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Ich bin iM EINsatz: Wohnzimmer auf Zeit

Prizren, 17.01.2017.


Von Mali bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren, über Syrien, im Irak und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ich bin Hauptbootsmann Yvonne K., 34 Jahre alt und Mutter zweier Kinder. Ich bin im 45. Deutschen Einsatzkontingent KFOR nun zum zweiten Mal im Kosovo. Ursprünglich komme ich aus Brandenburg. Seit 2001 bin ich bei der Bundeswehr – zuerst beim Heer und seit 2006 bei der Marine. Seit meinem Diensteintritt bin ich mit meiner Familie fünf Mal in Deutschland umgezogen. Während der Dienstzeit habe ich auch meine Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert.
Zurzeit bin ich in Wilhelmshaven als Karriereberater tätig. In Prizren bin ich Betreuungsfeldwebel und Kantinenführerin in der „MilleniumBar“.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Hauptbootsmann Yvonne K. ist als Betreuungsfeldwebel und Kantinenführerin bei KFOR im Einsatz
Hauptbootsmann Yvonne K. ist als Betreuungsfeldwebel und Kantinenführerin bei KFOR im Einsatz (Quelle: Bundeswehr/Michael Brauns)Größere Abbildung anzeigen

Kein Tag in diesem Einsatz gleicht dem anderen. Als Betreuungsfeldwebel plane und organisiere ich Veranstaltungen und betreue die Gäste in „meiner“ Bar. Ich nehme Bestellungen entgegen, beschaffe Bingo- und Pokerpreise und mache über den Betreuungssender „Radio Andernach“ Werbung für die Events. Dienstags findet zum Beispiel immer Bingo statt, mittwochs ist Pokerabend. Donnerstags gibt es im 14-tägigen Rhythmus die „Battle of Knowledge“ – ein Wissensquiz der Soldaten aus den verschiedenen Abteilungen untereinander.

Die „MilleniumBar“ soll so etwas wie ein zweites Wohnzimmer für die Soldaten sein
Die „MilleniumBar“ soll so etwas wie ein zweites Wohnzimmer für die Soldaten sein (Quelle: Bundeswehr/Michael Brauns)Größere Abbildung anzeigen

Freude und Erfüllung bringen mir der Kontakt und der Austausch mit den Kameraden. Es ist, als ob man ihnen ein Stück des heimischen Wohnzimmers für vier Monate ersetzt. Ich freue mich, wenn am Freitagabend bei der Disco die Tanzfläche voll ist und wir ihnen etwas Ablenkung schenken können.
Wir drei in unserer „MilleBar“ spüren auch zuerst, wenn es Kameraden vielleicht nicht gut geht. Denn bei uns können sie sich auch mal den Frust oder den Ärger von der Seele reden. Wir versuchen, sie im Gespräch wieder etwas aufzumuntern oder etwas Abhilfe zu schaffen. Das ist sehr wichtig für die Kameraden.

Klar könnte man auch abends auf seiner Stube bleiben und sich zum 50ten mal die gleiche Sendung oder einen Film anschauen – aber dann ist man eben alleine. Man kann die Abende aber auch bei uns in Gesellschaft verbringen, bei einem Eis oder einem Glühwein.

Sport ist Yvonne K. ungeheuer wichtig
Sport ist Yvonne K. ungeheuer wichtig (Quelle: Bundeswehr/Michael Brauns)Größere Abbildung anzeigen

Nebenbei steht – mir ganz wichtig – Sport auf dem Plan. Ohne ihn wäre ich manchmal nicht so ausgeglichen. Montags und mittwochs leite ich das Cross Training für mehrere Soldaten. Dabei haben wir alle viel Spaß und wir genießen es uns auszupowern.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Es gibt schon Unterschiede: Zuhause rufe ich nie „Last Call“ am Ende eines Abends oder drehe die Musik etwas leiser, weil gleich die Feldjäger auf ihrer Runde vorbeikommen. Das wird mir bestimmt auch etwas fehlen, wenn ich wieder in Wilhelmshaven bin.
Ich werde aber auch eine Menge mitnehmen können, was mir in meiner Beratertätigkeit hilft: Die unzähligen Erkenntnisse aus den vielen Gesprächen mit den Kameraden. Seien es Feuerwehrleute, die Fernmeldesoldaten (wo wir ja einen besonders hohen Bedarf im IT-Bereich haben), die Sanitäter oder all die andern. Ich habe viel über ihre Karrierewege in der Bundeswehr erfahren und kann das in meine Beratertätigkeit einfließen lassen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Der 34-Jährigen fehlen ihre Kinder, doch sie nimmt auch viel aus dem Einsatz mit
Der 34-Jährigen fehlen ihre Kinder, doch sie nimmt auch viel aus dem Einsatz mit (Quelle: Bundeswehr/Michael Brauns)Größere Abbildung anzeigen

Ganz ehrlich: Wenn ich mal dazu komme und die Werbung in der deutschen Zeitung hier lese, denke ich ans Einkaufen. Mal wieder in einem Supermarkt an der Kasse in der Schlange stehen und sich fragen, warum das so lange dauert – das vermisse ich manchmal. Oder einfach mal wieder selbst zu kochen.
Nicht zu vergessen sind meine beiden kleinen „Kröten“, die vermisse ich natürlich auch. Alleine weil morgens beim Aufstehen hier niemand nach Mama schreit, aber das wird sich ja bald wieder ändern. Ein Sprichwort sagt: Was man lange nicht hatte, vermisst man am meisten.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich möchte stets und ständig in dieser Armee neue Herausforderungen annehmen und sie meistern. Ich wünsche jedem Kameraden – egal wo er im Einsatz ist – dass er heil und gesund nach Hause zurückkehrt und immer „eine Handbreit Wasser unterm Kiel“ hat.
Ich grüße die Besatzungen meiner Karrierebüros in Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven ganz lieb und besonders Hauptfeldwebel Judith K., ohne die die Arbeit zu Hause nicht so lustig wäre.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Yvonne K.


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