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Ich bin iM EINsatz: Die Frau der genauen Zahlen

Prizren, 14.01.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Oberleutnant Kathrin W. hat bei KFOR gleich zwei Funktionen inne – in Deutschland ist sie Beamte in der Bundeswehrverwaltung
Oberleutnant Kathrin W. hat bei KFOR gleich zwei Funktionen inne – in Deutschland ist sie Beamte in der Bundeswehrverwaltung (Quelle: Bundeswehr/Dritan Hoti)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Oberleutnant Kathrin W., und 28 Jahre jung. Zurzeit bin ich bei KFOR in Prizren in meinem ersten Auslandseinsatz. In Deutschland arbeite ich seit knapp zwei Jahren als Beamtin im Bundeswehr-Dienstleistungszentrum (BwDLZ) Bonn, wo ich im kaufmännischen und infrastrukturellen Facility Management tätig bin.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Seit September bin ich als Sachbearbeiterin für die multinationale Abrechnung und Schadensbearbeitung beim deutschen Einsatzkontingent KFOR in Prizren eingesetzt.
Beide Aufgaben waren vorher auf zwei Soldaten verteilt und wurden kürzlich zusammengelegt. Das ist eine Herausforderung und eine ziemliche Doppelbelastung für mich – nicht nur weil dies mein erster Einsatz ist. Beide Dienstposten gibt es auch so in Deutschland nicht, sie existieren nur im Auslandseinsatz.

Als Grundsatz gilt dabei: Alle Leistungen, die für andere Nationen oder Dritte erbracht oder von ihnen geleistet werden, werden abgerechnet und erstattet. Dazu zählen unter anderem Wäschereileistungen, Transportunterstützung, Unterkünfte, die Verpflegung, Internet- und Telekommunikationsdienstleistungen und so weiter.

Die korrekte Abrechnung von Leistungen für Dritte gehört zu ihren Aufgaben in Prizren
Die korrekte Abrechnung von Leistungen für Dritte gehört zu ihren Aufgaben in Prizren (Quelle: Bundeswehr/Dritan Hoti)Größere Abbildung anzeigen

Voraussetzung für eine ordnungsgemäße Abrechnung ist das Vorliegen der zahlungsbegründenden Unterlagen, die vollständig und rechtzeitig vorliegen müssen. Das klappt leider nicht immer so gut. Ich muss den Unterlagen schon ab und an hinterherlaufen. Sobald alle Unterlagen und Belege vorliegen, werden die Rechnungen geschrieben und ausgehändigt.

In der Funktion des Schadensoffiziers bearbeite ich Schäden, die sich im gesamten Kosovo ereignen können. Darunter fallen alle Vermögensschäden, Sachschäden, der Verlust dienstlicher oder privater Bekleidung und vieles mehr. Die Hauptaufgabe liegt jedoch in der Bearbeitung von Verkehrsunfällen. Das nimmt viel Zeit in Anspruch und kann oft in vier Monaten Einsatzzeit gar nicht abschließend bearbeitet werden. So bleiben oft Altfälle für den Nachfolger auf dem Dienstposten.

Als Schadensoffizier führt sie die Untersuchungen zum Beispiel bei Kfz-Unfällen zusammen
Als Schadensoffizier führt sie die Untersuchungen zum Beispiel bei Kfz-Unfällen zusammen (Quelle: Bundeswehr/Dritan Hoti)Größere Abbildung anzeigen

Einer meiner Vorgänger verglich den Schadensoffizier mal mit dem Gutachter einer Versicherung. Man prüft die Umstände eines jeden Schadens: Wie kam es dazu? Wer war beteiligt? Wer trägt die Schuld? Zur Aufklärung sind viele Gespräche mit den Schirrmeistern, den Feldjägern, dem Technischen Offizier, dem Instandsetzungsoffizier, dem Bundeswehr-Fuhrparkservice, den Vorgesetzten der Soldaten, den Versicherungen sowie mit Behörden und der Kosovo Police nötig.
Erst danach kann es zur Abwicklung der Schadensersatzforderungen kommen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Das Interessante an meiner Tätigkeit ist vor allem die Vielfalt der Aufgaben und das Arbeiten in einem internationalen Umfeld. Es ist etwas Besonderes, durch die Abrechnung mit den anderen Nationen die Arbeitsweisen der Ungarn, Italiener, Amerikaner, Dänen, Luxemburger, Schweden, Ukrainer, Slowenen kennenzulernen. Eine Erfahrung, die mir sehr viel gebracht hat.

Das Besondere ist auch, dass ich hier im Einsatz Soldatin bin. In Deutschland bin ich Beamtin und trage keine Uniform. Ausgehend von meiner Ausbildung und meiner Tätigkeit im Inland wurde mir für die Dauer des Einsatzes der Dienstgrad Oberleutnant verliehen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Viele Kameraden schreiben an dieser Stelle, dass Sie Ihre Familie, Freunde und vor allem den Partner und die Kinder vermissen. Ich habe das große Glück, meinen Einsatz zusammen mit meinem Lebensgefährten verbringen zu dürfen. Das macht den Einsatz und die einhergehenden Entbehrungen sehr viel einfacher und ist für uns als Paar ebenfalls ein prägendes Erlebnis. Trotzdem fehlte mir natürlich gerade zu Weihnachten auch die Familie.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Gerne möchte ich noch die verbleibende Zeit so gut wie möglich zu Ende bringen und meinem Nachfolger so wenig Altlasten wie möglich zurücklassen. Ich bereue es trotz der Auslastung nicht, dass ich diesen Schritt gewagt habe, denn der Einsatz hat schon jetzt meine Sicht auf viele Dinge sehr verändert.
Für mich heißt es nach dem Einsatz, meine Uniform wieder gegen zivile Kleidung zu tauschen und meine Arbeit im Büro wieder aufzunehmen.
Ich freue mich sehr, dass ich einen Einblick in die Truppe erhalten habe, Teil dieser Truppe war und bin und so auch die „andere Seite“ der Bundeswehr erleben durfte. Dennoch freue auch ich mich nun schon sehr darauf, bald wieder zu Hause zu sein und alle meine Freunde und vor allem meine Familie wieder zu sehen. Zum Schluss grüße ich noch alle Kameraden, die zurzeit im Einsatz sind. Ich wünsche Euch viel Gesundheit und ein gutes 2016.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Kathrin W.


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