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Einsatztagebuch Operation „Sophia“ (2): „Werra“ und „Datteln“ sind angekommen

In See, 05.07.2016.

Der Tender „Werra“ und das Minenjagdboot „Datteln“ haben kürzlich ihre Aufgaben im europäischen Marineverband bei der Operation „Sophia“ im Mittelmeer übernommen. Auftrag von EUNAVFOR MED: Vorgehen gegen die Aktivitäten von Schleusern auf der zentralen Mittelmeerroute von Nordafrika nach Europa.

28. Juni 2016

Ein Speedboot des Einsatzgruppenversorgers „Frankfurt am Main“ verfolgt ein Boot mutmaßlicher Schleuser – sie setzen sich in libysche Hoheitsgewässer ab

Ein Speedboot des Einsatzgruppenversorgers „Frankfurt am Main“ verfolgt ein Boot mutmaßlicher Schleuser – sie setzen sich in libysche Hoheitsgewässer ab (Quelle: Bundeswehr/Janine Pirrwitz)Größere Abbildung anzeigen

Die Gutwetterphase vor der libyschen Küste hält an. Allein zwischen Donnerstag, dem 23. Juni und Sonntag, dem 26. Juni wurden bei rund 50 Seenotrettungen mehr als 10.000 Migranten aus seeuntauglichen Schlauch- und Holzbooten gerettet. An den Aktionen waren auch Schiffe der Operation „Sophia“ beteiligt, auch der deutsche Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“, der mittlerweile seinen Einsatz beendet hat.

In ihrem gemeinsamen Bericht über Schleusernetzwerke vom 17. Mai 2016 gehen die Polizeibehörden EUROPOL und INTERPOL davon aus, dass Schleusernetzwerke mehr als 90 Prozent der Migranten bewegen, die in der EU ankommen. Schleuser und Schlepper, so die Schätzung, verdienten im vergangenen Jahr mit ihren kriminellen Aktivitäten zwischen fünf und sechs Milliarden Dollar. Millionen von Menschen, die wegen Instabilität oder Armut aus ihren Heimatländern fliehen sind ihren Netzwerken eine willkommene Gelegenheit. Sie beuten diese Menschen aus, profitieren von der Massenmigration, organisieren sich in losen und anpassungsfähigen Strukturen – stets bereit, ihre Routen und Vorgehensweisen anzupassen.

EUROPOL hat im Februar 2016 das „European Migrant Smuggling Centre (EMSC)“, im niederländischen Den Haag gegründet, um die EU-Mitgliedsstaaten bei der Bekämpfung der Schleuserei zu unterstützen. Die Aufklärungsergebnisse der Operation „Sophia“ werden über das Operationshauptquartier in Rom auch den europäischen Polizeibehörden zur Verfügung gestellt. Die Strafverfolgung selbst ist für den Marineverband nicht vorgesehen – sie ist Sache der Justiz und der Polizei.

Der Tender „Werra“ war bereits Teil des Einsatzes im Mittelmeer. Das Tarnnetz über dem Flugdeck soll aufgenommenen Personen Schutz vor Wind und Sonne spenden.

Der Tender „Werra“ war bereits Teil des Einsatzes im Mittelmeer. Das Tarnnetz über dem Flugdeck soll aufgenommenen Personen Schutz vor Wind und Sonne spenden. (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED )Größere Abbildung anzeigen

Rund 66.000 Menschen wurden nach Angaben der „International Organization for Migration (IOM)“ seit Jahresbeginn im zentralen Mittelmeer im Rahmen von Seenotrettungen aufgenommen. Die Nichtregierungsorganisation geht davon aus, dass etwa 2.500 Menschen ihr Leben verloren haben, beim Versuch, das Mittelmeer zu überqueren. Die Schleuser, die die Menschen in die Boote zwingen, dürften sich aus diesen Zahlen nichts machen. Sie haben ihr Geld schon vorher kassiert.

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3. Juli 2016

Sogenannte „Hubs“ entlang der Migrationsrouten in Afrika sind die Basis der Schleuserkriminalität. Diese Zentren, vor allem in Mali, Niger, im Sudan und Libyen, bieten die Infrastruktur: Flughäfen, Bahnhöfe, Reisebusverbindungen. Um die Wege zwischen den „Hubs“ zu überbrücken, nutzen Schleuser Gebiete, in denen kein staatlicher Ordnungsanspruch besteht, Milizen die Kontrolle übernommen haben oder wo Grenz- und Polizeibehörden bestechlich sind. Entlang der Handelswege im nordafrikanischen Raum wurden von jeher Waren transportiert und für diese Waren Zoll erhoben.

Die Schleuser betrachten die Menschen auf den Migrationsrouten lediglich als Ware

Die Schleuser betrachten die Menschen auf den Migrationsrouten lediglich als Ware (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED )Größere Abbildung anzeigen

Heute betrachten Schleuser die Menschen, die sich auf die Flucht begeben, als Ware, auf die ebenso „Zoll“ erhoben wird. Gewalt über diese Menschen auszuüben, bedeutet, sie und ihre Familien ausbeuten zu können. Es entbrennen regelrechte Kämpfe darüber, wer die Menschen und ihre Bewegungen kontrolliert.

Einmal in den Netzwerken gefangen, haben Flüchtlinge kaum eine Möglichkeit, aus dieser Lage wieder herauszukommen. Schleuser bestimmen über das Wann und Wo ihres Transports und ihres Aufenthalts. Sie sind keine freundlichen Fluchthelfer, sondern darauf bedacht, mit dem Transport der „Ware Mensch“ Geld zu verdienen.

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Stand vom: 05.07.16 | Autor: Bastian Fischborn


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