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Ich bin iM EINsatz: Die Spusi ist mit an Bord

In See, 02.12.2014.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In zahlreichen Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Oberfeldwebel Ludger H.
Oberfeldwebel Ludger H. (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Oberfeldwebel Ludger H. und ich komme gebürtig aus Westfalen. Hier lebe ich in einer kleinen Stadt und leiste meinen Dienst bei den Feldjägern im Standort Augustdorf. Seit Juli 2007 bin ich bei der Bundeswehr und habe meine allgemeine Grundausbildung in Rotenburg an der Fulda absolviert. Danach besuchte ich verschiedene Lehrgänge in Sonthofen und Hannover. Meinen ersten Auslandseinsatz hatte ich im Kosovo (KFOR). Dort war ich als Ermittler in Prizren sowie im Norden des Landes unterwegs. Zurzeit nehme ich am 19. Kontingent „Atalanta“ teil und arbeite auf der Fregatte „Lübeck“.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Oberfeldwebel Ludger H. ist zum ersten Mal im Einsatz an Bord.
Oberfeldwebel Ludger H. ist zum ersten Mal im Einsatz an Bord. (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

An Bord kümmere ich mich um die in Gewahrsam genommenen Personen. Dabei handelt es sich um Personen, die der Piraterie verdächtigt werden und zuvor ein Schiff des Welternährungsprogrammes oder ein anderes Handelsschiff angegriffen haben. Sollte der Entschluss gefällt werden, diese an Bord zu nehmen, beginnt meine Arbeit.

Mein Team, welches aus insgesamt drei Feldjägern besteht, errichtet an Oberdeck des Schiffes eine sogenannte Sammelstelle. Hier untersuchen wir die Verdächtigen zunächst auf gefährliche Gegenstände. Der Schiffsarzt untersucht die Personen auf eventuelle Verletzungen. Meine Aufgabe ist es, den korrekten Ablauf und die Personen selbst zu überwachen. Wichtig ist für uns, dass die Menschenrechte zu jedem Zeitpunkt eingehalten werden. Danach entscheidet dann die oberste Führung, ob die verdächtigen Personen der Gerichtsbarkeit ausgehändigt werden oder wieder entlassen werden. Um diese Aufgabe zu erfüllen, musste ich im Vorfeld verschiedene Lehrgänge durchlaufen. Dort habe ich gelernt, Sammelstellen für in Gewahrsam genommene Personen aufzubauen. Mir wurde der richtige Umgang und Handhabung mit diesen Personen gezeigt.

Der Führer unseres Teams ist ein Offizier, der durch einen Hauptfeldwebel und mich unterstützt wird. Wir haben uns vor dem Einsatz nicht gekannt. Aber nach ein paar Wochen waren wir schon ein ziemlich gutes Team und haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden. Wir haben ein kleines Büro an Bord, in dem wir uns jeden Morgen 08:00 Uhr treffen. Wir besprechen den Tagesablauf und stimmen uns untereinander ab. Auf einer Fregatte, die ca. 15 Meter breit und 130 Meter lang ist, passiert jeden Tag etwas. Mal ist es mehr, Mal etwas weniger.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Oberfeldwebel Ludger H. überprüft die Vollzähligkeit seines Arbeitskoffers.
Oberfeldwebel Ludger H. überprüft die Vollzähligkeit seines Arbeitskoffers. (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Jeder Soldat hier an Bord erfüllt seine Aufgabe. Man kann nicht sagen, dass einer mit seiner Tätigkeit auffällt. Alle arbeiten zusammen und bilden so ein gemeinsames Team. Hierbei geht es vom Kommandanten über den Antriebsmeister bis hin zum Mannschaftssoldaten. Jeder ist in seinem Bereich etwas Besonderes und in seiner Funktion wichtig.

Was diesen Einsatz für mich als Soldat der Streitkräfte so interessant macht, sind die vielen Länder, die ich sehe. Wenn es gut läuft, sehe ich in 5 Monaten insgesamt sieben verschiedene Länder. Vom Oman bis nach Mayotte laufen wir einige interessante Häfen an. Es sind einige Länder dabei, die stark vom Islam geprägt sind und andere haben ihre Kultur mit der westlichen Lebensweise vermischt. Diese Eindrücke sind neu für mich und die werde ich so vielleicht nicht nochmal erleben. Es ist ein tolles Gefühl, die verschiedenen Kulturen kennenzulernen und sich von deren Lebensweise inspirieren zu lassen.

Ich bin ein Verfechter davon, dass man alles Essbare probieren sollte. Im Oman waren wir in einem kleinen Lokal und haben einfach alles probiert, was auf der Speisekarte stand. Ich habe das erste Mal Humus gegessen und traditionell gewürztes Fleisch gekostet. Eine Mischung, die sehr lecker war und nach einem Nachschlag schrie. Solche Erlebnisse sind es, die diesen Einsatz so besonders und einzigartig machen. Allerdings sind die Hafenaufenthalte zeitlich sehr begrenzt. Zwischen den einzelnen Häfen sind wir mindestens 14 Tage oder länger in See. An Land sind wir meistens nur für zwei bis drei Tage und dann legt das Schiff wieder ab. Immer wenn ich mich gerade wieder an einen Boden gewöhnt habe, der nicht schwankt, muss ich diesen auch schon wieder verlassen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Es gibt viele Dinge, die ich vermisse. Am meisten fehlen mir meine Frau und meine Familie. Dicht gefolgt fehlt mir mein größeres Bett, weil das an Bord doch recht klein ist. Natürlich fehlen mir meine ganzen Freunde und die gemeinsame Zeit, die wir alle sonst miteinander verbringen. Zum Glück haben wir an Bord die Möglichkeit, per E-Mail Kontakt mit den Familien und Freunden aufrecht zu erhalten. Allerdings verpasst man doch schon Einiges, wenn man bei den Ereignissen nicht selbst dabei sein kann. Auch das Klönen mit den Sportkameraden ist eine Sache, die mir sehr fehlt. Es gibt so viele Besonderheiten im Leben, die man erst zu schätzen weiß, wenn man sie nicht mehr hat: Sei es der Lieblingsitaliener um die Ecke, die frischen Brötchen von deinem Bäcker Zuhause oder doch einfach nur grünes Gras im Garten. Ich glaube ich freue mich einfach darauf, wieder zu Hause zu sein und auf all die Dinge, die ich dort zurückgelassen habe.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Mein Wunsch ist es, diesen Einsatz ohne Verletzungen oder Ähnliches zu überstehen. Das wünsche ich auch jedem Soldaten, der sich gerade im Einsatz befindet: Ob in Mali, Kosovo oder in Afghanistan. Jeder hat etwas zurückgelassen und sollte gesund nach Hause kommen. Auf diesem Weg möchte ich meine liebe Frau grüßen und ihr sagen, dass ich sie sehr vermisse und sie liebe. Auch meine ganzen Freunde und Sportkameraden sollen sich gedrückt fühlen. Die Feldjäger aus Augustdorf nicht zu vergessen. Man sieht sich im März wieder, bis bald!


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Ludger H.


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