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Ich bin iM EINsatz: Der „Löwe“ von Mali

Koulikoro, 22.05.2015.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Oberfeldwebel Fabian H.
Oberfeldwebel Fabian H. (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali )Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Oberfeldwebel Fabian H. und 30 Jahre alt. 2004 bin ich nach dem Abitur als Grundwehrdienstleistender in die Bundeswehr eingetreten. Mittlerweile diene ich in der Abteilung militärische Ausbildungsunterstützung im Stab der Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall. Unserer Aufgabe ist es, Streitkräfte befreundeter und verbündeter Nationen auszubilden, wie zum Beispiel hier in Mali.

Dieser Einsatz in Mali ist für mich die dritte Verwendung im Ausland. Zwischen 2011 und 2012 war ich bei ISAF in Afghanistan. 2014 gehörte ich dem Ausbildungsunterstützungsverband für die Mongolei an. Hier habe ich zusammen mit weiteren Angehörigen meiner Abteilung Angehörige des mongolischen Heeres für deren Einsatz in Afghanistan trainiert.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Auftrag: Erst- und Wiederholungsausbildung der malischen Soldaten
Auftrag: Erst- und Wiederholungsausbildung der malischen Soldaten (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali )Größere Abbildung anzeigen

Seit März 2015 gehöre ich der 1. Kompanie des Infanterieausbildungskommandos bei der EUTM Mali an. Unser Auftrag ist die Ausbildung neu aufgestellter malischer Gefechtsverbände sowie die Wiederholungsausbildung bereits trainierter Soldaten. Sie alle sollen zur Stabilisierung der Lage im Norden Malis eingesetzt werden können.

Neben den deutschen Soldaten sind in unserer Kompanie spanische, tschechische und luxemburgische Soldaten eingesetzt. Den anderen beiden Infanteriekompanien unseres Ausbildungskommandos gehören Soldaten aus Großbritannien, Irland, Schweden, Finnland, Estland und Lettland an. Insgesamt sind Soldaten aus über 26 Nationen hier in Mali im Einsatz.

Die Zusammenarbeit und der Austausch mit den anderen Nationen sind besonders wichtig. Arbeitssprache in der Ausbildungsvorbereitung ist vorrangig Englisch. In der Zusammenarbeit mit den malischen Soldaten ist es für mich beispielsweise von Vorteil, dass ich Französisch spreche.

Gerade die multinationale Zusammenarbeit bereitet hier unglaublich viel Freude. Jeden Tag lernt man nicht nur die malischen Soldaten besser kennen. Auch die europäischen Nachbarn werden von Kameraden zu Freunden. Das ist eine persönliche Bereicherung für jeden Angehörigen des Ausbildungskommandos.

Wenn auch die Kommunikation aufgrund der unterschiedlichen Sprachen und Mentalitäten manchmal herausfordernd sein mag, so sind es doch gerade die Erlebnisse im Team, die den Dienst hier so spannend und interessant machen.

Die Praxis kann kein theoretischer Unterricht ersetzen
Die Praxis kann kein theoretischer Unterricht ersetzen (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali )Größere Abbildung anzeigen

Unser Ausbildungstag beginnt in der Regel um 07.00 Uhr mit der Verlegung der Ausbilder in die malische Kaserne. Dort folgen dann ein tägliches Antreten des gesamten Gefechtsverbandes und anschließend die Übernahme der malischen Kompanien durch die jeweiligen Ausbilder.

Zwei Mal die Woche starten wir den Ausbildungstag mit einer zweistündigen Sporteinheit. An den anderen Tagen beginnen wir direkt mit der Ausbildung. Diese gliedert sich meist in einen kurzen Unterricht oder eine Einweisung am Geländesandkasten. Danach starten wir direkt mit der praktischen Ausbildung.

Während der Schießausbildung
Während der Schießausbildung (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali)Größere Abbildung anzeigen

Sie umfasst alle Facetten des Gefechtsdienstes, von der Patrouille in bebauten Gebieten über das Errichten und Betreiben eines temporären Checkpoints bis hin zum Eigenschutz gegen improvisierte Sprengfallen (IEDs) oder auch Schießausbildung. Der Schwerpunkt in der Ausbildungsgestaltung liegt hier deutlich bei der Praxis. Sie wird von unseren malischen Kameraden wesentlich besser angenommen als theoretische Unterrichte in stickigen Unterrichtsräumen.

Unwägbarkeiten wie die unvorhersehbare Tagesdienststärke der Malier und die Knappheit von Ausbildungsmaterial erfordern wesentlich mehr Flexibilität von uns Ausbildern als in Deutschland. Hier sind Improvisationstalent und Kreativität gefragt. Doch gerade das macht den Reiz des Auftrages hier aus.

Fabian H.: “Freue mich über die Fortschritte”
Fabian H.: “Freue mich über die Fortschritte” (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali)Größere Abbildung anzeigen

Wenn nach einem langen und heißen Tag mit Gefechts- und Geländedienst die malischen Soldaten einen Ausbildungsabschnitt erfolgreich abschließen und das Erlernte gut und sicher anwenden, ist das sehr zufriedenstellend und unglaublich belohnend. Auch wenn mancher Ausbildungsabschnitt zwei oder dreimal wiederholt werden muss, freue ich mich sehr über die deutlichen Fortschritte, die sie in der Ausbildung gemacht haben.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Das Besondere an der Verwendung ist der multinationale Charakter der Mission. Wir leben hier im Lager mit Soldaten aus über 26 Nationen zusammen. Somit wird nicht nur das Englische ständig gefordert. Man könnte sich in nahezu jeder Sprache Europas unterhalten, vorausgesetzt man versteht sie auch.

Außerhalb des Lagers ist es unbeschreiblich, wieviel Sympathie uns von der Bevölkerung entgegen gebracht wird. Kinder stehen am Wegesrand und winken, Männer bedanken sich und nahezu jeder hat einen freundlichen Gruß für uns übrig.

Oberfeldwebel H. trägt jetzt den Ehrennamen “Waraba” – Löwe
Oberfeldwebel H. trägt jetzt den Ehrennamen “Waraba” – Löwe (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali )Größere Abbildung anzeigen

Eine kleine Anekdote hat mich besonders bewegt und ist mir im Gedächtnis geblieben: Nach einer besonders anstrengenden Ausbildung kam meine malische Gruppe auf mich zu und teilte mir mit, dass mein neuer Name nun „Waraba“ sei. Auf meine Nachfrage erklärten sie mir, dass jeder Soldat in Mali einen Kriegernamen erhält. Und meiner sei eben nun „Waraba“, was auf Bambara, einer der Verkehrssprachen in Mali, „Löwe“ bedeutet.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich hier natürlich meine Freundin sowie meine Familie und Freunde in München und anderswo. Außerdem freue ich mich auf eine ausgedehnte Tour in den bayrischen Alpen mit einer anschließenden, deftigen bayrischen Brotzeit, sowie auf einen Spaziergang durch meine Heimatstadt München.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Mein größter Wunsch für diesen Einsatz ist, dass alle Soldaten der EUTM Mali gesund und glücklich zu ihren Familien heimkehren.

Für die malischen Soldaten wünsche ich mir, dass sie dank unserer Ausbildung im Kampf bestehen, gesund aus ihren Einsätzen zurückkehren und so zur Stabilisierung ihres Landes und der Region einen wichtigen Beitrag leisten.

Ich persönlich hoffe, nach dem Einsatz in die Laufbahn der Offiziere des militärischen Fachdienstes übernommen zu werden. Sollte dies nicht klappen, setze ich auf einen erfolgreichen Abschluss meines Wirtschaftsingenieursstudiums an der Universität der Bundeswehr in München.

Grüßen möchte ich vor allem meine Lebensgefährtin sowie meine Familie. Des Weiteren auch meine Freunde sowie alle Kameraden der Gebirgsjägerbrigade 23 „Bayern“ und meiner ehemaligen Einheit in Murnau.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Fabian H.


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