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Ich bin iM EINsatz: „Berlin“ ist immer eine Reise wert.

In See, 22.12.2015.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In allen deutschen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ fragen wir sie das immer wieder – und bekommen auf diesem Wege interessante Einblicke. Heute ist Zeit für Premiere, der Einsatzgruppenversorger „Berlin“ meldet sich selbst.

Ich bin iM EINsatz: der EGV „Berlin“
Ich bin iM EINsatz: der EGV „Berlin“ (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR Med Sophia)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin der Einsatzgruppenversorger „Berlin“, kurz auch „EGV“ genannt. Mein Heimathafen ist der Marinestützpunkt Wilhelmshaven, ich gehöre zum Trossgeschwader der Einsatzflottille 2, der alle Fregatten und großen Versorgungsschiffe der Marine angehören.

Am 11. April 2001 wurde ich in Dienst gestellt. Seitdem habe ich an mehr als 15 Auslandseinsätzen teilgenommen. Meine ersten Bewährungsproben hatte ich im Frühjahr 2002 zu Beginn des Anti-Terror-Einsatzes Operation Enduring Freedom und im Winter 2004 nach der Tsunami-Katastrophe in Banda Aceh (Indonesien), wo die Besatzung viele Menschen medizinisch versorgen konnte.

Seitdem bin ich viele Seemeilen gefahren, vom Kap der Guten Hoffnung über das Horn von Afrika bis nach Spitzbergen. Das Mittelmeer ist fast mein zweites Zuhause, und der Golf von Aden ist mir mehr als gut bekannt.
In See bin ich für 169 Soldaten das Zuhause und biete Kojen für zusätzliches Personal. Mit etwa 20.000 Tonnen Einsatzverdrängung gehöre ich zur größten Schiffsklasse der Deutschen Marine.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Gerettete Menschen auf meinem Seitendeck
Gerettete Menschen auf meinem Seitendeck (Quelle: Bundeswehr/Hoder)Größere Abbildung anzeigen

Nachdem ich letztes Jahr in der Operation „Atalanta“ am Horn von Afrika Schiffe des UN-Welternährungsprogrammes vor Piraten geschützt habe, war ich zu Anfang dieses Jahres im Einsatz zur Seenotrettung im Mittelmeer. Nun gibt es im Einsatz „Sophia“ neue Herausforderungen.

Mit den europäischen Partnerschiffen gewinne ich im Mittelmeer Informationen über Menschenschmuggler und die von ihnen genutzten Routen. Wir suchen Boote, die für Schleuserei genutzt werden, die wir anhalten und umleiten dürfen und deren Besatzungen wir dann zur Strafverfolgung an italienische Behörden übergeben. Das Einsatzgebiet, das ich mir mit sechs weiteren Schiffen teile, ist etwa so groß wie Deutschland.

Im Seeversorgungsmanöver mit der Fregatte „Hessen“, die mit mir bereits im Mai hier im Mittelmeer unterwegs war
Im Seeversorgungsmanöver mit der Fregatte „Hessen“, die mit mir bereits im Mai hier im Mittelmeer unterwegs war (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)Größere Abbildung anzeigen

Außerdem unterstütze ich meine europäischen Partnerschiffe regelmäßig. Drei bis vier Betankungen pro Woche gehören genauso zur Routine wie Gefechtsdienst, Fahrtrainings für Brückenwachoffiziere und Übungen mit meinen „Kameraden“. Man kann also sagen, dass ich nicht nur als vollwertiges Mitglied für die Einsatzaufgaben der Operation „Sophia“ eingesetzt werde – ich bin auch das Versorgungsschiff für den gesamten Schiffsverband.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Stück Seefahrerromantik auch in diesem Einsatz: Ich im Sonnenuntergang.
Ein Stück Seefahrerromantik auch in diesem Einsatz: Ich im Sonnenuntergang. (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR Med Sophia)Größere Abbildung anzeigen

Ich kann die Stehzeiten der Schiffe in See beträchtlich erhöhen, indem ich sie mit Diesel- und Flugkraftstoffen betanke. Ich denke, dass meine Arbeit im gesamten Verband hochgeschätzt ist, denn bis heute haben wir 24 Schiffe mit mehr als 2,5 Millionen Litern Diesel und über 41.000 Litern Flugkraftstoff betankt. Wenn gewünscht, kann ich andere Schiffe auch mit Wasser oder Ersatzteilen versorgen.

Ich bin hier aber nicht nur die Tankstelle. Allein in diesem Jahr habe ich mehr als 1.200 Menschen aus Seenot gerettet. Unter Mühen und mit viel Improvisationstalent hat meine Besatzung mich so vorbereitet, dass die an Bord genommenen Menschen vor der Witterung in den anstehenden kalten Tagen geschützt sind.

Während der Mission verstärken Fachleute an Bord:  hier Oberstleutnant Iris L., sie ist Rechtsberaterin
Während der Mission verstärken Fachleute an Bord: hier Oberstleutnant Iris L., sie ist Rechtsberaterin (Quelle: Bundeswehr/Hoder)Größere Abbildung anzeigen

Viele Soldaten, die nicht zur Stammbesatzung gehören, sind für diesen Einsatz in meinen Kammern und Decks untergebracht. Sie erweitern mit ihrer Expertise meine Fähigkeiten. So sind zum Beispiel ein Bordeinsatzteam, Militärpolizisten, eine Facharztgruppe und Dolmetscher auf mir eingeschifft. All diese Fachleute haben sich schnell und gut in die Bordgemeinschaft eingefügt.

Das vermisse ich hier am meisten.

Mein Hangar ist zwar mit zusätzlichen Rettungsmitteln gefüllt, aber meine Sea-King-Bordhubschrauber fehlen mir. Mit ihnen habe ich die Möglichkeit, schnell weit hinter dem Horizont aufklären zu können. Natürlich vermisse ich auch Wilhelmshaven, meinen Heimathafen. Es wird bestimmt Ende Januar, Anfang Februar, bis ich ihn wiedersehe.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Zunächst wünsche ich mir endlich mal wieder ein Seeversorgungsmanöver mit zwei Schiffen gleichzeitig, eins an Backbord, das andere an Steuerbord. Ich freue mich auf das Weihnachtsfest im Einsatzgebiet, fern der Heimat. Für mich ist das nicht ungewöhnlich, aber für einige an Bord wird das sicher eine neue Erfahrung.

„Ein schöner Rücken kann auch entzücken.“
„Ein schöner Rücken kann auch entzücken.“ (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR Med Sophia)Größere Abbildung anzeigen

Ich grüße meine Schwesterschiffe „Bonn“ und „Frankfurt am Main“. Letztere löst mich Ende Januar hier ab. Den Familien und Angehörigen meiner Crew wünsche ich schon jetzt einen guten Jahresabschluss in der Heimat. Ich werde drauf achten, dass ich wohlbehalten heimkehre.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Alexander Gottschalk


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