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Suchen und Entschärfen – Explosives Training für die Peschmerga

Erbil, 02.03.2017.

Zu viert stehen die Peschmerga angetreten: Einer von ihnen ist der 31-jährige Unteroffizier Fahrd. Er stammt aus der Gegend südwestlich von Erbil und gehört seit fast 15 Jahren zu den Streitkräften der autonomen Region Kurdistan im Irak. Im Jahr 2009 begann er, als „Entschärfer“ zu arbeiten. Zuletzt war er nahe der Stadt Machmur eingesetzt und beseitigte dort vom „IS“ verlegte, improvisierte Sprengfallen. Ein gefährlicher Job, der höchste Konzentration verlangt.

Unteroffizier Fahrd vor seiner ersten Aufgabe am heutigen Tag

Unteroffizier Fahrd vor seiner ersten Aufgabe am heutigen Tag (Quelle: Bundeswehr/Willi Blank)Größere Abbildung anzeigen

Fahrd ist einer der vier Kurden, die sich in einem dreiwöchigen „Counter-Improvised Explosive Device (C-IED) Training Course“ im höherwertigen Ausbildungsbereich „DEFEAT“ – also dem Beseitigen von Sprengladungen, aus- und weiterbilden lassen. Seine Ausbilder kommen aus den Niederlanden, Norwegen und aus Deutschland. Die deutschen Trainer sind allesamt sehr erfahrene Kampfmittelbeseitiger und bilden den Bereich der Beseitigung (DEFEAT) aus. Die Soldaten der zwei anderen Nationen übernehmen den Bereich „DETECT“, also das Suchen von IED – mit deutscher Unterstützung.

„Mit Explosivstoffen und der hier genutzten Ausrüstung kenne ich mich bereits gut aus. Schon in den ersten zwei Wochen der Ausbildung haben wir viel gelernt. Das Training ist wirklich sehr gut“, sagt Unteroffizier Fahrd. Mit seiner gefährlichen Arbeit kann er sich voll und ganz identifizieren: „Ich bin sehr glücklich mit dieser Aufgabe. Wer diesen Job einmal macht, der macht ihn immer.“ Noch einmal checkt er mit seinem Partner im heutigen Zweierteam konzentriert die Ausrüstung auf Vollzähligkeit: Alles da, es kann losgehen.

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Generalprobe

Einweisung für alle am Geländesandkasten: Das Team „DEFEAT“ sind die vier Peschmerga von links

Einweisung für alle am Geländesandkasten: Das Team „DEFEAT“ sind die vier Peschmerga von links (Quelle: Bundeswehr/Willi Blank)Größere Abbildung anzeigen

Die Auszubildenden der „DEFEAT“-Gruppe sollen am Ende die Baugruppen und Bauteile eines IED identifizieren, sowie die unterschiedlichen Konstruktionsarten erkennen können. Und sie sollen vor allem in der Lage sein, die Sprengladungen auch sicher beseitigen zu können.

Erste Aufgabe – am letzten Tag vor der Abschlussprüfung – ist die Entschärfung eines Stolperdrahts in der Eingangstür des Übungshauses. Unteroffizier Fahrd nähert sich vorsichtig an, prüft unter Einsatz eines Spiegels gewissenhaft die Konstruktion und die Sprengladung, an der der Stolperdraht hängt.

Der „Haken- & Leinen-Satz“ kommt zum Einsatz

Der „Haken- & Leinen-Satz“ kommt zum Einsatz (Quelle: Bundeswehr/Willi Blank)Größere Abbildung anzeigen

Er kommt zum Entschluss, seinen sogenannten „Haken- & Leinen-Satz“ zum Einsatz zu bringen. Dazu befestigt er eine lange Leine mit mehreren Haken an der Tür, nachdem er die Leine mit einem Stein beschwert hat. So kann sie nicht vorzeitig unter Zug geraten. In sicherer Entfernung geht er in Deckung und öffnet durch Ziehen an der Leine die Tür. Explosion, die Sprengladung löst sofort kontrolliert aus. Manchmal ist das Entschärfen einfach nicht möglich.

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Mit Ruhe und Erfahrung

Weitsicht und viel Erfahrung: Unteroffizier Fahrd ist seit 2002 bei den Peschmerga

Weitsicht und viel Erfahrung: Unteroffizier Fahrd ist seit 2002 bei den Peschmerga (Quelle: Bundeswehr/Willi Blank)Größere Abbildung anzeigen

„Unteroffizier Fahrd ist der Beste seines Kurses. Ihn zeichnen seine hohe Aufnahmefähigkeit und eine große Weitsicht aus“, so Oberfeldwebel Toni U. (29), einer der deutschen EOD-Ausbilder. Und weiter: „Er hat verstanden, was für eine wichtige Aufgabe er hat. Und er geht mit dem nötigen Respekt und der richtigen Motivation an die Arbeit. Darin zeigen sich auch seine gesammelten Erfahrungen an der Front über die letzten Jahre.“

Hand in Hand: Ausbilder und Auszubildender ganz nah am Objekt

Hand in Hand: Ausbilder und Auszubildender ganz nah am Objekt (Quelle: Bundeswehr/Willi Blank)Größere Abbildung anzeigen

Am Ende des Trainings hat das Team schließlich drei unterschiedliche Sprengsätze gefunden und beseitigt. Alles ist gut gelaufen, sie haben alles richtig gemacht. Die Ausbilder sind zufrieden, bei der Abschlussbesprechung kommt vor allem Positives zur Sprache.

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Gefahrenquellen aufspüren

Sucher: Unterwegs mit Sonde und Markierungsstangen

Sucher: Unterwegs mit Sonde und Markierungsstangen (Quelle: Bundeswehr/Willi Blank)Größere Abbildung anzeigen

Gleich nebenan üben zehn weitere Peschmerga in der anderen Ausbildungsgruppe die Suche nach versteckten Sprengladungen. Mit Sonden gehen sie im offenen Gelände vor, um die von den Ausbildern verteilten Übungssprengsätze zu entdecken. Das richtige Vorgehen erfordert sehr viel Übung, keine dieser Ladungen, besonders zwischen den Suchern, darf übersehen werden.

Suchen und Finden – auch mal mit der Unterstützung der Ausbilder

Suchen und Finden – auch mal mit der Unterstützung der Ausbilder (Quelle: Bundeswehr/Willi Blank)Größere Abbildung anzeigen

Die Ausbilder korrigieren mit Hilfe der Übersetzer immer wieder, schicken die Kurden in ihre Ausgangsstellungen zurück, lassen sie bestimmte Bereiche noch einmal absuchen. Eine schweißtreibende Arbeit für alle Beteiligten. Endlich sind alle IED gefunden und markiert worden. Sehr erfreulich. Es muss aber trotzdem weiter trainiert werden. Übung macht schließlich den Meister.

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Nachfolgende Kräfte verlassen sich auf die Spezialisten

Eine Spiegelscherbe und drei Flaschendeckel (zum Markieren) werden bei der IED-Suche etwas zweckentfremdet eingesetzt.

Eine Spiegelscherbe und drei Flaschendeckel (zum Markieren) werden bei der IED-Suche etwas zweckentfremdet eingesetzt. (Quelle: Bundeswehr/Willi Blank)Größere Abbildung anzeigen

„Die Arbeit der Sucher ist herausfordernd und sehr anstrengend. Sie müssen nicht nur den Metalldetektor korrekt bedienen, sondern auch die sogenannten 'Ground Signs', also die Zeichen, die aus dem Boden kommen, richtig deuten können. Und dabei müssen sie noch die Suchformation einhalten. Schließlich verlassen sich alle nachfolgenden Kräfte auf die Sucher“, so Oberfeldwebel Daniel E. (26), der bei Ausbildung der „DETECT“-Gruppe unterstützt.

Wenn die dreiwöchige Ausbildung mit der Zertifikatsübergabe endet, geht es für die Peschmerga zurück in ihre Einheiten. „Dann marschieren wir dorthin, wo unser Kommandeur uns braucht und haben will“, so Unteroffizier Fahrd. Und dann ist es für ihn und seine Kameraden wieder keine Übung mehr, sondern bitterer Ernst.

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Stand vom: 06.03.17 | Autor: Ulrich Fonrobert


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