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Ich bin iM EINsatz: „Uni. Marine. Einsatz.“

In See, 29.09.2015.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Anlegemanöver – Leutnant zur See Katja B. fuhr als  zweiter Navigationsoffizier auf der „Erfurt“
Anlegemanöver – Leutnant zur See Katja B. fuhr als zweiter Navigationsoffizier auf der „Erfurt“ (Quelle: Bundeswehr/Thomas Lerdo)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Leutnant zur See Katja B. und 27 Jahre alt. Nach meinem Studium „Shipping and Chartering (B.A.)“ suchte ich eine neue Herausforderung, bei der ich weiterhin meinen Bezug zur Seefahrt erhalten konnte. Meine Entscheidung fiel für die Offizierlaufbahn in der Deutschen Marine.
Am 1. Juli 2012 trat ich meinen Dienst an der Marineschule Mürwik an. Aufgrund meines Abschlusses wurde mir die Möglichkeit gegeben, den Master „Maritime Management“ im Anschluss an den Offizierlehrgang zu absolvieren.

Nach 1,5 Jahren beendete ich das Studium erfolgreich und besuchte weitere Lehrgänge. Da für mich im Sommer keine Ausbildungen geplant waren, entschied ich mich für einen Auslandseinsatz bei meiner zukünftigen Besatzung auf der Korvette „Erfurt“. Seit Juli fahre ich als Zweiter Navigationsoffizier zuerst bei UNIFIL und nun bei Atalanta zur See.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ausbildung auf der Brücke
Ausbildung auf der Brücke (Quelle: Bundeswehr/Thomas Lerdo)Größere Abbildung anzeigen

Am Anfang meiner Zeit auf der „Erfurt“ wurde ich jeden Tag aufs Neue ins „kalte Wasser“ geschmissen. Das war, im Nachhinein betrachtet, genau der richtige Weg, um mich an Bord zu integrieren und schnell zurechtzukommen. Im Fokus standen für mich zunächst die Ausbildung zum Brückenwachoffizier und das „Daily Business“ bei der Navigation. In Zusammenarbeit mit meinem Abschnitt, bestehend aus dem Navigationsoffizier, einem Navigationsmeister und zwei Unteroffizieren, habe ich in den letzten Monaten viel dazu lernt.

Viel gelernt – Katja B. auf dem Flugdeck der „Erfurt“
Viel gelernt – Katja B. auf dem Flugdeck der „Erfurt“ (Quelle: Budeswehr/Thomas Lerdo)Größere Abbildung anzeigen

Während des Einsatzes werden nicht nur die üblichen Aufgaben auf der Brücke, wie Streckenberatung, Berichtigung nautischer Publikationen und Wetterbeobachtungen wahrgenommen, sondern auch das Anwenden und Umsetzen von Einsatzaufgaben mit der Operationszentrale. Während meiner Zeit an Bord wurde ich zusätzlich noch als Hafenwachoffizier ausgebildet, habe nebenamtlich die Pressearbeit übernommen und die Durchführung der Ausbildung von ausländischen Streitkräften im Hafen geleitet.

Ganz davon abgesehen, dass jeder Tag auf See nicht dem anderen gleicht, war der Tagesablauf geprägt von Seewachen sowie vom Lernen der Abläufe als Gefechts-Wachoffizier und von weiteren Manövern und Übungen. Bei so viel „Input“ durften Schlaf und Sport als Ausgleich nicht fehlen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Als fahrender Wachoffizier während eines Versorgungsmanövers
Als fahrender Wachoffizier während eines Versorgungsmanövers (Quelle: Bundeswehr/Thomas Lerdo)Größere Abbildung anzeigen

Nicht nur einen, sondern gleich zwei Einsätze mitzufahren, stellt für mich persönlich ein Highlight dar. Denn schon vor der Küste des Libanon musste sich die Besatzung auf den Atalanta-Einsatz vorbereiten. Für mich war es wichtig, so schnell wie möglich eingebunden zu werden, damit ich Aufgaben übernehmen und so unterstützen konnte. Als zweiter Navigationsoffizier habe ich nach kurzer Zeit viel Verantwortung übernommen und musste mich jeden Tag neuen Herausforderungen stellen.

Im Gegensatz zu vielen meiner Kameraden bin ich nicht durch meine Familie mit der Marine verbunden. Lediglich mein Studium ließ mich erahnen, was mich auf See erwartet. Die Seefahrt ist für mich ein großes Abenteuer und ich versuche, jeden Moment so gut es geht zu genießen.

Natürlich darf die Zeit im Hafen nicht unerwähnt bleiben. Fremde Kulturen und Städte kennenzulernen und die Zeit zu nutzen, um von der Seefahrt etwas „runter zu kommen“, sind für mich wichtige Bestandteile des Einsatzes. Trotzdem wurde mir bewusst, dass neben der Seefahrerromantik viele Entbehrungen hingenommen werden müssen und auch der Bordalltag seine Hindernisse birgt.
Dennoch überwiegen die positiven Momente um ein Vielfaches, was gerade an den Menschen hier an Bord liegt. Zu sehen, dass jeder von uns auf seine Art und Weise einen Beitrag zum Einsatz beisteuert, macht mich stolz und zeigt mir, dass Herausforderungen nur mit einer starken Besatzung angenommen werden können.

Das vermisse ich hier am meisten.

Auf See vermisse ich meine Familie und meine Freunde. Außerdem fehlen mir die norddeutsche Luft und die Natur. Während einer Seefahrt wird einem erstmal bewusst, dass gerade die kleinen Dinge an Bord fehlen, zum Beispiel selbst zu kochen oder morgens aufzuwachen und aus dem Fenster zu schauen.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Zunächst möchte ich meinen Eltern danken, die mich 100-prozentig unterstützen und sehr stolz auf mich sind. Weiterhin wünsche ich meinen Kameraden der Besatzung Bravo („Magdeburg“) alles Gute für die restliche Zeit im Einsatz und alle weiteren Vorhaben.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland werde ich zunächst weitere Lehrgänge absolvieren und ab Januar wieder zur Besatzung zurückkehren. Um nächstes Jahr wieder für UNIFIL im Einsatz zu sein, werden wir Anfang des Jahres das Einsatzausbildungsprogramm durchlaufen. Für mich bedeutet das, dass ich dann den Posten als Navigationsoffizier übernehmen werde. Langfristig gesehen möchte ich weiterhin zur See fahren. Vielleicht ergibt sich später die Möglichkeit, als Operationsoffizier eingesetzt zu werden.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Katja B.


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