wir eine schnelle Erstversorgung des Patienten optimal gewährleisten und Notfallübungen durchführen können.

Meine zweite Aufgabe besteht in der Betreuung der deutschen Soldaten in Djibouti. Sie ist leider aufgrund eines terroristischen Anschlags auf ein Restaurant im Stadtzentrum vom 24. Mai diesen Jahres eher eingeschränkt. Seitdem sind die Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden und eine Betreuung kann nur noch im kleinen Rahmen stattfinden.

Um ein wenig Abwechslung in den Alltag der Soldaten zu bringen, organisiere ich Filmvorführungen oder kleinere Sportwettkämpfe. Ein Highlight ist für viele Soldaten der sogenannte „Captain‘s Cup“. Er wurde durch Soldaten aus dem US-amerikanischen Camp ins Leben gerufen. Dazu gehören zum Beispiel im Oktober insgesamt 16 verschiedene Team- und Einzelwettkämpfe, u.a. im Fußball oder Volleyball. Exotische Bestandteile wie Softball, Ultimate Frisbee und Karaoke sind aber auch Disziplinen des „Captain‘s Cup“. Hier misst man sich mit Soldaten anderer Nationen, kommt mit ihnen in Kontakt und schaut einfach mal über den „Tellerrand“ hinaus.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Meine Motivation speziell für diesen Einsatz lag darin, auch mal einen Einsatz an Land zu erfahren und zu erleben. Dieser Einsatz ist mit den Einsätzen in Afghanistan oder auf dem Balkan nicht zu vergleichen. Ich bin von dem Leben in Djibouti beeindruckt. Die Menschen leben mit vielen Entbehrungen und sind froh über jede konkrete Hilfe. Jeden Tag eine gute Tat - das ist dabei meine persönliche Devise. Es gibt nichts Schöneres, als die glänzenden Augen eines Kindes, wenn es ein Stück Obst oder eine Flasche Wasser geschenkt bekommt.

Viele deutsche Soldaten engagieren sich hier karitativ. Sie sammeln Geld oder lassen sich aus der Heimat Spiel- und Schulsachen oder Kleidung schicken und geben diese Spenden an Waisenhäuser oder ähnliche Einrichtungen. Meine Frau hat das Thema Afrika in ihrem Kindergarten aufgegriffen und ebenfalls Sammlungen gestartet. So lernen auch die Kids in Deutschland Afrika besser kennen. Ich hoffe, dass ich diese Hilfe hier auch noch verteilen kann.

Das vermisse ich hier am meisten.

Natürlich vermisse ich meine Familie. Meine Frau und mein Sohn haben aber gelernt mit den Abwesenheiten umzugehen, die das Leben mit einem Marinesoldaten mit sich bringt. Für meine kleine Tochter ist das schon schwieriger. Sie kennt es noch nicht, dass der Papa so lange weg ist.
Die guten Kommunikationsmöglichkeiten machen das jedoch erträglicher. Regelmäßiges Telefonieren und das Internet erleichtern den Schmerz für sie schon sehr. Der Kontakt zur Heimat ist also bestens.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich hoffe, dass der Einsatz hier ohne Zwischenfälle zu Ende geht. Für die Nachfolger wünsche ich mir, dass sie keine ernsten Taucherunfälle erleben und die hier stationierten Soldaten die Möglichkeit bekommen, das Land etwas näher kennenzulernen. Wenn man mehrere Monate in diesem Land lebt, sollte man sich auch ein wenig mit der Kultur und den Menschen auseinandersetzen können und dürfen. Nur so können die Soldaten das Leben und die Menschen hier in Djibouti verstehen.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Heiko N.


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