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Generalmajor Poschwatta bei UNAMID im Sudan

El Fasher, 26.10.2016.


September im „Land der Fur“ (Darfur) - Generalmajor Thorsten Poschwatta, Stellvertretender Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, besucht die deutschen Soldaten bei UNAMID. Er ist für die deutschen Soldaten verantwortlich, die in Friedens-, Beobachter- und Beratermissionen der Vereinten Nationen ihren Dienst verrichten. Begleitet wurde er durch den zuständigen Deutschen Verteidigungsattaché aus Kairo, Oberst Fischer.

Bereits im Vorfeld der Reise macht sich die schwierige Lage im Sudan bemerkbar. Nur mit Hilfe der Deutschen Botschaft in Khartum und der Unterstützung des Militärattaché-Büros in Kairo konnten die notwendigen Einreisevisa eingeholt werden. Bei einem Transitaufenthalt in der sudanesischen Hauptstadt Khartum bedankt sich Generalmajor Poschwatta beim Vertreter der Deutschen Botschaft für die geleistete Arbeit. In einer kurzen politischen Lageeinschätzung gibt Botschafter Herzog einen Einblick auf die diffizile Lage in Darfur.

Früh am Morgen des 13. Septembers geht es mit dem Flugzeug von Khartum nach El Fasher, der Hauptstadt des sudanesischen Bundesstaates Darfur. Unweit des Flugplatzes befindet sich dort das Super Camp der Vereinten Nationen für die Mission UNAMID.

Begrüßung von General Poschwatta durch hochrangige UNAMID-Vertreter
Begrüßung von General Poschwatta durch hochrangige UNAMID-Vertreter (Quelle: Bundeswehr/Josef Kranawetvogl)Größere Abbildung anzeigen

Hier ist es deutlich über 40 Grad heiß. Nach einer kurzen Akklimatisierung, trifft der stellvertretende Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr die zivile und militärische Missionsführung von UNAMID. In einem persönlichen Gespräch wird Generalmajor Thorsten Poschwatta ein aktuelles Bild von der politischen und militärischen Lage in Darfur vermittelt.

Streit der Rebellengruppen zerstört wertvolle Arbeit

Generalmajor Poschwatta im Gespräch mit der Missionsführung
Generalmajor Poschwatta im Gespräch mit der Missionsführung (Quelle: Bundeswehr/Josef Kranawetvogl)Größere Abbildung anzeigen

Er bekommt auch ein ausführliches „Mission Briefing“ unter Führung des Chief of Staff, Oberst Essien aus Ghana. Auf politischer Seite herrsche noch immer ein ausgeprägter Konflikt zwischen der Zentralregierung in Khartum und dem Westen des Landes vor, so der Oberst. Überlagert würden diese Konflikte durch Spannungen zwischen den afrikanischen und arabischen Bevölkerungsgruppen Darfurs.
Die schlechte sozialökonomische Lage des Sudan werde unter anderem auch durch folgende Faktoren bestimmt: Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Rebellengruppen; sehr hohe Kriminalitätsrate aufgrund mangelnder staatlicher Polizeikräfte; viele lokale Streitigkeiten.

An einer Lösung des Konflikts werde weiterhin seitens der Vereinten Nationen gearbeitet. Oft scheiterten Abkommen und Absprachen aber an der Zerstrittenheit der Darfur-Rebellen untereinander, wie auch an dem Widerstand durch die Regierung in Khartum.
„Gerade auch wegen der Migrationsbewegungen, die man bis nach Europa spüren kann, darf der Darfur-Konflikt nicht als rein lokaler Provinzkonflikt angesehen werden“, ergänzt Generalmajor Poschwatta die Ausführungen des Chefs des Stabes.

Im Gespräch mit den deutschen Soldaten

Nach den Briefings widmet sich Poschwatta den Arbeits- und Lebensbedingungen der deutschen Soldaten vor Ort. Unter Führung des Dienstältesten Deutschen Offiziers (DDO), Kapitänleutnant Mike W., besichtigt der Generalmajor ihre Arbeits- und Unterkunftscontainer.

Im Gespräch mit den deutschen Soldaten
Im Gespräch mit den deutschen Soldaten (Quelle: Bundeswehr/Josef Kranawetvogl)Größere Abbildung anzeigen

Derzeit beteiligt sich die Bundeswehr mit acht Soldaten bei der VN-Mission UNAMID. Sie gestalten aktiv die aktuellen Operationsplanung und -überwachung mit. Aber dies ist nur einer der Aufträge. Sie überwachen und kontrollieren weiterhin jegliches Material, welches durch die VN-Mission UNAMID für die eigenen Militär- und Polizeikontingente bereitgestellt wird. Ebenso engagieren sie sich in der Planung, Durchführung und Nachbereitung von militärischen Ausbildungsvorhaben.

Bei einem gemeinsamen Grillen kommt General Poschwatta mit den deutschen Soldaten ins Gespräch. Er betont dabei die Wichtigkeit der Arbeit jedes Einzelnen vor Ort. „Gerade Missionen mit einer kleinen Anzahl an Soldaten geraten in der deutschen Öffentlichkeit schnell in Vergessenheit. Dabei leisten die deutschen Soldaten hier vor Ort hervorragende Arbeit. Um im internationalen Kontext einer VN-geführten Mission bestehen zu können, wird besonders viel Fingerspitzengefühl und interkulturelle Kompetenz abverlangt“, betont der Stellvertretende Befehlshaber.

Das Flüchtlingscamp Abu Shouk

Am nächsten Tag steht der Besuch des Camps Abu Shouk an. Dies ist ein Lager für binnenvertriebene Menschen in Darfur. In ihm leben rund 70.000 Menschen. Insgesamt etwa 2,5 Millionen Menschen fanden Zuflucht in ähnlichen Camps in der Region Darfur. Bewaffnete Überfälle, organisierte Kriminalität und Entführungen mit Lösegeldforderungen innerhalb des Camps machen beim Besuch eine bewaffnete Eskorte durch UNAMID unabdingbar. Aus diesem Grund wird der General durch ägyptische Blauhelmsoldaten geschützt.

Begleitung durch ägyptische Sicherungskräfte
Begleitung durch ägyptische Sicherungskräfte (Quelle: Bundeswehr/Josef Kranawetvogl)Größere Abbildung anzeigen

Nächste Stationen sind die international aufgestellten UNAMID-Polizeikräfte und das „Abu Shouk Women’s Center“. Auf der Fahrt werden die Lebensumstände der Menschen deutlich. Der Großteil lebt in Behausungen aus Lehmziegeln, das öffentliche Leben spielt sich im Freien ab. Es werden vorwiegend Schafe gezüchtet, vereinzelt wird Ackerbau betrieben, was sich jedoch aufgrund der Trockenheit schwierig gestaltet.

Im „Abu Shouk Women’s Center“
Im „Abu Shouk Women’s Center“ (Quelle: Bundeswehr/PAO UNAMID)Größere Abbildung anzeigen

Im „Abu Shouk Women’s Center“ wird General Poschwatta mit offenen Armen empfangen. Die Leiterin macht die Probleme der Menschen vor Ort deutlich. Viele Geburten führen zu wenig Platz im Camp, vor allem auch in den Camp-Schulen. Weiterhin bedeute die Vielzahl an Kindern auch eine große Herausforderung in der medizinischen Versorgung. Hinzu kommt die Wasserknappheit, die ein ständiges Problem für alle Menschen ist.

Wasserversorgung in Nöten – kann geholfen werden?

In einem Wadi macht sich General Poschwatta ein Bild von der durch Witterungseinflüsse zerstörten Wasserquelle
In einem Wadi macht sich General Poschwatta ein Bild von der durch Witterungseinflüsse zerstörten Wasserquelle (Quelle: Bundeswehr/Josef Kranawetvogl)Größere Abbildung anzeigen

Stürme und kurze starke Regenfälle haben die einzige Wasserversorgung mit einem Brunnen aus einem benachbarten Wadi zerstört. Die dadurch notwendige Versorgung mit Wasser aus Flaschen ist auf Dauer kostenintensiv. Auf Bitten der Leiterin wird in die Patrouillenroute des Generalmajors kurzfristig ein Stopp am Wadi mit dem zerstörten Brunnen eingeplant. So kann sich General Poschwatta persönlich ein Bild der Lage machen. Nach der Inaugenscheinnahme des defekten Brunnens verspricht er, dieses Problem persönlich an die Führung von UNAMID heranzutragen.

Nach einem gemeinsamen Abendessen bedankt sich General Poschwatta für die Gastfreundschaft
Nach einem gemeinsamen Abendessen bedankt sich General Poschwatta für die Gastfreundschaft (Quelle: Bundeswehr/Josef Kranawetvogl)Größere Abbildung anzeigen

Nach dem Tag auf Patrouille kehrt der Stellvertretende Befehlshaber am späten Nachmittag ins UNAMID Super Camp zurück. Danach kommt er in den Genuss der Gastfreundschaft nepalesischer UN-Soldaten. Er wird von ihnen zum Abschluss des Besuchs zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Josef Kranawetvogl


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