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Einsatztagebuch Operation „Sophia“ (3): Letzte Übungen kurz vor der ersten Rettung

In See, 07.07.2016, Bundeswehr.

Der Tender „Werra“ und das Minenjagdboot „Datteln“ sind seit dem vergangenen Wochenende die beiden deutschen Schiffe im europäischen Marineverband EUNAVFOR MED bei der Operation „Sophia“ im Mittelmeer. Auftrag des Verbands: Vorgehen gegen die Aktivitäten von Schleusern auf der zentralen Mittelmeerroute. Vor den libyschen Hoheitsgewässern, wo von beiden Schiffen am 5. Juli bereits mehr als 700 Menschen an Bord genommen wurden, übten beide Besatzungen noch einmal die Verfahren zur Rettung von Menschen aus Seenot.

3. Juli 2016

Der Tender „Werra“ im Mittelmeer

Der Tender „Werra“ im Mittelmeer (Quelle: Bundeswehr/Bastian Fischborn)Größere Abbildung anzeigen

Der Tender „Werra“ und das Minenjagdboot „Datteln“ haben den Hafen von Augusta (Italien) verlassen und nehmen Kurs auf das Operationsgebiet. Allen ist klar – das hier ist keine Kreuzfahrt.
Auf dem Tender schallen die rockigen Klänge der Band „Silverhammer“ über die Lautsprecher. Ein Alarmschießen – alle Soldaten, die vorher noch an Oberdeck gearbeitet haben, gehen jetzt unter Deck. Die Waffen werden besetzt und binnen Minuten sind die Marineleichtgeschütze, die Maschinengewehre und die Boardingsoldaten feuerbereit.

Das gehört zu den ständigen Alarmdrills an Bord. Das Schiff muss jederzeit in der Lage sein, sich gegen Bedrohungen zu verteidigen – zum Beispiel gegen ein unbekanntes Boot, das sich schnell nähert und nicht auf Warnanrufe reagiert. Eine asymmetrische Gefahr kann man nirgends ausschließen – der Angreifer wird dabei immer die Initiative haben.

Feuer im Schiff, Leckabwehr, Alarmschießen – für Marinesoldaten ist das Alltag

Feuer im Schiff, Leckabwehr, Alarmschießen – für Marinesoldaten ist das Alltag (Quelle: Bundeswehr/Bastian Fischborn)Größere Abbildung anzeigen

Weiter im Übungsszenario. Feuer im Schiff. Binnen Sekunden legen die Soldaten ihren Flammschutz an, auf den Gruppenständen rüsten sich Soldaten als Brandabwehrtrupp aus. Sie sehen jetzt aus wie Feuerwehrleute. Knappe Anweisungen werden über die Brücke gerufen, die gesamte Besatzung ist in diese „Rolle“ eingespannt. Die Ärzte und Sanitäter bereiten die Versorgung von Verletzten vor, die Schiffstechnik-Zentrale koordiniert die Brandbekämpfung.

Die Oberdecks der „Werra“ und der „Datteln“ haben sich verwandelt. Registrierungsstationen wurden aufgebaut, hier wird die Identität von aus Seenot geretteten Menschen festgestellt. Die Feldjäger weisen die Besatzungen in die Verfahren zur Durchsuchung von Personen ein. Über dem Flugdeck der „Werra“ ist nun eine Plane gespannt – zum Schutz vor Sonneneinstrahlung für die große Zahl von aus Seenot geretteten Personen, die sich hier aufhalten wird.

Das Thermometer erreicht schon um 11 Uhr die 30-Grad-Marke. An der Reling stehen Baustellen-Toiletten, die Essensausgabe ist eingerichtet, zusätzliche Waschbecken an Oberdeck werden angeschlossen. Im vergangenen Jahr haben auf diesem Flugdeck 627 Menschen gesessen und geschlafen, die von der Besatzung des Tenders kurz zuvor aus Seenot gerettet wurden. Das entspricht dem Zehnfachen der Besatzungsstärke. Auch in diesem Jahr ist mit solchen Szenarien zu rechnen.

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4. Juli 2016

Übung der finnischen Soldaten fürs Boarding – Zehn Meter sind es vom Hauptdeck bis zur Brücke des Tenders

Übung der finnischen Soldaten fürs Boarding – Zehn Meter sind es vom Hauptdeck bis zur Brücke des Tenders (Quelle: Bundeswehr/Bastian Fischborn)Größere Abbildung anzeigen

Im Norden des Einsatzgebiets angekommen, übt das finnische Boarding-Team das Entern eines Schiffes und klettert die zehn Meter vom Oberdeck des Tenders bis zur Brücke mitsamt der Ausrüstung auf einer schmalen Metallleiter hoch. Die Soldaten tragen Splitterschutzwesten, Helme, Funkgeräte, Knieschoner und Waffen – alles in allem etwa 25 Kilogramm Ausrüstung. Wer ein Wettrennen versucht und die Niedergänge (Marinesprache für Treppen) zur Brücke nimmt, verliert dabei gegen die durchtrainierten Finnen. Immer! Die zwölf Soldaten, deren Gesichter wir zu ihrem Schutz nicht zeigen wollen, sind aufeinander eingespielte Profis. Sie sorgen bei den Seenotrettungen für die Sicherung der Besatzung und des Schiffes. Sie sind auch die Ersten, die an die vollbesetzten Boote vor der libyschen Küste heranfahren. Sollte das Schiff außerhalb fremder Hoheitsgewässer Schleuser verfolgen, werden sie im Speedboot sitzen.

Das Minenjagdboot „Datteln“ gehört zum 4. Deutschen Einsatzkontingent EUNAVFOR MED Operation „Sophia“. Im Hintergrund das Flaggschiff, der italienische Flugzeugträger „Giuseppe Garibaldi“.

Das Minenjagdboot „Datteln“ gehört zum 4. Deutschen Einsatzkontingent EUNAVFOR MED Operation „Sophia“. Im Hintergrund das Flaggschiff, der italienische Flugzeugträger „Giuseppe Ga … (Quelle: Bundeswehr/Bastian Fischborn)Größere Abbildung anzeigen

Heute besucht der neue Verbandsbefehlshaber die „Werra“, der italienische Flottillenadmiral Berutti Bergotto. Der 53-jährige „Force Commander“, selbst ehemaliger dreifacher Kommandant, bringt einen Teil seiner Stabsoffiziere mit, die das Command Team der beiden deutschen Besatzungen über die Entwicklungen im Einsatzgebiet unterrichten.
Die Kommandanten des Tenders und des Minenjagdboots stellen ihm im Gegenzug die Fähigkeiten der deutschen Schiffe dar. Geführt wird der Verband von Bord des italienischen Flugzeugträgers „Giuseppe Garibaldi“, dem Flaggschiff der Operation „Sophia“.

Am 4. Juli besuchte der italienische „Force Commander“, Flottillenadmiral Berutti Bergotto, die „Werra“

Am 4. Juli besuchte der italienische „Force Commander“, Flottillenadmiral Berutti Bergotto, die „Werra“ (Quelle: Bundeswehr/Bastian Fischborn)Größere Abbildung anzeigen

Am späten Nachmittag ist es dann soweit: Mit einer Bewährungsprobe für die „Werra“- und „Datteln“-Besatzungen. „Besatzung, sich klarmachen zur Seenotrettung“, lautet die Durchsage des Fernmeldeoffiziers.
Der Flugzeugträger hat ein Schlauchboot mit zehn Insassen vorbereitet, die aus Seenot gerettet werden sollen. Eine Übung zwar, doch die Besatzung ist mit voller Konzentration dabei.

1.186 Menschen hat die „Werra“ bereits im vergangenen Jahr aus Seenot gerettet, die Abläufe sind eingespielt. Das Boardingteam legt ab, fährt zum Schlauchboot, bringt die Insassen nach und nach zum Schiff. Dort sind die Stationen bereit: Zuerst die Durchsuchung auf gefährliche Gegenstände, dann die Registrierung und die Erfassung persönlicher Daten, ein schneller Medizin-Check, dann die Weitergabe an das Team auf dem Flugdeck, wo der Aufenthaltsbereich für die Menschen eingerichtet ist. Alles läuft glatt.

Letzte Abstimmungen vor der Rettungsübung auf dem Tender

Letzte Abstimmungen vor der Rettungsübung auf dem Tender (Quelle: Bundeswehr/Bastian Fischborn)Größere Abbildung anzeigen

Fregattenkapitän Eidam, der deutsche Kontingentführer: „Der Auftrag der Operation ist das Vorgehen gegen Schleusernetzwerke, die aus der Massenmigration dieser Tage ein Geschäft auf Kosten derjenigen machen, die sich aus ihren Heimatländern auf die Flucht gemacht haben. Gleichwohl müssen die Besatzungen tagtäglich damit rechnen, dass sie zu einem Seenotfall gerufen werden. Zur Rettung von Menschenleben gibt es keine Alternative. Die Besatzungen meines Kontingents haben heute gezeigt, dass sie sich vorbereitet haben, diese Aufgabe professionell zu erfüllen, die sie immer wieder ereilt.“

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Stand vom: 07.07.16 | Autor: Bastian Fischborn


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