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Ich bin iM EINsatz: Mutter mit Vollbart

Koulikoro, 11.07.2016, Bundeswehr.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Büroarbeit gehört für den „Spieß“ dazu: Emails checken, Veranstaltung planen, Bestellungen aufgeben
Büroarbeit gehört für den „Spieß“ dazu: Emails checken, Veranstaltung planen, Bestellungen aufgeben (Quelle: Bundeswehr/Patrick Köhler)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Nico S., ich bin 43 Jahre alt und seit Juli 1993 Soldat. Ich bin verheiratet und habe einen Sohn. Dienstlich und privat stamme ich aus Hannover. Dort bin ich im Landeskommando Niedersachsen eingesetzt.
Seit Mitte April bin ich im deutschen Einsatzkontingent EUTM Mali in Koulikoro als Betreuungsfeldwebel tätig. Mein erster und bis dahin letzter Einsatz ist bereits 16 Jahre her. Damals, im Jahre 1999, war ich mit dem 3. Deutschen Einsatzkontingent KFOR im Kosovo.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Das schwarze Brett mit den wichtigsten Informationen wird von Stabsfeldwebel Nico S. immer auf Stand gehalten
Das schwarze Brett mit den wichtigsten Informationen wird von Stabsfeldwebel Nico S. immer auf Stand gehalten (Quelle: Bundeswehr/Patrick Köhler)Größere Abbildung anzeigen

Ich habe mich für diesen Dienstposten in Mali freiwillig gemeldet und war sehr erfreut, dass ich hier unten auch die gelbe Spießkordel verliehen bekam. Der „Spieß“, also der Kompaniefeldwebel, ist so etwas wie die „Mutter der Kompanie“. Eine große Ehre für mich – mit einer noch größeren Verantwortung.

Rückblende: 1996 überreichte der damalige Stabsunteroffizier Nico S. seinem „Spieß“ zum Muttertag  einen Blumenstrauß
Rückblende: 1996 überreichte der damalige Stabsunteroffizier Nico S. seinem „Spieß“ zum Muttertag einen Blumenstrauß (Quelle: Bundeswehr/Patrick Köhler)Größere Abbildung anzeigen

Da kamen am 8. Mai Erinnerungen an meinen alten „Spieß“ aus längst vergangenen Havelberger Tagen zurück. Als junger Unteroffizier habe ich vor 20 Jahren meinem „Spieß“ namens „Billy“ zum Muttertag einen Blumenstrauß geschenkt.

Anerkennung: Das Präsent seiner Soldaten in Mali zum Muttertag
Anerkennung: Das Präsent seiner Soldaten in Mali zum Muttertag (Quelle: Bundeswehr/Patrick Köhler)Größere Abbildung anzeigen

Ähnliches hat jetzt hier meine Unterstützungskompanie für mich getan: Ein T-Shirt als Geschenk zum Muttertag! Dafür nochmal „Danke“.

Wie sieht mein Tagesablauf aus? Mit dem morgendlichen Antreten der Kompanie beginnt der Dienst. Tägliche Routinedinge wie E-Mails checken, Termine abstimmen, Telefonate mit Dienststellen in Deutschland führen, und Besprechungen stehen auf dem Tagesprogramm.

Der Spieß mit wichtigen Punkten bei der morgendlichen Befehlsausgabe
Der Spieß mit wichtigen Punkten bei der morgendlichen Befehlsausgabe (Quelle: Bundeswehr/Patrick Köhler)Größere Abbildung anzeigen

Im Mittelpunkt steht das Wohlbefinden meiner Jungs und meiner Damen. Dazu gehört es, die Betreuungseinrichtung zu kontrollieren, Tagesabläufe mit meinem kleinen Team zu besprechen und auch Waren zu beschaffen.
Zusammengefasst würde ich sagen: „Der enge Kontakt zu den Soldaten ist mir sehr wichtig, damit meine Kompanie das Gefühl hat, der „Spieß“ kümmert sich um die kleinen Dinge des Lebens.
Zusätzlich unterstützen wir auch die Soldaten anderer Nationen bei der Durchführung ihrer Projekte und leisten dort Hilfe, wo sie benötigt wird.

Zwei meiner Jungs sind noch vom 9. Einsatzkontingent übergeblieben, sie verlassen aber leider in Kürze das Einsatzgebiet. Das ist schade. Meine beiden neuen Soldaten stammen aus Hannover und Holzminden. Und alle zusammen ergeben eine echt tolle Crew. Das läuft so gut, dass man meinen könnte, die Jungs kennen sich schon sehr lange. Dafür auch an dieser Stelle meinen Dank.
Was mir dabei besonders Freude macht, ist das Vertrauen, dass man mir und auch meinen Jungs schenkt. Und das nicht nur national.

„Läuft bei mir“ – Strammstehen in der malischen Sonne
„Läuft bei mir“ – Strammstehen in der malischen Sonne (Quelle: Bundeswehr/Patrick Köhler)Größere Abbildung anzeigen

Eine große Belastung für uns alle ist das Klima. Die sehr hohen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit zehren schon ordentlich am Körper. Mal körperlich richtig „Gas geben“ ist draußen nicht von Vorteil. Ich – als alter Flusspionier – bin es eigentlich gewohnt, dass es regnet, dass das Wetter schlecht ist und man friert. Der Spruch „Es läuft!“ bekommt hier in Mali aufgrund des Klimas eine ganz neue Bedeutung.
Kritikpunkte wird es hier und da immer geben. Wenn man dann nicht die Zeit findet, bei einem kalten Getränk oder einem tollen Film auch mal abzuschalten, wird es eine noch größere Belastung. Das gilt es zu verhindern. Und ich denke, dass ich sagen kann „Es läuft.“

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

„Together we are strong“ – ob es die deutschen Ausbilder sind, die multinationalen Teams, die Kameraden aus dem Hauptquartier in Bamako oder die Kameraden anderer Missionen. Jeder ist uns in der Unterstützungskompanie willkommen. Dieses positive Feedback bekommen meine Jungs und ich auch sehr häufig zurück. Das macht einen stolz und auch zufrieden. Gemeinsame Erlebnisse, wie unser Tanz in den Mai, die „Engineer Games“, die wir mit dem Pionierausbildungskommando organisiert haben, das sonntägliche Volleyballspiel mit all den Kameraden aus den verschiedenen Nationen, machen das Gesamtbild dieser Mission – neben unserem Auftrag – zu etwas ganz Besonderem.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich meinen Sohn und meine Frau. Auch meine Freunde in der Heimat, die Motorradausflüge mit den Kumpels, die Jungs der E1 von der DJK Sparta Langenhagen fehlen mir auch. Ich freue mich schon auf die neue Saison und (sogar) meine Kameraden der S3-Abteilung im Landeskommando Niedersachsen fehlen mir. Jungs, genießt die Zeit.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich wünsche mir, genau so weiter arbeiten zu können, wie ich es bis jetzt erleben konnte: Mit dem Vertrauen in meine Arbeit, einer wirklich gelebten Kameradschaft, sowie einer tollen Zusammenarbeit. Dafür danke ich schon jetzt allen Beteiligten. Grüße gehen am „meine“ Soldaten, die mich hier in den letzten Wochen und Monaten so toll unterstützt haben: Oberstabsgefreiter Clemens A. aus Donaueschingen, Oberstabsgefreiter Arthur F. und Stabsgefreiter Patrick W., beide aus Mühlheim. Danke, Jungs. Am Schluss möchte ich alle grüßen, mit denen ich hier täglich zusammenarbeiten darf. Sie geben mir jeden Tag das Gefühl: „Together we are strong“.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Nico S.


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