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„Minimum Presence“ – Kosovo auf dem guten Weg in die Selbstständigkeit

Prizren, 27.11.2017.

Seit über 18 Jahren begleiten deutsche Soldaten in der KFOR-Mission das Land auf dem Weg in die Stabilisierung. Sie deeskalierten Spannungen, festigten Strukturen und begleiten die Kosovaren bis heute über die Unabhängigkeit hinaus in eine sichere Zukunft. Die einheimischen Sicherheitskräfte kommen in ihrer Aufgabe an und übernehmen immer mehr Verantwortung. Derzeit begleitet das 48. Deutsche Einsatzkontingent KFOR den Kosovo auf seinem Weg in die Selbstständigkeit.

Die 200.000-Einwohnerstadt Prizren liegt im Südwesten des Kosovo

Die 200.000-Einwohnerstadt Prizren liegt im Südwesten des Kosovo (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Nach wie vor ist das Deutsche Einsatzkontingent KFOR mit seinen 450 Soldaten nach den Kontingenten in Afghanistan und Mali das drittgrößte Einsatzkontingent der Bundeswehr. Der KFOR-Einsatz ist zudem der bislang längste Einsatz der deutschen Streitkräfte.
Die Verringerung der Truppenstärke folgt einem allgemeinen Trend. Waren 1999 unmittelbar nach dem Kosovo-Krieg noch gut 50.000 Soldaten aus 40 Nationen an der KFOR beteiligt, sind es heute noch gut 4.000 aus 29 Nationen. Die Bundeswehr war von Anfang an im Kosovo dabei. Dem Abbau der KFOR-Truppenstärke liegt eine Sicherheitsbewertung des Supreme Allied Commander Europe (SACEUR) zugrunde. Nach Auffassung des NATO-Oberbefehlshabers hat sich die Sicherheitslage im Kosovo soweit entspannt, dass die NATO auf eine sogenannte „Minimum Presence“ hinarbeiten kann. Der Kosovo-Einsatz ist ein Einsatz im Wandel.

Zur verbesserten Sicherheitslage gehört, dass sich die Situation zwischen den Hauptethnien im Kosovo, zwischen Albanern und Serben tendenziell normalisiert hat. Vor allem im zum Teil serbisch geprägten Norden des Kosovo hat sich die Lage in den vergangenen Jahren etwas entspannt. Mit den seltenen sicherheitsrelevanten Zwischenfällen konnten die kosovarischen Sicherheitskräfte umgehen und insgesamt für Sicherheit im Land sorgen.

Oberstleutnant i.G. Hans Jürgen Elsen ist der Kontingentführer des 48. Deutschen Einsatzkontingentes KFOR

Oberstleutnant i.G. Hans Jürgen Elsen ist der Kontingentführer des 48. Deutschen Einsatzkontingentes KFOR (Quelle: Bundeswehr/EinsFüKdo Bw)Größere Abbildung anzeigen

Ende 2018 wird das Feldlager Prizren von der Bundeswehr zur weiteren Nutzung an die UN-Mission im Kosovo, die UNMIK (United Nations Mission in Kosovo) übergeben. Bis dahin gibt es reichlich zu tun. „Packen wir es an“, hatte der Kontingentführer, Oberstleutnant i.G. Hans Jürgen Elsen, Anfang Oktober seinen Soldaten während des ersten Kontingentappells ins Auftragsbuch „geschrieben“.

Das Einsatzlazarett, kurz ELaz, wird Ende 2017 geschlossen

Das Einsatzlazarett, kurz ELaz, wird Ende 2017 geschlossen (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Eine erste Wegmarke beim Rückbau des Feldlagers wird die Schließung des Einsatzlazaretts (ELaz) am 31. Dezember 2017 sein. Mit dem ELaz hatte Deutschland der KFOR ein Lazarett auf Kreiskrankenhausniveau zur Verfügung gestellt. Künftig werden diese Leistungen multinational erbracht. Die Versorgung der deutschen Soldaten am Standort Prizren wird dennoch erhalten bleiben. Eine deutsche Sanitätsstaffel mit zwei Truppenärzten stellt die medizinische Grundversorgung bis Ende 2018 sicher.

Taktisch ist KFOR seit längerem in der Rolle des sogenannten Third Responders. Sicherheitsrelevante Zwischenfälle fallen zunächst in die Zuständigkeit der kosovarischen Sicherheitskräfte. Benötigen diese Unterstützung, erhalten sie diese von Polizeikräften der EULEX, der Rechtsstaatlichkeitsmission der Europäischen Union. Und erst in einem dritten Schritt würde KFOR eingreifen. Das dies seit Jahren nicht mehr der Fall war, hat mit Sicherheit zur Entscheidung des SACEUR beigetragen.

Noch werden zahlreiche Fahrzeuge für die Operational Reserve Force (ORF) im Feldlager Prizren bereitgehalten

Noch werden zahlreiche Fahrzeuge für die Operational Reserve Force (ORF) im Feldlager Prizren bereitgehalten (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Im Sommer verlängerte der Bundestag den Einsatz deutscher Soldaten um ein weiteres Jahr und legte die Mandatsobergrenze auf 800 Soldatinnen und Soldaten fest. Deutschland wird seinen Beitrag an der KFOR-Mission aber bis Ende 2018 reduzieren. Gleichwohl bleibt die Bundeswehr im Kosovo präsent. Sie wird sich mit Soldaten im Hauptquartier KFOR und auch im Bereich des NATO Advisory and Liasion Team (NALT) einbringen und so weiter an der Zukunft des Kosovo mitwirken.

Dass Deutschland, dass die Bundeswehr präsent bleibt, ist auch der kosovarischen Bevölkerung wichtig. Die deutschen Soldaten sind gerne gesehen im Land und genießen einen guten Ruf.

Wenn das Feldlager Prizren an die UNMIK übergeben wird, wird bei vielen Kosovaren und auch deutschen Soldaten bestimmt Wehmut aufkommen. Aber, das Kosovo ist ein Land im Wandel und auf dem besten Weg, seine Zukunft selbständig in die Hand zu nehmen. Und so wandelt sich auch der KFOR-Einsatz hin zu einer verringerten Präsenz im Land.

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Stand vom: 27.11.17 | Autor: Peter Comans


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