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Ich bin iM EINsatz: Eine Berlinerin in Mali

Gao, 24.05.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Isabell L. ist in Gao als Sanitätsmaterialunteroffizier tätig
Isabell L. ist in Gao als Sanitätsmaterialunteroffizier tätig (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt MINUSMA)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Stabsunteroffizier Isabell L., 26 Jahre alt und in Gao als Sanitätsmaterialunteroffizier eingesetzt. Gemeinsam mit dem Kompaniefeldwebel bin ich dafür zuständig, dass im Hintergrund alles läuft. Ab und an bedeutet das auch, stundenlang am Computer gebunden zu sein, um Daten in Listen zu erfassen oder Listen zu sortieren. Hört sich kompliziert an, lässt sich aber damit erklären, dass ich meinen „Spieß“ bei der gesamten Organisation, Koordination und Betreuung des Sanitätspersonals unterstütze. Wir sind ein unschlagbares Team und haben immer für alle ein „offenes Ohr“. Dazu gehört auch, dass ich mal den Kaffee koche, damit mein Chef und der Spieß morgens gut in den Tag starten können.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Sie kümmert sich im Hintergrund darum, dass bei den Sanitätern alles „rund“ läuft
Sie kümmert sich im Hintergrund darum, dass bei den Sanitätern alles „rund“ läuft (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt MINUSMA)Größere Abbildung anzeigen

Ich erledige all die Kleinigkeiten, die man in einem Geschäftszimmer so macht: Mails checken und bearbeiten, Termine planen und überwachen, dafür sorgen, dass immer genug kühle Getränke (ohne Alkohol) für unser Team im Kühlschrank stehen. Ich bin sozusagen die rechte Hand vom Spieß der Sanitätseinsatzstaffel beim deutschen MINUSMA-Kontingent in Gao.

Ansonsten unterstütze ich einfach überall dort, wo ich gebraucht werde. Auch wenn ich nicht zum medizinischen Fachpersonal zähle, bin ich natürlich in den Grundlagen der sanitätsdienstlichen Arbeit ausgebildet. Würde es beispielsweise zum sogenannten „Mascal“, einem Massenanfall von Verwundeten kommen, dann übernehme ich die Betreuung der leichtverletzten Soldaten.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Nah dran: Isabell L. im Gespräch mit dem Truppenarzt
Nah dran: Isabell L. im Gespräch mit dem Truppenarzt (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt MINUSMA)Größere Abbildung anzeigen

Im Einsatz zu sein, ist immer etwas Besonderes. Hier in Gao ist mein Arbeitsplatz sehr speziell. Zu Beginn hatten wir kaum etwas und waren immer auf die Niederländer angewiesen. Das war – besonders beim Material – eine wirkliche Herausforderung. Mittlerweile haben wir unseren eigenen Bereich in der sogenannten „Role 1“. Die Ausstattung ist da, das hat vieles entspannt. Dennoch hocken wir eng aufeinander, überall staubt es und momentan machen uns Sandstürme zu schaffen. Dazu kommt das sehr spezielle Klima. Tag für Tag wird es schwüler und drückender, die Regenzeit rückt immer näher, das zerrt ganz schön an den Soldaten.

Dazu kommt eine gewisse Grundanspannung, denn wir sind ja permanent einsatzbereit. Jederzeit könnte es einen Notfall geben, selbst wenn ich beim Sport oder beim Essen bin, bin ich immer im Dienst. Besonders ist für mich auch, dass ich so eng mit unseren Ärzten und Sanitätern zusammenarbeite. Ihnen kann ich eigentlich immer über die Schulter schauen. Ich bin direkt dabei, kann überall reingucken und so sehr viel Input mitnehmen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ich vermisse meinen Hund, der abends gern mal mit ins Bett kriecht. Er fehlt mir und jetzt mit ihm zu kuscheln, das wäre wirklich schön. So ein bisschen vermisse ich auch den Standard, den man von zu Hause gewohnt ist. Einfach mal wieder barfuß duschen oder aufstehen, Kühlschrank auf, das nehmen, was man möchte, sich auf die Couch legen und gar nichts weiter tun. Oder Marmelade zum Frühstück, das wäre super.

Natürlich vermisse ich meine Liebsten, meine Familie, zu Hause. Und ich vermisse das Gefühl von Sicherheit, so wie man es von zu Hause kennt. Denn wäre es hier ausreichend sicher, würde nicht jeder von uns auch im Camp seine Pistole tragen müssen.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Sobald wie möglich möchte ich mich beruflich weiterentwickeln und meinen Antrag auf den Wechsel in die Laufbahn der Feldwebel einreichen. Zudem wünsche ich mir, dass ich in der verbleibenden Zeit hier noch mehr Erfahrungen sammeln kann. Und wenn ich nach Hause komme, dann wünsche ich mir ein Eis mit ganz viel Karamellsoße. Aber am Wichtigsten ist, dass wir alle heil und gesund wieder nach Hause kommen.

Privat fiebere ich einem neuen Tattoo entgegen. Ich hätte wahnsinnig gerne einen blau-roten Gymnastikball verewigt. Das verdanke ich unseren Militärpolizisten, mit denen ich hier immer zum Sport gehe. Danke dafür, besonders an Heidi. Und natürlich auch an „Mammut“ und an „Zid“ für die tolle Zusammenarbeit.

Ich grüße ganz lieb die „Leberwurscht Alisa“, Älex K. aus der Hansestadt, Cindy, die „Keule“, Dr. Arnold, meinen „Heimat-Spieß“ Thomas, der gerade bei Resolute Support in Afghanistan eingesetzt ist und natürlich gehen liebe Grüße an meinen Zug in der Mudderstadt.

Eine besondere Umarmung schicke ich an meine Eltern und Schwestern, Neffen und Nichten.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Isabell L.


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