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Ich bin iM EINsatz: Immer auf der richtigen (Funk-)Welle

In See, 01.02.2017.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Oberbootsmann Jens D. (r.) auf der Brücke der Fregatte „Sachsen“ – er ist dritter Funkmeister
Oberbootsmann Jens D. (r.) auf der Brücke der Fregatte „Sachsen“ – er ist dritter Funkmeister (Quelle: Bundeswehr/Sönke Struhalla)Größere Abbildung anzeigen

Ich heiße Jens D., ich bin Oberbootsmann an Bord der Fregatte „Sachsen“ und 25 Jahre alt. Ich komme aus einer kleinen Stadt in Ostfriesland an der Nordseeküste. Seit dem 1. Januar 2016 gehöre ich der Besatzung der „Sachsen“ an. Dabei bin ich als dritter Funkmeister an Bord eingesetzt. Für mich ist unser Einsatz in der Ägäis meine erste längere Fahrt. Unsere Fregatte ist das Flaggschiff der Standing NATO Maritime Group 2, die die ständige Einsatzreserve der NATO im Mittelmeer bildet. Wir patrouillieren in den Gewässern zwischen Griechenland und der Türkei, um die Behörden beider Länder bei ihrem Vorgehen gegen Schleuser zu unterstützen.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Die Kommunikation nach außen muss sichergestellt werden. Der Dritte Funkmeister und sein Team sorgen dafür
Die Kommunikation nach außen muss sichergestellt werden. Der Dritte Funkmeister und sein Team sorgen dafür (Quelle: Bundeswehr/Sönke Struhalla)Größere Abbildung anzeigen

Als Funkmeister sind meine Aufgabenfelder sehr vielfältig. Zu meinen Hauptaufgaben gehört die Leitung der Funkwache. Die meisten denken, das geschehe nur über Sprechfunk. Weit gefehlt. Ein solches Kriegsschiff hat Verbindungen über Emails, über Fernschreiben, Chats, Telefone, Sprechfunk – alles auf eigenen Frequenzen und mit Verschlüsselungsgeräten. Dazu müssen mein Team und ich stets die passenden Verbindungen an die Operationszentrale zur Verfügung stellen. Im Funkraum sind wir ein kleines, aber eingeschworenes Team von sechs Soldaten. Wir wechseln unsere Seewachen alle vier bis sechs Stunden.
Als Vorgesetzter macht mir dabei am meisten der Kontakt zu den mir anvertrauten Soldaten Spaß. Auf so einer langen Seefahrt lernt man die Menschen sehr gut kennen und aus Kameraden werden oft Freunde. Jeden Tag werde ich vor neue Herausforderungen gestellt und lerne immer etwas Neues hinzu. So werde ich von Tag zu Tag ein besserer Funkmeister.

Als Inhaber eines Funksicherheitszeugnisses sorge ich dafür, dass im Notfall die Seenotfunkgeräte (Walkie-Talkies, Seenotrettungsbojen, Radartransponder) korrekt bedient werden und wir schnell Hilfe bekommen. Um zu verhindern, dass wichtige oder sensible Informationen an unbefugte Dritte gelangen, verwalte ich das Verschlüsselungssystem des Schiffs und stelle dabei sicher, dass wir immer über sichere Leitungen verfügen.

Als „Fendermeister“ bei der Arbeit
Als „Fendermeister“ bei der Arbeit (Quelle: Bundeswehr/Sönke Struhalla)Größere Abbildung anzeigen

Es gibt – wie bei fast allen an Bord – auch für mich Nebenaufgaben. Beim Anlegen und Ablegen bin ich „Fendermeister“, und trage dafür Sorge, dass die Fender, also die dicken, mit Luft gefüllten Gummibojen, die das Schiff vor Schäden schützen sollen, immer an den richtigen Stellen der Außenwand hängen. Gleichzeitig müssen alle Soldaten auf ihren Stationen immer die Sicherheitsvorschriften einhalten. So verhindern wir, dass unser Schiff Dellen oder Kratzer davonträgt oder einem Soldaten etwas passiert. Auf einem solchen Kriegsschiff ist richtig Masse unterwegs, die Arbeit an Oberdeck birgt immer gewisse Gefahren.

Wann immer es möglich ist, bilde ich meine Kameraden aus und steigere so ihr Können und Fachwissen im Funkraum. Da wir momentan einen internationalen Stab unter der Führung eines deutschen Admirals bei uns an Bord haben, gibt es auch außerhalb der Funkwache immer genug zu tun. Der Stab des Admirals muss ständig Verbindung mit dem Marinehauptquartier der NATO in Northwood (Großbritannien), mit dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr und mit den anderen Schiffen des Verbandes halten.

Um den Kameraden an Bord den Kontakt nach Hause zu erleichtern, haben wir Satellitentelefone an Bord. Jedem Besatzungsmitglied stehen täglich 20 Minuten Telefonzeit mit Familie und Freunden in der Heimat zu. Die Verwaltung und die Ausgabe der Telefone fallen in meine Zuständigkeit. Ich kümmere mich auch darum, dass die Zeitfenster zum Telefonieren gerecht verteilt werden.

Hier an Bord erlebe ich jeden Tag etwas Neues und kann – ganz nebenbei – die Welt erkunden. Wenn Sie mich fragen, ist dass der schönste Aspekt meines Berufs. Bereits nach einem Jahr an Bord der „Sachsen“ habe ich in meinem noch jungen Seefahrerleben schon 15 Auslandshäfen in Nord-, Ost-, und Südeuropa besucht. Jeder Hafen bietet die Möglichkeit, neue Menschen und ihre Kultur kennenzulernen. Das ist wirklich faszinierend. Ab und an genügt es aber auch, sich einfach nur in der Messe – unser „Wohnzimmer“ an Bord – mit den Kameraden zusammenzusetzen und mal abzuschalten.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Die Tätigkeit als Funkmeister empfinde ich schon als etwas Besonderes. Nach knapp fünf Jahren Ausbildung (dazu gehört die Ausbildung zum Bürokaufmann während der Dienstzeit) gehöre ich nun zu einer kleinen Gruppe von Fachleuten, die dafür sorgen, dass die gesamte Kommunikation an Bord sichergestellt ist.
Ich werde jeden Tag aufs Neue vor Herausforderungen gestellt, nie wird es langweilig. Zusammen mit den Kameraden anderer Nationen müssen wir für die unterschiedlichsten Probleme Lösungen erarbeiten – auch auf Englisch. Das kann fordernd sein, gibt einem aber ein gutes Gefühl, wenn man Probleme gemeinsam gelöst hat.

Ausgleich findet Jens D. beim Kraftsport im Fitnessraum
Ausgleich findet Jens D. beim Kraftsport im Fitnessraum (Quelle: Bundeswehr/Sönke Struhalla)Größere Abbildung anzeigen

In den nächsten Jahren möchte ich versuchen, in die Position des Ersten Funkmeisters an Bord der Fregatte „Sachsen“ aufzusteigen und die Leitung des Funkraums übernehmen. An erster Stelle steht für mich aber, die Ausbildung meiner Soldaten voranzutreiben und die erfolgreiche Arbeit weiter auszubauen.
Ich bin sehr gespannt darauf, was die nächsten Jahre noch alles bringen werden.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich natürlich meine Familie und meine Freunde. Es ist schon etwas Anderes, bei den Geburtstagen meiner Familienmitglieder oder bei Unternehmungen der Freunde nur mal kurz anzurufen, statt wie sonst mittendrin zu sein. Insgesamt muss ich aber sagen, ist die Zeit an Bord mit den Kameraden sehr kurzweilig. Das Schiff ist mittlerweile so etwas wie mein zweites Zuhause – und die Kameraden sind wie eine zweite Familie.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich wünsche mir, dass es genauso weiter geht, wie bisher. Die Arbeit im Funkraum und untereinander funktioniert mittlerweile immer mehr wie ein Schweizer Uhrwerk. Das macht mich sehr stolz! Weiterhin hoffe ich, dass ich noch einige interessante Auslandshäfen in diesem Einsatz zu sehen bekomme.

Wenn ich wieder nach Hause komme, steht als nächstes großes Vorhaben der Bau meines Hauses an. Das passende Grundstück habe ich bereits erworben. Da kommt noch viel Arbeit auf mich zu. Aber die nehme ich gern in Kauf, wenn ich daran denke, dass ich bereits nächstes Jahr in den eigenen vier Wänden wohnen werde.
Natürlich freue ich mich auch darauf, im April wieder in Wilhelmshaven einzulaufen und nach über vier Monaten endlich meine Familie wiederzusehen. Und ganz besonders freue ich mich darauf, bei bestem Frühlingswetter mit meinen Freunden in der Nordsee Kitesurfen zu gehen.
Bis dahin hoffe ich auf eine weiterhin spannende, interessante und lehrreiche Zeit auf der „Sachsen“ und sende ganz liebe Grüße an alle aus der Ägäis.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Jens D.


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