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Drei Seefahrer ohne Kontrabass

In See, 19.07.2017.

Musik an Bord: Da denkt man an Klänge des Marinemusikkorps an der Pier oder an Shanties auf dem Oberdeck auf See – aber Rock und harte Rhythmen? Doch genau das gibt es. An Bord der Fregatte „Brandenburg“, dem Schiff mit dem Emblem des roten Adlers, rockt und rollt jeder auf seine Art, greift in die Saiten seiner Gitarre oder – wie der Kommandant – auch in die Tasten des Bord-Keyboards.

Nach alter Marinetradition wird die Besatzung morgens mit einem Pfeifen und einem Ruf geweckt

Nach alter Marinetradition wird die Besatzung morgens mit einem Pfeifen und einem Ruf geweckt (Quelle: Bundeswehr/PAO Fregatte „Brandenburg“)Größere Abbildung anzeigen

Das erste Geräusch, das früh am Morgen auf See in die Ohren dringt, ist ein helles Pfeifen. Ein schriller Ton aus einer Bootsmannsmaatenpfeife, der über die Lautsprecher in die Schlafräume kommt. Erst leise, ein bisschen wie das Rauschen der Wellen oder das Pfeifen des Windes, dann schriller und immer lauter. So ist es bis heute Tradition auf vielen Booten und Schiffen der Deutschen Marine. Und es ist stets eine ganz besondere Melodie, mit der der Brückenmaat da die Besatzung weckt. Heute macht das Peter D. „Ahhh rise, rise, aufsteh´ n“, endet auch sein Weckruf, wie immer und wie alle Weckrufe. Weil doppelt genäht aber besser hält, gibt es gleich im Anschluss aber auch noch einen musikalischen Weckruf vom Band auf die Ohren: Einen so genannten Wake Up Song, dessen Auswahl die Besatzung reihum trifft, und bei dem sie gerne Songwünsche äußern darf.

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Mucke in der Mittagspause

Im Flaggenspind bewahrt Bootsmann Johannes K. seine Gitarre auf

Im Flaggenspind bewahrt Bootsmann Johannes K. seine Gitarre auf (Quelle: Bundeswehr/PAO Fregatte „Brandenburg“)Größere Abbildung anzeigen

Die Ersten haben schon gegessen, da geht das Schott zur Brücke auf und ein freundlicher junger Portepeeunteroffizier erscheint. Auch er hat jetzt Musik im Kopf. Er grüßt kurz die Kameraden und geht direkt zum Flaggenschrank. Hier, sicher vor Seegang und Feuchtigkeit gelagert, befindet sich seine Akustikgitarre. „Dieses gute Stück habe ich mir spontan auf der letzten Seefahrt in Südengland gekauft. Mein Wunsch, auch an Bord Gitarre zu spielen war einfach zu groß“, schwärmt Bootsmann Johannes K. während er sie auspackt. Zu Hause hat er auch eine E-Gitarre. Beigebracht hat er sich das Spielen selbst: „Mit 14 Jahren habe ich zur Konfirmation von meinen Geschwistern ganz überraschend eine Gitarre geschenkt bekommen, seitdem kann ich meine Finger nicht mehr von den Saiten lassen.“

Hier an Bord der Fregatte „Brandenburg“ ist Bootsmann Johannes K. der Signalmeister und gewährleistet die taktische Kommunikation zu anderen Schiffen über Sprechfunk, Licht- und Flaggensignale. In der Freizeit liebt er es, seine Kreativität mit Musik auszuleben und seine Kameraden an Bord lieben es, ihm zuzuhören. Ein bisschen chillen, ein bisschen träumen in der Pause. Das zieht sie an.

Energie auftanken in der Mittagspause

Energie auftanken in der Mittagspause (Quelle: Bundeswehr/PAO Fregatte „Brandenburg“)Größere Abbildung anzeigen

Wenn der Dienst es erlaubt und dann auch noch die Sonne scheint, greift Johannes K. am liebsten an Oberdeck in die Saiten, genießt den weiten Blick über die See und die frische Luft. Dann setzen sich schon Kameraden dazu und genießen die kleine Auszeit.

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Das Keyboard zum Gottesdienst

Musikalische Untermalung zum Gottesdienst: Auch der Kommandant Fregattenkapitän Christian Scherrer hat ein Händchen für das Keyboard

Musikalische Untermalung zum Gottesdienst: Auch der Kommandant Fregattenkapitän Christian Scherrer hat ein Händchen für das Keyboard (Quelle: Bundeswehr/PAO Fregatte „Brandenburg“)Größere Abbildung anzeigen

Und Johannes K. ist nicht der einzige Musiker an Bord. Auch der Kommandant der Fregatte „Brandenburg“, Fregattenkapitän Christian Scherrer, ist musikalisch. Er begleitete schon mehrmals den Gottesdienst auf dem Keyboard. „Zu musizieren ist für mich einfach Balsam für die Seele“, verrät Fregattenkapitän Scherrer und fügt hinzu: „Deshalb bin ich der evangelischen Militärseelsorge auch sehr dankbar für die Bereitstellung eines Keyboards.“ Eine gute Idee, denn: „Musik kann Halt geben, ganz egal, wo man sich gerade befindet – selbst hier, oder vielleicht auch gerade hier auf engstem Raum weit weg von Familie und Zuhause.“ Sieben Wochen wird die Brandenburg noch als Teil der gleichnamigen NATO-Unterstützungsmission in der Ägäis bleiben und bei der Seeraumüberwachung unterstützen.

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Ohne Gitarre geht es nicht

Trotz beengtem Raum und wenig Privatsphäre – etwas Zeit für sich selbst erleben

Trotz beengtem Raum und wenig Privatsphäre – etwas Zeit für sich selbst erleben (Quelle: Bundeswehr/PAO Fregatte „Brandenburg“)Größere Abbildung anzeigen

Das scheint auch den Nerv von Navigationsgast Maximilian B. zu treffen. (Bezeichnung für Mannschaftsdienstgrade in ihrer Fachverwendung). Er stört sich nicht an dem begrenzten Platz an Bord und spielt gerne unter Deck. Seine Bordgitarre stammt aus einem klassischen Musikgeschäft in einem griechischen Hafen und daheim hat er sogar sechs weitere Instrumente.

Hauptgefreiter Maximilian B. an seinem Arbeitsplatz

Hauptgefreiter Maximilian B. an seinem Arbeitsplatz (Quelle: Bundeswehr/PAO Fregatte „Brandenburg“)Größere Abbildung anzeigen

Maximilian B. lächelt und berichtet: „Alles begann mit meiner ersten Gitarre, die ich an Weihnachten 2011 von meinen Eltern geschenkt bekommen habe. In der Schulzeit habe ich dann auch Bassgitarre in einer Band gespielt.“ Er streicht sich das rote Haar aus dem Gesicht und fährt fort: „Ich brauche die Musik einfach. Sie kann sogar das Heimweh lindern.“

Für gewöhnlich trifft man ihn nach dem Tagesdienst an Oberdeck, wenn er zum Abschalten verträumt auf seiner Holzgitarre sein aktuelles Lieblingslied spielt.

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Stand vom: 20.07.17 | Autor: Dahlmann


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