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Ich bin iM EINsatz: Der Kommandeur

In See, 04.10.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Flottillenadmiral Kay-Achim Schönbach ist der Kommandeur der SNMG2
Flottillenadmiral Kay-Achim Schönbach ist der Kommandeur der SNMG2 (Quelle: Bundeswehr/Helge Adrians)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Flottillenadmiral Kay-Achim Schönbach. Bis Mitte dieses Jahres war ich Referatsleiter in der Abteilung Strategie und Einsatz im Bundesministerium der Verteidigung. Nachdem ich Mitte Juni die Führung der „Standing NATO Maritime Group 2“ (SNMG2) übernommen habe, bin ich formal der Einsatzflottille 2 in Wilhelmshaven zugeordnet. Anschließend, so die derzeitige Planung, gehe ich nach Flensburg an die Marineschule Mürwik.

Bislang war ich zehn Mal im Einsatz: Angefangen hat es Mitte der 90er Jahre mit „Sharp Guard“ in der Adria. Danach nahm ich an der „Operation Active Endeavour“ im Mittelmeer und an der „Operation Enduring Freedom“ am Horn von Afrika teil. Als Kommandant der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ war ich zuletzt sieben Monate im Atalanta-Einsatz, ebenfalls am Horn von Afrika.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Admiral Schönbach mit seinem amerikanischen Chef des Stabes, Commander Victor S., in der Nock der „De Ruyter“, dem niederländischen Flaggschiff der SNMG2
Admiral Schönbach mit seinem amerikanischen Chef des Stabes, Commander Victor S., in der Nock der „De Ruyter“, dem niederländischen Flaggschiff der SNMG2 (Quelle: Bundeswehr/Helge Adrians)Größere Abbildung anzeigen

Als Kommandeur führe ich die SNMG2. Das bedeutet, dass ich alle wesentlichen Entscheidungen über den taktischen Ansatz des Verbands treffe. Das ist eine interessante, wie herausfordernde Aufgabe, denn mir unterstehen mehrere Schiffe und Boote verschiedener Nationen, die in unterschiedlichen Einsatzgebieten operieren. Das erfordert viel Koordination. Deswegen werde ich von einem fast 20-köpfigen Stab unterstützt. Zu ihm gehören nicht nur deutsche Soldaten, sondern derzeit auch Offiziere aus Bulgarien, Griechenland, Großbritannien, Litauen, den Niederlanden, Spanien, der Türkei und den USA. Jeder von ihnen übernimmt ein bestimmtes Aufgabenfeld, zum Beispiel Planung oder Logistik. Auf diese Weise arbeiten mir die Soldaten des Stabes zu und beraten mich bei meinen Entscheidungen.

Auch wenn die Schreibtischarbeit dazugehört, genießt es Admiral Schönbach, einen Flottenverband von See aus zu führen
Auch wenn die Schreibtischarbeit dazugehört, genießt es Admiral Schönbach, einen Flottenverband von See aus zu führen (Quelle: Bundeswehr/Helge Adrians)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin natürlich nicht völlig losgelöst von der Außenwelt. Daher gehört zu meiner Aufgabe als Kommandeur auch die Abstimmung mit diversen Institutionen. Auf internationaler Ebene ist das vor allem MarCom, die maritime Kommandobehörde der NATO mit Sitz im britischen Northwood. Ihr ist die SNMG2 auch unterstellt. Daneben halte ich als deutscher Kontingentführer Kontakt mit nationalen Dienststellen, etwa dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam, dem Marinekommando in Rostock und natürliche dem Bundesministerium der Verteidigung. Für die Kommunikation mit griechischen und türkischen Behörden sowie mit der europäischen Grenzschutzagentur FRONTEX steht mir jeweils ein Verbindungsoffizier zur Verfügung.

Besondere Freude bereitet es mir, wieder auf See zu sein. Man ist dadurch irgendwie dem üblichen militärischen Alltag entrissen, wie man ihn aus dem Tagesbetrieb an Land kennt. Es ist schon ein Unterschied, einen Flottenverband vom Schreibtisch oder von See aus zu führen. Letzteres macht mir gerade sehr viel Spaß. Zudem empfinde ich meine Aufgabe als Kommandeur in einem solch politisch bedeutsamen Einsatz als sehr erfüllend. Was mir weniger Freude bereitet – aber das dürfte allen militärischen Vorgesetzten wohl so gehen – ist der übliche Aufwand an Administration.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Mein Stab, die Verbindungsoffiziere und ich sind seit September auf der niederländischen Fregatte „De Ruyter“ eingeschifft, die seitdem als mein Flaggschiff fungiert. Es ist das erste Mal, dass ein von deutscher Seite geführter Stab einen internationalen Einsatzverband von Bord eines ausländischen Kriegsschiffs führt.

Grundsätzlich empfinde ich den gesamten Einsatz auch als etwas Besonderes, da NATO, EU und die Anrainerstaaten an einem Strang ziehen. Das ist schon eine spannende Konstellation. Und es macht mich stolz, nicht nur einen individuellen Beitrag zur Eindämmung der Schleuserkriminalität im östlichen Ägäischen Meer zu leisten, sondern zugleich einen ganzen Verband mit mehreren hundert Soldaten zu führen.

In seiner 32-jährigen Dienstzeit ist Flottillenadmiral Schönbach insgesamt 15 Jahre zur See gefahren.
In seiner 32-jährigen Dienstzeit ist Flottillenadmiral Schönbach insgesamt 15 Jahre zur See gefahren. (Quelle: Bundeswehr/Helge Adrians)Größere Abbildung anzeigen

Zur See zu fahren ist ein „Traum“. Wer das noch nie getan hat, dem kann ich nur ans Herz legen, das „Naturereignis Meer“ selbst zu erleben. Das kann zwar eine Herausforderung sein, aber gleichzeitig kann ich mir kaum etwas Schöneres vorstellen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Die „De Ruyter“ ist das aktuelle Flaggschiff der SNMG2 – sie übernahm von der Fregatte „Karlsruhe“
Die „De Ruyter“ ist das aktuelle Flaggschiff der SNMG2 – sie übernahm von der Fregatte „Karlsruhe“ (Quelle: Royal Netherlands Navy/Royal Netherlands Navy)Größere Abbildung anzeigen

Im Grunde genommen vermisse ich gerade nichts: Zum einen währt der Einsatz erst kurz, zum anderen habe ich eine Familie, mit der ich in ständigem Kontakt stehe, so dass die Sehnsucht nach zu Hause nicht überwältigend groß ist. Mit meiner Frau telefoniere ich beispielsweise nahezu täglich. Vor kurzem besuchte sie mich auch, als in Souda auf Kreta der Wechsel meines Flaggschiffs stattfand und wir einen längeren Hafenaufenthalt hatten. Und mit meinen drei Söhnen halte ich auch regelmäßig Verbindung. Zwei von ihnen sind bereits berufstätig. Im Übrigen kennt es meine Familie auch nicht anders, dass ich auf See bin. Trotzdem freue ich mich, sie alle nach dem Einsatz wiederzusehen.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

In erster Linie wünsche ich mir, dass alle Beteiligten der SNMG2 den Einsatz sicher überstehen und wieder heil nach Hause kommen. Des Weiteren hoffe ich und würde mir wünschen, dass dies nicht mein letzter Einsatz gewesen ist.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Kay-Achim Schönbach


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