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Einsatztagebuch „Sophia“ Teil 2: Die ersten Tage auf See

In See, 29.09.2016.


Die ersten Tage auf See beim Einsatz in der EUNAVFOR MED Operation „Sophia“ liegen hinter der Besatzung der „Mecklenburg-Vorpommern“. In diesem Tagebucheintrag von der Fregatte beschreibt Obergefreiter Celin R. wie man als „11er“, also als Soldat im Decksdienst, den Tag an Bord verbringt. Außerdem verrät sie wie, man sich zwischen den Wachen, Essen und Schlafen auch noch körperlich ertüchtigen kann.

Sonntag, 18. September 2016, In See vor der libyschen Küste

Oberleutnant zur See Thomas S. ist einer der Sportleiter auf der „Mecklenburg-Vorpommern“
Oberleutnant zur See Thomas S. ist einer der Sportleiter auf der „Mecklenburg-Vorpommern“ (Quelle: Bundeswehr/Anne Malucha)Größere Abbildung anzeigen

Heute ist Sonntagsroutine. Das heißt, dass ich grundsätzlich frei habe, wenn ich nicht gerade auf Seewache stehe. Diese Zeit nutze ich, um Sport zu machen, einen Film zu gucken, oder – was auch sehr beliebt ist – zu schlafen. Natürlich darf das obligatorische Reinschiff nicht fehlen. Das dauert täglich etwa eine Stunde.

Nachdem das Reinigen geschafft ist, wende ich mich den verschiedenen Freizeit- und Sportmöglichkeiten an Bord zu. Heute leitet beispielsweise einer unserer Offiziere ein Sportprogramm auf dem Flugdeck. Nachdem ich Abendbrot gegessen habe (Cevapcici), gehe ich schlafen, da ich wieder von 00.00-04.00 Uhr auf Wache stehen muss. Ein entspannter Sonntag geht zu Ende und ich blicke voller Spannung auf die nächste Woche.

Montag, 19. September 2016, In See vor der libyschen Küste

Als Ausguck hat Celin R. die Möglichkeit, solche Naturschauspiele auf See hautnah zu erleben.
Als Ausguck hat Celin R. die Möglichkeit, solche Naturschauspiele auf See hautnah zu erleben. (Quelle: Bundeswehr/Celin R.)Größere Abbildung anzeigen

Es ist kurz vor vier Uhr morgens. Endlich liege ich im Bett und habe nach meiner vierstündigen Wache noch drei Stunden Zeit bis zum Wecken. Die Wache verlief ruhig, da wir nur einen Kontakt in den gesamten vier Stunden hatten. Bei 27 Grad und Gewitter mit Regen stand ich draußen in der Nock. Die Nocken sind die Verbreiterungen links und rechts der Brücke ohne Dach, wo wir Ausgucks nach Kontakten Ausschau halten. Außerdem ist dort ein Maschinengewehr montiert, um gegen mögliche Angriffe vorgehen zu können.

Zum Glück hatte ich eine Plane über dem Kopf. Es war mein erstes Gewitter auf See, das so nah an uns dran war. Es war faszinierend und etwas gruselig zugleich. Von weitem sah ich Blitze und hörte den Donner. Dann ging es plötzlich ganz schnell und es kam eine riesige schwarze Wolke auf uns zu. Der Wind wurde heftiger und es fing an, direkt über uns zu blitzen und zu donnern an. Aber genauso so schnell wie es aufzog, war es schon wieder vorbei.

Dienstag, 20. September 2016, In See vor der libyschen Küste

Fast täglich wird Sport auf dem Flugdeck angeboten. In der Gruppe macht das deutlich mehr Spaß
Fast täglich wird Sport auf dem Flugdeck angeboten. In der Gruppe macht das deutlich mehr Spaß (Quelle: Bundeswehr/Anne Malucha)Größere Abbildung anzeigen

Ein ganz normaler Tag in See. Mit dem allgemeinen Wecken um 7.00 Uhr begann der Dienstag für mich. Zum Wecken wird immer ein Wecklied gespielt und ein sogenannter Weckspruch durchgesagt, der den heutigen Tag auf humorvolle Art und Weise zusammenfasst. Ich stehe auf, mache mich fertig und gehe zum Frühstück in die Mannschaftsmesse. Um 8.15 Uhr ist Morgenmusterung, wo wir für den Tagesdienst eingeteilt werden. Heute steht Pönen (der maritime Ausdruck für das Streichen) und Oberdeck spulen (das Oberdeck mit einem Feuerwehrschlauch reinigen) auf dem Plan. Nachdem wir damit fertig sind, darf ich wieder Sport auf dem Flugdeck machen.

Auch ein Kraftraum steht der Besatzung zur Verfügung.
Auch ein Kraftraum steht der Besatzung zur Verfügung. (Quelle: Bundeswehr/Anne Malucha)Größere Abbildung anzeigen

Auf See haben wir mehrere Möglichkeiten Sport zu treiben. Neben einem Kraftraum haben wir noch zwei Fahrräder an Bord. Außerdem absolvieren wir manchmal gemeinschaftlich Sportprogramme auf dem Flugdeck, unter Anleitung von erfahrenen Sportlern. Zusammen Sport zu treiben stärkt das Gemeinschaftsgefühl und macht auch viel mehr Spaß.

Mittwoch, 21.September 2016, Transit nach Augusta

Der Ausguck meldet alles, was sich rund um die Fregatte auf dem Meer befindet. Über das Headset besteht Kontakt zur Brücke
Der Ausguck meldet alles, was sich rund um die Fregatte auf dem Meer befindet. Über das Headset besteht Kontakt zur Brücke (Quelle: Bundeswehr/Anne Malucha)Größere Abbildung anzeigen

7.30 Uhr – Wachmusterung auf der Brücke. Der WO (wachhabende Offizier) erklärt uns, was der Auftrag in unserer Seewache sein wird: Transit nach Augusta, um Proviant und Kraftstoff zu übernehmen. Nach einer Weile entdecken wir ein Fischerboot und entscheiden uns, es anzusprechen. Zu unserem Auftrag im Einsatz gehört die Bekämpfung krimineller Schleusernetzwerke und auch die sogenannte Embargoüberwachung (den illegalen Waffenhandel von und nach Libyen verhindern). Dafür müssen wir herausfinden, wo Schiffe von und nach Libyen fahren oder welche Routen sie durch das Mittelmeer nehmen. Wie findet man so etwas heraus? Heute befragen wir beispielweise das Fischerboot über Funk. „Woher kommen Sie? Wo wollen Sie hin? Was haben Sie geladen?“ und ähnliche Fragen werden gestellt. Wenn die Antworten nicht verdächtig sind, lassen wir die Seefahrer weiter fahren und bedanken uns für die Hilfe.

Um vor möglichen Bedrohungen geschützt zu sein, trägt Celin R. eine Schutzweste
Um vor möglichen Bedrohungen geschützt zu sein, trägt Celin R. eine Schutzweste (Quelle: Bundeswehr/Anne Malucha)Größere Abbildung anzeigen

Wenn wir so nah an anderen Booten dran sind, stehen wir Ausgucks in den Nocken mit einer Schutzweste und einem Headset für die Sprechverbindung zu einem Vorgesetzten, der die Lage rund um das Schiff im Blick hat, um bei einer Bedrohung sofort zur Verteidigung unseres Schiffs eingreifen zu können. Nach meiner Ablösung um 11.45 Uhr habe ich Mittagspause und normalen Tagesdienst, also Streichen, Saubermachen der Boote, das Aufklaren des Oberdecks und natürlich wie immer das Reinschiff.

Donnerstag, 22. September 2016,Einlaufen in Augusta, Sizilien

In der Vorpiek des Schiffes befinden sich einige der Leinen zum Festmachen der Fregatte.
In der Vorpiek des Schiffes befinden sich einige der Leinen zum Festmachen der Fregatte. (Quelle: Bundeswehr/Anne Malucha)Größere Abbildung anzeigen

Bevor wir im Hafen von Augusta fest machen können, müssen wir erst einmal die Leinen klar legen. Wir „11er“ sind beim An- und Ablegen entweder auf der Back (vorderer Bereich des Schiffes) oder auf der Schanz (Bereich unter dem Flugdeck). Ich bin immer auf der Back und unsere Leinen sind in der Vorpieck – dem Raum unter der Back. Wir holen die Leinen von unten nach oben. Das kann sehr anstrengend sein, wenn nicht das gesamte Personal verfügbar ist. Nachdem wir das gemacht haben, werden noch die Wurfbeutel fest gemacht und die Anker klar zum Fallen vorbereitet. Endlich sind wir klar zum Manöver. Kaum ist das Schiff fest, beginnt auch schon die Kraftstoff- und Proviantübernahme.

Nach dem Auslaufen werden die Leinen wieder sicher verstaut
Nach dem Auslaufen werden die Leinen wieder sicher verstaut (Quelle: Bundeswehr/Anne Malucha)Größere Abbildung anzeigen

Da alles sehr schnell ging, konnten wir Augusta um 16.00 Uhr auch schon wieder verlassen. Kurz nach dem Abendessen ertönte plötzlich durch das ganze Schiff ein Klingelsignal. „Mann über Bord, Mann über Bord!“, kommt als Durchsage. Wir alle eilen zu unseren Musterungsplätzen um festzustellen, wer genau über Bord gegangen ist. Unsere Speedbootbesatzungen rüsten sich aus, um den über Bord Gegangenen aus dem Wasser zu holen. Die Sanitäter bereiten alles vor, um die Person anschließend zu behandeln. Es herrscht großes Gewusel auf dem ganzen Schiff. Zum Glück ist es nur eine Übung. Sie soll uns als Besatzung trainieren, um auf solche Fälle bestmöglich vorbereitet zu sein. Außerdem ist es eine gute Übung für den Wachhabenden Offizier, da dieses Manöver auch auf der Brücke höchste Konzentration erfordert. Nach ein paar weiteren Übungen (von der Besatzung auch gerne „Klingelbingo“ genannt) dürfen wir endlich wieder ins Bett.


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Stand vom: 12.12.17


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