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Ich bin iM EINsatz: Zugführer in der Einsatzkompanie

Camp „Nothing Hill“, 24.03.2016.


Von Westafrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Oberleutnant Philipp I. ist Zugführer in der deutschen Einsatzkompanie KFOR
Oberleutnant Philipp I. ist Zugführer in der deutschen Einsatzkompanie KFOR (Quelle: Bundeswehr/S. Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Philipp I., ich bin 27 Jahre alt und gebürtiger Hamburger. Seit knapp drei Jahren bin ich Zugführer im Panzergrenadierbataillon 401 im mecklenburgischen Hagenow. Im Juli 2008 trat ich als Grundwehrdienstleistender meinen Dienst an. Die gesammelten Erfahrungen motivierten mich zunächst dazu, die Laufbahn der Reserveoffiziere einzuschlagen. Später entschied ich mich für den Weg des Offiziers im Truppendienst ohne Studium. Dabei blieb die Panzergrenadiertruppe stets meine Wunsch-Truppengattung. Ich befinde mich jetzt im achten Dienstjahr und dies ist mein erster Einsatz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Zugführer in der Grenadiertruppe zu sein,  war schon früh der Wunsch des 27-Jährigen, auch wenn es im Kosovo neue Herausforderungen gibt
Zugführer in der Grenadiertruppe zu sein, war schon früh der Wunsch des 27-Jährigen, auch wenn es im Kosovo neue Herausforderungen gibt (Quelle: Bundeswehr/S. Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Als Zugführer in der Einsatzkompanie muss man auf jeden Fall eines sein: Flexibel. Die Fähigkeiten, die man seinen Soldaten und auch sich selbst für diesen Einsatz aneignen muss, unterscheiden sich nämlich deutlich vom Tagesgeschäft eines Panzergrenadiers. Im Schwerpunkt ist hier die Fähigkeit zum „Crowd-Riot-Control“-Einsatz (CRC) zu nennen, die es nötig macht, sich mit einer anderen Ausrüstung, anderen Kommandos und anderen Formationen, zu beschäftigen, als man es vom klassischen Gefechtsdienst her kennt.

Patrouillen sind ein großer Bestandteil meiner Aufgabe als Zugführer im Einsatz. Allgemein gesprochen müssen wir mit einer Patrouille ein bestimmtes Gebiet kontrollieren. Dazu nutzen wir Fahrzeuge und bewegen uns mit diesen auf bestimmten, vorher festgelegten Routen. Je nach Ausmaß und Komplexität der Patrouille werden diese im Halbzug- oder Zugrahmen durchgeführt. Ein Zug umfasst rund 30 Soldaten.
Weiterhin stellen die Züge der Einsatzkompanie im Wechsel Kräfte für die sogenannte „Quick Reaction Force“ (QRF), eine schnelle Eingreiftruppe, oder die „Base Defense“, um in schwierigen Lagen gebundene Kräfte unterstützen zu können oder das Lager gegen einen potenziellen Angriff verteidigen zu können.

Die Verteilung der verschiedenen Aufträge geschieht immer gemeinsam – mit meinem Kompaniechef, dem Kompanietruppführer, den anderen beiden Zugführern und dem deutschen Verbindungsoffizier zur US-amerikanischen Führung im Nordkosovo.

Auch der „Papierkram“ muss vom Zugführer erledigt werden
Auch der „Papierkram“ muss vom Zugführer erledigt werden (Quelle: Bundeswehr/S. Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Ein typischer Tagesablauf hängt – abgesehen vom Frühstück und dem lebenswichtigen Kaffee – vom Auftrag ab. Sollen wir eine Patrouille durchführen, war ich dafür schon zwei Tage vorher für die Feinplanung beim Chef. Die Befehlsausgabe dafür ist meist schon am Vortag gelaufen und meine für die Patrouille eingeteilten Soldaten schließen die befohlenen Maßnahmen so ab, dass wir rechtzeitig beginnen können. Zu diesen Maßnahmen gehören zum Beispiel das Vorbereiten der Fahrzeuge und der Ausrüstung. Durch mich erfolgt dann eine letzte Überprüfung des Funks und der Ausrüstung und dann melde ich – nachdem wir unsere Waffen am Tor teilgeladen haben – die Patrouille über Funk ab. Nach der Durchführung und der Rückkehr ins Lager wartet dann schon der allseits beliebte „Papierkram“ auf mich: Der Patrouillenbericht. Er ist so detailliert wie möglich gehalten, damit exakt nachvollzogen werden kann, wie die Patrouille verlief.
Meine Gruppenführer und ich versuchen dabei so oft wie möglich auch Wege abseits der befestigten Straßen zu finden. Hier stellt sich schon bereits ein kleines Erfolgsgefühl ein, wenn die Karten und Luftbilderkundungen einigermaßen zutreffen, man einen Weg im befahrbaren Zustand findet und auch mal auf den ländlichen Teil der Bevölkerung trifft.
Starke Regenfälle schränken dann oft die Passierbarkeit der Wege ein. Hin und wieder müssen dann auch mal Fahrzeuge aus dem Schlamm gezogen werden, wenn wir uns festgefahren haben.

Mit Freude betrachte ich immer wieder die oft als selbstverständlich angesehene Bereitschaft unter den Soldaten der drei Züge, sich gegenseitig auszuhelfen und sich zu unterstützen. Das starke Team, das sich gerade über das letzte Jahr aus den anderen beiden Zugführern und mir gebildet hat, ist eine sehr gute Voraussetzung für den Zusammenhalt in unserer Kompanie und eine Erleichterung – auch für unseren Chef.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Der gebürtige Hamburger befindet sich bereits in seinem achten Dienstjahr
Der gebürtige Hamburger befindet sich bereits in seinem achten Dienstjahr (Quelle: Bundeswehr/S. Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Für mich bestand schon seit Kindestagen der Wunsch – familiär geprägt – Soldat zu werden. Als ich Offizier wurde, war mein nächstes Ziel, Zugführer zu sein. Damit einher ging auch das Verlangen, einen Zug im Einsatz zu führen, unabhängig vom Einsatzgebiet. Gerade die Tatsache, mit meinen Mannschaftssoldaten und Gruppenführern, die ich über die Jahre immer besser kennenlernen konnte, diesen Einsatz als eingespieltes Team bewältigen zu können, motiviert mich besonders. Dabei nicht nur Taktiker, sondern auch Menschenführer zu sein, ist für mich einer der herausragenden Punkte, die meine Aufgabe von zivilen Berufen unterscheidet.

Abends sitze ich oft mit meinen Kameraden zusammen und wir werten den Tag aus. Das kann auch mal humorvoll stattfinden, was ich sehr wichtig finde. Denn das ist einer der wichtigen Punkte, die mich abends zufrieden einschlafen lassen.

Eine weitere Motivation ist für mich der Kontakt mit der Zivilbevölkerung. Hier habe ich zwar auch schon die eine oder andere ablehnende Haltung erlebt, aber durchaus auch viele erfreuliche Begegnungen gehabt. Seien es die lachenden und winkenden Kinder am Straßenrand oder freundliche Anwohner die einem, unbeirrt davon, dass meine Soldaten und ich sie leider nicht verstehen können, Geschichten von früher erzählen.

Leider werde ich auch tagtäglich an Armut und unschöne Dinge in diesem Land erinnert. Die Landschaft ist zwar teilweise wie aus dem Bilderbuch – aber der viele Müll, herrenlose und auch tote Hunde am Straßenrand und das Erscheinungsbild mancher, nach Essen fragender Kinder, erinnert mich daran, dass Vieles hier im Einsatzland lange noch nicht so funktioniert, wie wir es gewohnt sind.
Diese Beispiele und die Meldungen über immer noch stattfindende, wenn auch nicht mehr so ausartende, innerpolitische und ethnische Spannungen, erinnern mich daran, wie wichtig die Präsenz von KFOR ist. Hier wünschte ich mir manchmal, aktiver eingreifen zu können, verstehe jedoch die Absicht, den lokalen Kräften aus Verwaltung und Sicherheit die Verantwortung zu überlassen.

Die Einsatzkompanie trainiert regelmäßig das Vorgehen bei möglichen gewalttätigen Demonstrationen
Die Einsatzkompanie trainiert regelmäßig das Vorgehen bei möglichen gewalttätigen Demonstrationen (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Zu erwähnen ist auf jeden Fall die Teilnahme an der internationalen Übung „Thunderroad III“, bei der sich die deutsche Einsatzkompanie deutlich unter Beweis stellen konnte und bei den beteiligten Partnern, allen voran den Amerikanern, einen merklich positiven und bleibenden Eindruck hinterlassen konnte.

Stolz macht mich dabei die Leistung meines Zuges – in jederlei Hinsicht. Sei es in der Ausgestaltung des Zugbereiches, der Vor- und Nachbereitung des Gerätes und der Fahrzeuge und die Belastbarkeit während des Dienstes. Vor allem die Mit- und Zuarbeit jedes Einzelnen, gerade wenn wir uns draußen im Auftrag befinden, ist wirklich bemerkenswert. Jetzt schon mal ein Lob an meine Männer, weiter so.

Das vermisse ich hier am meisten.

Allem voran vermisse ich meine Familie, insbesondere den Familienhund, der mich hoffentlich noch wieder erkennt, wenn ich zu Hause eintreffe. Genauso groß wird die Freude über das Wiedersehen mit meinen Freunden sein. Mir persönlich fehlen dann noch meine Gitarre, meine Couch und vor allem die Tage in der schönsten Stadt der Welt: Hamburg.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Mein Plan: Definitiv alle wieder heil nach Hause bringen. Ich wünsche mir für die restliche Zeit des Einsatzes, dass die Zusammenarbeit innerhalb des Zuges und in der Kompanie genauso vernünftig weiterläuft wie bisher.
Für die Zeit nach dem Einsatz ist mir wichtig, dass jeder meiner Soldaten auch psychisch vernünftig zu Hause ankommt. Für mich selbst wird sich dann meine Zugführerzeit dem Ende neigen. Ich hoffe, dann weiterhin in der vierten Kompanie zu Hause als Kompanieeinsatzoffizier und stellvertretender Chef dienen zu können und die gesammelten Erfahrungen anwenden und ausbauen zu können, um selbst eines Tages eine Panzergrenadierkompanie führen zu dürfen.

Ich möchte natürlich alle meine Freunde und meine Familie grüßen. Weiterhin grüße ich die anderen beiden Zugführer der Einsatzkompanie – mit Euch würde ich immer wieder in den Einsatz gehen. Grenadiere packt’s an, Vierte voran!


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Philipp I.


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