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Ich bin iM EINsatz: Chef und Trainer

Erbil, 24.04.2017.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Major Martin S. während einer Ausbildung in Bnaslawa bei Erbil (Quelle: Bundeswehr/Willi Blank)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Major Martin S. (36), verheiratet und Vater einer Tochter. Seit fast drei Jahren führe ich als Kompaniechef die 2. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 232 in Bischofswiesen.

In meiner fast 16-jährigen Dienstzeit als Gebirgsjäger hatte ich schon viele interessante und fordernde Verwendungen als Zugführer, Kompanieeinsatzoffizier, Hörsaalleiter und mehrfach auch als Kompaniechef. Darüber hinaus habe ich Ausbildungen zum Heeresbergführer, Einzelkämpfer, Schießlehrer und zum Taktik-/ Logistiklehrer hinter mir.

Hier im Einsatz werde ich seit Januar 2017 als Führer der sogenannten Mobile Training Unit (MTU) verwendet.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Vorstellung des durch Major Martin S. konzipierten „Bataillon Staff Course“ für die kurdischen Kräfte (Quelle: Bundeswehr/Willi Blank)Größere Abbildung anzeigen

Ich habe im Nordirak zwei ziemlich gleichwertige Hauptaufgaben. Zum einen bin ich als Disziplinarvorgesetzter verantwortlich für die Führung von sieben Mobile Training Teams (MTT) mit insgesamt 44 Soldaten einschließlich eines slowenischen MTT mit sechs Soldaten.

Darüber hinaus bin ich selbst als Senior Trainer mit einem multinationalen Trainerteam in der Brigade- und Bataillonsstabsausbildung eingesetzt und trainiere die Offiziere der Brigade- und Bataillonsstäbe im Military Decision Making Process (MDMP) sowie der Truppenführung in den verschiedenen Operationsarten. Dazu erstelle ich zudem neue Unterrichte und Lagen bis hoch auf die Brigadeebene.

Die Zusammenarbeit im multinationalen Umfeld im Einsatz macht mir täglich Freude und die Motivation von den Ausbildern und den Peshmerga ist sehr hoch, so dass wir bislang vor keine „unlösbaren Herausforderungen“ gestellt wurden. Natürlich müssen wir hier bei allen Ausbildungen und Kfz-Märschen aufgrund der Bedrohungslage stets wachsam sein. Dies ist jedoch für uns alle eine Selbstverständlichkeit, was man an den akkuraten Befehlsausgaben für die Kfz-Märsche und dem professionellen täglichen Arbeiten sehen kann.

Klare Zeichen und Signale für und bei der Ausbildung: Major Martin S. in seinem Element (Quelle: Bundeswehr/Willi Blank)Größere Abbildung anzeigen

Besonders Freude macht auch die Zusammenarbeit innerhalb der Mobile Training Unit des 7. Kontingents. Die Stimmung bei meinen 44 Soldaten ist sehr gut und wir haben uns schnell zu einem toll eingespielten Team entwickelt. Eine wichtige Voraussetzung dafür war aus meiner Sicht, dass wir alle eine intensive Einsatzvorbereitung durchlaufen haben. Dort haben sich alle Soldaten der Mobile Training Unit inklusive unserer slowenischen Kameraden bestens kennengelernt und bereits das Zusammenwirken unter einsatznahen Bedingungen vorab geübt. Neben den soldatischen Grundfertigkeiten, die jedes Mitglied der Mobile Training Unit beherrschen muss, haben wir viel Wert auf das „Team Building“ gelegt. Das hat sich für mich rückblickend absolut bewährt und für einen starken Zusammenhalt gesorgt.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Begegnung mit einheimischen Militärs während einer Geländebesprechung bei Gwer (Quelle: Bundeswehr/Willi Blank)Größere Abbildung anzeigen

Das Besondere an diesem Einsatz ist die multinationale Zusammenarbeit von zehn Nationen unter dem Dach des Kurdistan Training Coordination Center (KTCC). Hier im Einsatz können wir in den gemischten multinationalen Trainerteams, in denen die Ausbildung durchgeführt wird, viel voneinander lernen. Es ist hoch interessant, Ausbildungen gemeinsam mit mehreren Nationen zu planen und täglich in den verschiedenen Teams erfolgreich miteinander zusammenzuarbeiten. Es ist essentiell, dass wir alle gut Englisch sprechen. Nahezu alle Besprechungen und natürlich auch der tägliche Umgang und Smalltalk mit den Kameraden der Partnernationen erfolgt englischsprachig.

Das vermisse ich hier am meisten.

Natürlich vermisse ich vor allem meine Frau, meine Tochter sowie Familie und Freunde. Auch unser Hund und die beiden Pferde fehlen mir sehr. Zum Glück haben wir eine sehr gute Internetverbindung, so dass ich mittels Skype oder WhatsApp stets Verbindung nach Hause halten kann und sehe, wie es allen geht. Das ist für unsere Motivation ein ungeheuer wichtiger Faktor, da wir alle über mehrere Monate getrennt von Familie und Zuhause sind.

Ich freue mich schon sehr, nach dem Einsatz wieder die gute bayerische Küche zu genießen, in den Bergen zu wandern und zu klettern oder zusammen mit meiner Frau auf unseren Pferden durch das Alpenvorland zu reiten.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Major Martin S. bei einer kurzen Pause zwischen zwei Taktikstunden für den Bataillonsstab eines Zeravani-Bataillons (Quelle: Bundeswehr/Willi Blank)Größere Abbildung anzeigen

Ich hoffe, dass wir unseren Einsatz mit der Mobile Training Unit weiterhin mit viel Erfolg absolvieren, dass wir alle im Mai wieder gesund in der Heimat ankommen und freue mich dann erst mal auf meinen Urlaub nach dem Einsatz, bevor ich meinen neuen Dienstposten als S3 Stabsoffizier im Gebirgsjägerbataillon 233 in Mittenwald antrete.

Abschließend möchte ich meine Familie und Freunde sowie alle Kameradinnen und Kameraden grüßen, die mich kennen. Ich wünsche Euch allen das Beste und freue mich, Euch bald wieder zu sehen.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Martin S.


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