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Ich bin iM EINsatz: Sorgsam für die Seele

Incirlik, 08.04.2016.

Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Militärpfarrer Stephan Schmid hat schon einige Einsätze miterlebt (Quelle: Bundeswehr/Oliver Pieper)

Militärpfarrer Stephan Schmid hat schon einige Einsätze miterlebt (Quelle: Bundeswehr /Oliver Pieper)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Stephan Schmid. Ich lebe mit meiner Familie – das sind meine Frau und fünf Kinder – in der Lüneburger Heide. Der Ort gehört zur Gemeinde Faßberg und dort bin ich seit 2014 Militärpfarrer.

Meinen Dienst habe ich im August 2006 in Munster angetreten. Meinen ersten Auslandseinsatz absolvierte ich im Sommer 2008 bei KFOR (Kosovo Force) in Prizren. Dann folgte Afghanistan im Sommer 2011 und im Herbst 2013 zwei Einsätze in Mali und im Senegal. Ein weiteres Mal Afghanistan im Sommer 2014 und der jetzige Einsatz in Incirlik lassen mich auf viele Monate Einsatzerfahrung zurückblicken.

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Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Die Andachten im Einsatz sind immer gut besucht

Die Andachten im Einsatz sind immer gut besucht (Quelle: Bundeswehr/Oliver Pieper)Größere Abbildung anzeigen

Meine Aufgabe als Seelsorger in der Bundeswehr lässt sich aus dem Wort selbst ableiten: Ich kümmere mich um die Seele. Gerade im Einsatz ist die Seele der Menschen besonders beansprucht – die Trennung von zu Hause und der Familie sowie die Enge im Lager sind für jeden eine Belastung. Da tut es der Seele gut, sich auch nur für kurze Zeit mal auszuklinken, an einem besonderen Ort mal etwas ganz anderes zu erleben und an etwas anderes zu denken. Nach so einer Pause kehren die Soldaten wieder in ihren Einsatzalltag zurück. Eine solche Ruhezeit bietet ein Gottesdienst oder auch eine Abendandacht, bei der es etwas ruhiger und meditativer zugehen kann.

Zudem hat jeder Soldat einen Anspruch auf freie Religionsausübung. Wenn also jemand regelmäßig in die Kirche gehen möchte, muss dies auch im Einsatz möglich sein. Dafür gibt es uns als Militärseelsorger in den Einsätzen.

Stephan Schmid im Gottesdienst

Stephan Schmid im Gottesdienst (Quelle: Bundeswehr/Oliver Pieper)Größere Abbildung anzeigen

Dann kommt es auch vor, dass es der Seele mal besonders schlecht geht. Wenn das Kind zu Hause krank ist oder die Freundin Schluss machen will, es auf Stube zu eng oder die Zeit einfach zu lang wird. Dann ist der Pfarrer oft ein gern aufgesuchter Ansprechpartner. Unter dem Schutz des Beichtgeheimnisses und der seelsorgerlichen Verschwiegenheit kann in geschützter Atmosphäre alles zur Sprache kommen, was der Seele weh tut und sie belastet. Das tut sehr gut, kann wieder Halt und Orientierung geben und weitere Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Der Schritt, zum Pfarrer zu gehen, fällt natürlich leichter, wenn man ihn schon einmal gesehen hat, schon mal ein Wort mit ihm gewechselt oder schon von ihm gehört hat. Deshalb gehört es zu meinem Tagesablauf, mich dort sehen zu lassen, wo die Arbeit getan wird und mich in die verschiedensten Aufgabenbereiche einweisen zu lassen. Nach Dienstunterbrechungen schaue ich mir in den Betreuungseinrichtungen mit den Soldaten Fußballspiele an oder schlendere auch mal durch die Unterkunftsbereiche. So bin ich jederzeit ansprechbar und bekomme einen Eindruck über die tagesaktuellen Ereignisse.

Mir ist es auch ein Anliegen, dass sich die Menschen mit dem Themenfeld unterschiedlicher Kulturen und Religionen auseinandersetzen. Dies spielt besonders im Einsatz – aber auch in Deutschland – zunehmend eine wichtige Rolle. Deshalb lade ich zu Vortrags- und Gesprächsabenden ein. Viele Jahre meines Lebens habe ich in anderen Kulturkreisen verbracht und daher ist es mir eine Herzensangelegenheit, dieses Wissen weiterzugeben.

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Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Regelmäßig sind die Soldaten im Gespräch mit dem Geistlichen

Regelmäßig sind die Soldaten im Gespräch mit dem Geistlichen (Quelle: Bundeswehr/Oliver Pieper)Größere Abbildung anzeigen

Für mich sind Einsatzzeiten immer sehr intensive Zeiten, da ich rund um die Uhr sehr eng an den Menschen dran bin. Ich freue mich, wenn durch meine Arbeit die Abwesenheit von der Heimat für die Soldaten ein wenig erträglicher ist und ich bei der Bewältigung von persönlichen Krisensituationen behilflich sein kann. Es gibt auch sehr schöne, besondere Anlässe von Bedeutung für die Militärseelsorge. Wenn zum Beispiel Menschen durch die Arbeit der Seelsorge in der Bundeswehr Interesse am Glauben bekommen und sich dann, falls noch nicht geschehen, taufen lassen möchten. Dafür gibt der Einsatz oft den Anlass und Zeit für vorbereitende Gespräche und für die Taufe selbst.

Eine besondere Bedeutung kommt der Militärseelsorge dann zu, wenn es zu einem Todesfall kommen sollte. Ein Todesfall zu Hause oder vor Ort kann jeden treffen und aus der Bahn werfen. Genau in diesen Situationen ist mein Beistand enorm wichtig und der Gesprächsbedarf mit einem Seelsorger sehr hoch. Da geht es dann um zahlreiche Fragen: Ob es gut wäre, zur Beerdigung nach Hause zu fliegen oder ob es vielleicht angebracht wäre, hier im Einsatz eine Andacht zum Gedenken durchzuführen. Um Abschied nehmen zu können und im angemessenen Rahmen zu trauern, führt die Seelsorge in der Bundeswehr die Andachten sowie Gedenkveranstaltungen durch und begleitet die betroffenen Kameraden durch diesen schwierigen Lebensabschnitt.

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Das vermisse ich hier am meisten.

Auf der einen Seite habe ich einen sehr engen Kontakt zu den Soldaten und lerne sehr interessante Menschen kennen. Auf der anderen Seite aber vermisse ich natürlich meine Familie und Freunde. Nach nun zwei Monaten in Incirlik sehne ich mich nach heimatlichem Wald und gelegentlichen Regenzeiten. Das Umfeld und die Verpflegung auf der Air Base Incirlik sind sehr amerikanisch geprägt. Einfache Dinge, wie deutsches Brot in allen Variationen, stehen ganz weit oben auf meiner Wunschliste. Daher freue ich mich bereits auf die Rückkehr nach Hause.

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Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich wünsche mir, dass bei allen im Einsatz die Zeit der Trennung von zu Hause gut verarbeitet werden kann und freue mich – wenn alles so klappt wie geplant – pünktlich zur Konfirmation meiner Tochter wieder zu Hause sein zu können.

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Stand vom: 08.04.16 | Autor: Stephan Schmid


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