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Ich bin iM EINsatz: Hauptsache keimfrei

Prizren, 02.12.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Hauptfeldwebel Anja S. ist als Sterilgutassistentin im Einsatzlazarett bei KFOR in Prizren
Hauptfeldwebel Anja S. ist als Sterilgutassistentin im Einsatzlazarett bei KFOR in Prizren (Quelle: Bundeswehr/Ines Blandau)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Hauptfeldwebel Anja S., 38 Jahre alt und im 45. Deutschen Einsatzkontingent KFOR zum zweiten Mal im Kosovo im Einsatz. Ich komme aus Sachsen und verbringe in meiner Heimat viel Zeit mit meinem kleinen Sohn und meinem Partner.
Ich wollte schon immer zur Bundeswehr und bin 2003 mit meiner Ausbildung zur Arzthelferin im Sanitätsdienst der Bundeswehr gestartet. Im Inland bin ich im Facharztzentrum Leipzig eingesetzt und kümmere mich dort überwiegend um administrative Angelegenheiten.
Hier im Einsatz blühe ich so richtig auf – denn hier darf ich praktisch tätig sein. Als Sterilgutassistentin sorge ich dafür, dass die Instrumente im OP absolut rein und bakterienfrei – also steril sind.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Die OP-Kleidung verhindert, dass Keime in die sterilen Bereiche gelangen
Die OP-Kleidung verhindert, dass Keime in die sterilen Bereiche gelangen (Quelle: Bundeswehr/Ines Blandau)Größere Abbildung anzeigen

Mein Dienst im Einsatzlazarett beginnt jeden Tag mit dem gleichen Ritual: Ich wechsle meine Flecktarn-Uniform und schlüpfe in die OP-Bereichskleidung. Denn es ist enorm wichtig, dass keine Keime in den sauberen OP-Bereich gelangen.

Im Anschluss beginne ich mit der Routineüberprüfung meiner Sterilisationsgeräte. Ich nutze diverse Geräte: Das Reinigungs- und Desinfektionsgerät (RDG), den „Varioklav“, das Reinigungs- und Desinfektionsgerät „Endoskope“ (RDG „E“), ein Siegelnahtgerät und Ultraschall.

Das RDG entspricht vom Prinzip einer handelsüblichen Spülmaschine und befreit die Instrumente von Schmutz, wie etwa angetrocknetem Blut. Ich platziere die unreinen Instrumente in sogenannten Sieben und aktiviere das RDG. Die Vorreinigung dauert etwas länger als 90 Minuten. Im Anschluss kontrolliere ich den Inhalt des Siebes auf noch haftende Verschmutzungen und überprüfe die Leichtgängigkeit aller beweglichen Teile.

In einem Sieb verpackt, kommen die Instrumente in den Dampfsterilisator
In einem Sieb verpackt, kommen die Instrumente in den Dampfsterilisator (Quelle: Bundeswehr/Ines Blandau)Größere Abbildung anzeigen

Danach verpacke ich das Material nach einem vorgegebenen Packplan. Denn jede Fachrichtung benötigt eine andere Zusammenstellung der OP-Instrumente, um bestens vorbereitet zu sein. Fertig in Siebe verpackt, verstaue ich die Instrumente nun in den „Varioklav“ – den Dampfsterilisator. Der Vorgang der Sterilisation nimmt wieder etwa eine Stunde in Anspruch. Bei 134 Grad Celsius werden dabei alle Bakterien und Keime abgetötet. Sobald das beendet und das Sieb abgekühlt ist, verstaue ich es in unseren licht- und staubgeschützten Schränken.
Zur Reinigung und Desinfektion unserer Endoskope haben wir ein spezielles Gerät. Denn eine Sterilisation wie im „Varioklav“ würde die Endoskope zerstören. Ganz wichtig: Ich muss zur eigenen Sicherheit immer die Schutzkleidung tragen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

„Für mich ist besonders, dass ich im Einsatz meine Ausbildung zur Sterilgutassistentin ausüben kann.“
„Für mich ist besonders, dass ich im Einsatz meine Ausbildung zur Sterilgutassistentin ausüben kann.“ (Quelle: Bundeswehr/Ines Blandau)Größere Abbildung anzeigen

Für mich ist hier in Prizren besonders, dass ich meine Ausbildung zur Sterilgutassistentin ausüben kann. Dies ist ein ganz anderes Aufgabenspektrum als Zuhause, denn ich kann praktisch arbeiten. Mit den Kameraden aus dem OP fällt der Dienstalltag gar nicht schwer, denn wir sind ein tolles Team. Ein besonderes Highlight war für mich, dass ich hier bei einer Operation live dabei sein durfte. Dabei habe ich erleben können, wie die medizinischen Instrumente, um deren Reinheit ich mich kümmere, zum Einsatz kommen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Da geht es mir wie den meisten Soldaten in den Einsätzen: Am meisten vermisse ich meine Familie und Freunde.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich wünsche mir für meine Zukunft, dass ich weitere Auslandseinsätze bestreiten darf. Ich möchte neue Herausforderungen meistern und andere Länder, aber auch andere Tätigkeiten kennenlernen. Für meine Familie, die Freunde und die Kameraden wünsche ich mir vor allem Gesundheit – denn sie ist das höchste Gut. Zu guter Letzt grüße ich meine Familie und Freunde in Deutschland, die immer hinter mir stehen sowie meine Kameraden aus der Einheit und in Weißenfels.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Anja S.


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