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Ich bin iM EINsatz: „Kommunikation ist nicht alles, aber ohne sie ist alles nichts“

Prizren, 29.07.2014.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In den Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Hptm Matthias D. an seinem Arbeitsplatz.
Hptm Matthias D. an seinem Arbeitsplatz. (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Hauptmann der Reserve Matthias D., 42 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern.
Das ist mein zweiter KFOR-Einsatz. In Deutschland arbeite ich als Terminologe beim Bundessprachenamt in Hürth. Dort besteht meine Tätigkeit vorrangig darin, für einzelne Wörter die inhaltliche passende Entsprechung in der englischen beziehungsweise deutschen Sprache zu finden. Die Arbeit eines Terminologen ist mit einer recht hohen Verantwortung verbunden, da die Übersetzer meine Ergebnisse für ihre Arbeit verwenden. Eine nachlässige Recherche meinerseits kann damit letztlich zu unverständlichen oder falschen Übersetzungen führen. Terminologen sind darüber hinaus als Berater in den Terminologieausschüssen der Bundeswehr tätig. Dort wird militärische Fachsprache mit dem Ziel standardisiert, ein bundeswehrgemeinsames Verständnis von Fachwörtern und Begriffen zu erreichen.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Hptm Matthias D. bei einer Besprechung mit seiner Mitarbeiterin und seinen Sprachmittlern.
Hptm Matthias D. bei einer Besprechung mit seiner Mitarbeiterin und seinen Sprachmittlern. (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Seit Anfang Mai bin ich der Leiter des Sprachendienstes beim deutschen Einsatzkontingent KFOR in Prizren. Sieben Sprachmittler, die als Ortskräfte angestellt sind, werden von mir und Frau Obergefreiter Caroline N. geführt. Wir, der Sprachendienst, bieten schriftliche Übersetzungsleistungen und mündliche Dolmetschleistungen in den Sprachen Deutsch, Englisch, Albanisch, Serbisch und Türkisch an. Hier im Einsatz bin ich als Leiter des Sprachendienstes für die Sprachrichtungen Deutsch-Englisch und Englisch-Deutsch zuständig. Wieder übersetzen zu können ist für mich eine willkommen Abwechslung. Hinzu kommt, dass der Dienst im Einsatz sehr vielfältig ist. Ich finde es auch sehr gut, dass ich für die eigene Arbeit häufig eine unmittelbare Rückmeldung und manchmal sogar ein Dankeschön bekomme und die Auftraggeber persönlich kenne.

Für Frau Obergefreiter Caroline N. ist es der erste Auslandseinsatz. Sie ist hier für die Organisation und Terminplanung der Übersetzungs- und Dolmetschaufträge verantwortlich, wodurch ich von diesen Aufgaben entlastet werde. Denn meine eigentliche Aufgabe ist das Übersetzen und Besprechungsdolmetschen. Die Sprachmittler-Ortskräfte wirken hier als Vermittler, Sprachrohr und – durch ihre Kenntnisse der kulturellen Besonderheiten – auch als Berater der Soldaten des 38. Deutschen Einsatzkontingents KFOR.

Ich sage immer: Kommunikation ist nicht alles, aber ohne sie ist alles nichts. Und für die Kommunikation über Sprachbarrieren hinweg sind Sprachmittler unverzichtbar. Dies gilt auch für die Auslandseinsätze der Bundeswehr und damit natürlich ebenfalls für den KFOR-Einsatz.

Alle Ortskräfte des Sprachendienstes sind schon seit vielen Jahren für das deutsche Einsatzkontingent als Sprachmittler tätig. Sie verfügen somit neben ihrer Sprachkompetenz auch über die notwendige Routine und Professionalität im Umgang mit den im Feldlager „beheimateten“ Soldaten. Darüber hinaus ist ihr kulturelles Hintergrundwissen von großer Bedeutung. Denn interkulturelle Kompetenz ist auch eine wichtige Eigenschaft, die beispielsweise zur Erfüllung eines unserer Aufträge, der Schaffung eines friedlichen Umfelds im Kosovo, dient. Die Anzahl der übersetzten Seiten pro Kontingent bewegt sich im oberen dreistelligen Bereich. Hinzu kommen noch Dolmetschleistungen, die sich ebenfalls im dreistelligen Stundenbereich bewegen. Neben den beiden Kernaufgaben – Übersetzen und Dolmetschen – bietet der Sprachendienst eine Medienauswertung der großen kosovarischen und serbischen Online- und Printmedien an. Diese Auswertung wird allen Soldaten im Kontingent zur Verfügung gestellt.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Hptm Matthias D. im Gespräch mit einem Sprachmittler.
Hptm Matthias D. im Gespräch mit einem Sprachmittler. (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Der Sprachendienst hat seine Arbeitsplätze immer in der Nähe der Kontingentführung, da die Aufträge vorrangig von dort kommen. Grundsätzlich stehen die Türen des Sprachendienstes jedoch allen Soldaten offen. Darüber hinaus werden auch die in Prizren stationierten österreichischen, schweizerischen und türkischen Kameraden sprachmittlerisch unterstützt. Das Spektrum der Übersetzungen ist sehr weit gefasst. Hier liegt auch die besondere Herausforderung, da jedes Sachgebiet seinen eigenen Fachwortschatz und seine eigene Art der Formulierung hat.
Innerhalb kurzer Zeit muss der Sprachmittler in der Lage sein, von einem Sachgebiet ins nächste zu wechseln, beispielsweise von der Übersetzung eines Vertrages über ein Umweltgutachten bis hin zu einem Befehl. Das bedeutet, dass ich die zu übersetzenden Themenbereiche kennen muss. Dadurch ist die Tätigkeit hier im Einsatz sehr vielseitig und interessant. Zur Vielseitigkeit trägt auch bei, dass ich im Einsatz eben nicht nur übersetze, sondern auch als Besprechungsdolmetscher eingebunden bin, bei Terminabsprachen unterstütze und einen Einblick in die Personalführung bekomme.

Das vermisse ich hier am meisten.

Hptm Matthias D. beim Skypen mit seiner Familie.
Hptm Matthias D. beim Skypen mit seiner Familie. (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Meine Familie natürlich. Unsere kleine Tochter ist gerade drei Jahre alt geworden, und sie vermisst ihren Papa schon sehr. Mein großer Sohn kommt da schon besser klar. Meine Frau managt aber alles ganz bravourös. Zum Glück wird sie auch sehr gut von gemeinsamen Freunden unterstützt. Da die Kommunikation via Internet sehr gut funktioniert, kann ich zumindest ein paar Minuten am Tag fast unmittelbar am Familienleben teilnehmen. Mittlerweile kann meine Tochter das Tablet und Skype auch schon alleine bedienen.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Am Ende meines Einsatzes möchte ich gern sagen können, dass ich meine Aufgaben mit vollem Elan erfüllt habe. Die Erfahrungen aus dem Einsatz kommen mir sicherlich auch bei meiner Tätigkeit im Bundessprachenamt zugute. Etwas zu begreifen ist nun einmal einfacher, wenn man unmittelbar mit den Dingen und Aufgaben in Berührung kommt und sich nicht nur aus der Ferne theoretisch mit ihnen befasst.

Grüße gehen an meine Ehefrau, auf die ich sehr stolz bin, die „Kleine“ und den „Großen“, meine Familie, die Kollegen und an die Menschen, die meine Frau so gut unterstützen.


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Stand vom: 08.01.18 | Autor: Matthias D.


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