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UN-Verbindungsoffiziere: „Allein im Südsudan.“

Wau / Südsudan, 30.11.2015.

Kürzlich verlängerte der Deutsche Bundestag sein Mandat für den Einsatz deutscher Soldaten innerhalb der UN-Mission im Südsudan. Die Tätigkeit fordert viel von den dort eingesetzten Soldaten – gerade weil die Bedingungen nicht mit denen in Europa zu vergleichen sind. Gerade die neun deutschen UN-Verbindungsoffiziere müssen in der Lage sein, fernab von Feldlagern und Nachschubwegen, ihren Auftrag innerhalb der Mission zu erfüllen.

Fordernde Bedingungen im Südsudan, hier in der Region um die Stadt Wau im Westen des Landes

Fordernde Bedingungen im Südsudan, hier in der Region um die Stadt Wau im Westen des Landes (Quelle: Bundeswehr/PAO UNMISS)Größere Abbildung anzeigen

Der 2011 gegründete Staat Südsudan kämpft nach einem 2013 ausgebrochenen Bürgerkrieg, dessen Nachwirkungen noch heute spürbar sind, mit einer hohen Zahl vertriebener Menschen (Schätzungen sprechen von mehr als zwei Millionen) und einer damit einhergehenden Hungersnot in vielen Teilen des Landes. Die United Nations Mission in the Republic of South Sudan (UNMISS) unterstützt die junge Nation seit seiner Unabhängigkeit. Doch der Weg zu einer abschließenden Lösung der Probleme im Land ist noch weit und sehr steinig.

16 deutsche Soldaten sind derzeit bei UNMISS eingesetzt: Fünf Offiziere und ein Unteroffizier befinden sich im Hauptquartier in der Hauptstadt Juba. Ein Offizier ist in Wau, der zweitgrößten Stadt des Landes, im Transportwesen am internationalen Flugplatz tätig. Neun Offiziere leisten als Verbindungsoffiziere (Military Liaison Officer = MLO) an neun unterschiedlichen Einsatzorten ihren Dienst. Sie sind über das gesamte Land verteilt – und das oftmals unter sehr fordernden Bedingungen.

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VN-Verbindungsoffiziere - Augen und Ohren der Mission

Die Aufgaben sind vielfältig - und nur auf Basis zusätzlicher Ausbildung zu bewältigen. Die Offiziere bewegen sich grundsätzlich unbewaffnet in Krisengebieten. Im Südsudan kommen noch besondere klimatische Bedingungen – große Hitze und eine sehr hohe Luftfeuchte (bisweilen über 90%) – als belastende Faktoren hinzu. Gespräche und Verhandlungen mit allen im Konfliktszenario involvierten Kräften, wie Polizei, Militär und Vertretern der staatlichen Administration, aber auch mit internationalen (Hilfs-)Organisationen und „Non-Governmental-Organizations“ (NGOs), bilden den Schwerpunkt.

Bunt gemischte Truppe: Verbindungsoffiziere in Wau – die Verständigung erfolgt ausschließlich in Englisch

Bunt gemischte Truppe: Verbindungsoffiziere in Wau – die Verständigung erfolgt ausschließlich in Englisch (Quelle: Bundeswehr/PAO UNMISS)Größere Abbildung anzeigen

Das berichtet Oberstleutnant Bernd W., der zurzeit als MLO sechs Monate seinen Dienst im Südsudan versieht: “Die durch unsere Tätigkeit gewonnenen Informationen werden genutzt, um im Schwerpunkt humanitäre VN-Operationen zu planen oder zu evaluieren.” Er ist im Westen des Landes, gemeinsam mit Soldaten aus Nepal, Ghana, Ägypten, Kambodscha, Äthiopien, Jemen, Russland, Ost-Timor und Ruanda eingesetzt. Sein direkter Vorgesetzter ist ein indischer Oberst – mehr Multinationalität ist kaum möglich.

Die MLOs fungieren so aber auch als Frühwarnsystem für die gesamte Mission: Stimmungen und Entwicklungen innerhalb der Bevölkerung können zeitnah berücksichtigt werden. Durch ihre Arbeit bauen die MLOs ein Netzwerk auf, das für Kontakte, Verbindungsaufnahmen und die Koordination von Informationsbeziehungen auf unterschiedlichen Ebenen zur Verfügung steht.

Oberst Hartmuth Nell ist aktueller „Deputy Chief Military Liaison Officer (DCMLO)“ und somit Vorgesetzter aller 212 MLOs aus 50 Nationen, die auf zehn südsudanesische Bundesstaaten verteilt sind. Er bringt es auf den Punkt: “Die VN-Verbindungsoffiziere agieren selbstverantwortlich, hochmotiviert und zielgerichtet - dabei aber auch kreativ und unkonventionell. Die schwierigen Arbeitsbedingungen, in nicht selten sehr entlegenen Regionen, bringen sie oftmals an ihre Belastungsgrenze. Dennoch - die MLOs sind immer mit großer Souveränität und professionell bei der Sache, ihre Leistung verdient hohe Anerkennung.“

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"Spartanisches Leben" bestimmt den Alltag

Oberstleutnant Bernd W. im Gespräch mit Vertretern von Armee und Polizei an einem Checkpoint

Oberstleutnant Bernd W. im Gespräch mit Vertretern von Armee und Polizei an einem Checkpoint (Quelle: Bundeswehr/PAO UNMISS)Größere Abbildung anzeigen

Die Rahmenbedingungen des Einsatzes der Verbindungsoffiziere sind landestypisch und somit oft weit weg von europäischen Standards. Zudem sind die MLOs für die Dauer ihres Einsatzes logistisch auf sich allein gestellt. Alles was sie für ihren mehrmonatigen Einsatz im Land benötigen, führen sie bereits bei der Einreise mit sich. Dazu gehört eine auf die Bedürfnisse im Land zugeschnittene Ausrüstung. Es besteht jedoch immer die Möglichkeit, Material aus Deutschland nachzufordern. Die Versorgungswege sind jedoch nicht nur lang, sondern auch besonders langwierig. Meist wird im Rahmen der Eigenversorgung auf Produkte des lokalen Marktes zurückgegriffen, sofern dies die regionale Versorgungslage zulässt. Bescheidenheit, Improvisationsvermögen und Einfühlungsvermögen sind bestimmende Faktoren für die oftmals spartanischen Lebensumstände eines MLOs.

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Von Nienburg nach Wau

Oberstleutnant Bernd W. ist in Deutschland dienstlich im Zentrum Zivil-Militärische Zusammenarbeit der Bundeswehr in Nienburg/Weser beheimatet. Im Juni diesen Jahres begann er seinen Dienst als MLO im Südsudan. Er ist mit Auslandseinsätzen vertraut und hat bereits einige Tätigkeiten im internationalen Umfeld hinter sich: “In der jetzigen Verwendung kann ich auf meine Erfahrungen aufbauen, die ich als CIMIC-Soldat (Civil Military Cooperation) erworben habe. Die Ausbildung in den Bereichen interkulturelle Kompetenz, Verhandlungs- und Gesprächsführung sowie meine bisherigen Einsätze passen sehr gut zum hier geforderten Anforderungsprofil eines VN-Verbindungsoffiziers.” Er wird bald nach Deutschland zurückkehren. Seine Einheit und natürlich auch seine Familie erwarten ihn bereits.

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Stand vom: 30.11.15 | Autor: PAO UNMISS


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