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Personnel Recovery – Robuste Schutzengel für den Notfall

Mazar-e Sharif, 09.11.2017.


Was passiert, wenn Soldaten oder Angehörige der internationalen Staatengemeinschaft in Nordafghanistan plötzlich von den eigenen Kräften abgeschnitten sind, nach einem Gefecht etwa oder nach einem Unfall? Wer rettet sie dann und holt sie da raus? Profis natürlich – deren Bezeichnung als Personnel Recovery Team zunächst nur den Auftrag der „Rettung und Rückführung“ beschreibt. Tatsächlich aber sind sie die sprichwörtlichen Retter in der Not und für diese Fälle gut ausgebildet und auf heikle Szenarien vorbereitet.

Auch wenn die Situationen, in die sie kommen, brisant ist, ihr Auftrag hat stets nur ein Ziel: Isolierte Personen retten und zurückbringen. Das TAAC-N verfügt seit Sommer 2016 über eine Personnel Recovery Struktur im Einsatzland. Neben der Suche und Rettung umfasst der Auftrag der Teams von Fall zu Fall auch die Bergung und Sicherstellung von Material. Das kann beispielsweise wertvolles High-Tech Material sein oder auch Fahrzeuge, die nicht aufgegeben werden dürfen.

An der Spitze des Teams steht eine Koordinierungszelle der Einheit, die als Personnel Recovery Coordination Cell (PRCC) bezeichnet wird. Ein verantwortlicher Offizier setzt die eigentlichen Rettungskräfte ein, welche Menschen und Material aus ihrer Notlage herausholen.

Wir greifen eine Lage auf, die typisch für das Team sein könnte ist: „Der Konvoi einer internationalen Hilfsorganisation ist wegen einer Reifenpanne liegengeblieben. Die Bedrohungslage für die zivilen Mitarbeiter in dieser abgelegenen Region in Nordafghanistan wird als hoch eingeschätzt. Es besteht eine akute Gefahr für Leib und Leben der Menschen im Konvoi.

Ein Angehöriger des Extraction Team hält Funkverbindung mit einem landenden Hubschrauber CH53
Ein Angehöriger des Extraction Team hält Funkverbindung mit einem landenden Hubschrauber CH53 (Quelle: Bundeswehr/TAAC-N PAO)Größere Abbildung anzeigen

Der Kommandeur des Einsatzkontingents entscheidet sich daraufhin nach Erörterung der Umstände vor Ort mit dem verantwortlichen Offizier, das Rettungsteam zu alarmieren – präzise wird das -Team, welches Menschen aus der Gefahrensituation rettet und zurückführt als Extraction Team bezeichnet. Der Kommandeur hat sich auf Grund der Gefährlichkeit der Lage zudem entschlossen, zusätzliche Kräfte einsetzen. Das Rettungsteam soll nun die Fahrzeuginsassen aufnehmen und per Hubschrauber nach Mazar-e Sharif zu bringen. Das geht am schnellsten und bietet außerdem ein hohes Maß an Sicherheit. So ähnlich könnte die Aufgabenstellung aussehen, wenn Hauptfeldwebel Dirk J. und seine Männer im Camp Marmal alarmiert werden.

Ständig in Alarmbereitschaft

Angehörige des Fallschirmspezialzuges 26 bei einer Übung im Umkreis des Lagers Camp Marmal
Angehörige des Fallschirmspezialzuges 26 bei einer Übung im Umkreis des Lagers Camp Marmal (Quelle: Bundeswehr/FschSpezZg 26)Größere Abbildung anzeigen

In Deutschland ist der Hauptfeldwebel Zugführer des Fallschirmspezialzuges 26 und hat zurzeit ausschließlich Männer in seiner Teileinheit. Dies ist der physisch anspruchsvollen Ausbildung geschuldet, die bei den spezialisierten Kräften des Heeres gleich ist. Die Luftlandebrigade 1 hat mit ihren beiden Fallschirmspezialzügen sowie vier besonders ausgebildeten Fallschirmjägerkompanien den Auftrag zur Durchführung von Personnel Recovery in Nordafghanistan für ein Jahr übernommen. Dadurch ist im ständigen Wechsel die Rückführungsmethode Combat Recovery (CR) im Rahmen des Gesamtsystems Personnel Recovery im TAAC-N sichergestellt. Für Notlagen oder Fälle sogenannter Isolierung steht somit ein kampfkräftiges und durchsetzungsstarkes Team zur Rettung und Rückführung von Personal und Material bereit, und das rund um die Uhr.

Moderne Schutzengel sind Kämpfer, Retter und Spezialisten

Zwei Transporthubschrauber CH 53 GS können das Extraction Team zum Einsatzort transportieren
Zwei Transporthubschrauber CH 53 GS können das Extraction Team zum Einsatzort transportieren (Quelle: Bundeswehr/FschSpezZg 26)Größere Abbildung anzeigen

Angehörige der spezialisierten Kräfte des Heeres sind ausgebildet und befähigt, als Vorauskräfte mehrere Tage kampfkräftig auf sich allein gestellt, zu agieren. Gerade dies prädestiniert diese Kräfte dafür, im Verantwortungsbereich des TAAC-N Personnel Recovery Aufgaben als Rettungskräfte zu übernehmen. Bei einer Alarmierung werden die Männer entweder mit zwei Transporthubschraubern CH 53 GS oder mit geschützten Transportfahrzeugen als Rückführungsfahrzeug (Recovery Vehicle) zum Einsatzort transportiert.

Professionell ausgebildet können die CFR B des Extraction Teams eine Erstversorgung am Verwundeten vor Ort und während der Rückführung bis zur Übergabe an qualifiziertes Sanitätspersonal gewährleisten
Professionell ausgebildet können die CFR B des Extraction Teams eine Erstversorgung am Verwundeten vor Ort und während der Rückführung bis zur Übergabe an qualifiziertes Sanitätspersonal gewährleisten (Quelle: Bundeswehr/TAAC-N PAO)Größere Abbildung anzeigen

Und so stellt sich der regelmäßige Ablauf der Rettungsaktion dar: Die zu rettenden und zurückzuführenden Personen werden am Aufnahmepunkt lokalisiert, identifiziert, durch das Extraction Team aufgenommen und gemeinsam auf dem Recovery Vehicle zu den eigenen Kräften zurückgeführt. Zwei Angehörige des Teams können die Erstversorgung an Verwundeten eigenständig übernehmen. Ihre Qualifikation ist die eines so bezeichneten Combat First Responders B. Für die notfallmedizinische Versorgung kann das Team zur Unterstützung um einen Sanitätstrupp ergänzt werden.

Weitere Spezialisten, zum Beispiel zur Beseitigung von Sprengfallen, auch unterstützt durch Sprengstoffspürhunde, können ebenfalls das Team je nach Gefährdungslage als Unterstützungskräfte ergänzen.

Auf die schwer bepackten Retter ist Verlass

Ein Erinnerungsfoto des Extraction Teams im Norden Afghanistans
Ein Erinnerungsfoto des Extraction Teams im Norden Afghanistans (Quelle: Bundeswehr/FschSpezZg 26)Größere Abbildung anzeigen

Ein Team nimmt, abhängig vom Auftrag, 200 – 300 kg an Kampfbeladung mit. Somit hat jedes Teammitglied etwa 50 Kilogramm an zusätzlicher Ausrüstung dabei, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Für alle Angehörigen des TAAC-N , aber auch für die Mitglieder der internationalen Hilfsorganisationen ist es beruhigend zu wissen, dass Hauptfeldwebel Dirk J. und seine Männer im Bedarfsfall in kurzer Zeit vor Ort sein werden.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: PAO TAAC-North


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