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Ich bin iM EINsatz: Ein Arzt für alle Fälle - Chirurgische Präzision vor der libyschen Küste

In See, 20.12.2017.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Für Flottenarzt Dr. Wilm R. ist es bereits der 17. Auslandseinsatz
Für Flottenarzt Dr. Wilm R. ist es bereits der 17. Auslandseinsatz (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR Med)Größere Abbildung anzeigen

Moin, Moin nach Hamburg und in den Rest von Deutschland! Mein Name ist Wilm R., ich bin vom Dienstgrad Flottenarzt, 52 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder.

Derzeit unterstütze ich die Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ als Chirurg in der EU-Mission Sophia. Das ist bereits mein zweiter Einsatz vor der libyschen Küste, nachdem ich schon letztes Jahr für einige Monate hier tätig gewesen war. Insgesamt handelt es sich um meinen 17. Auslandseinsatz seit 1997. Bei manchen Kameraden an Bord löst diese Zahl großes Staunen aus. Für Soldaten im Sanitätsdienst ist dies aber nichts Ungewöhnliches.

Ich freue mich, wieder an Bord eines Marineschiffes sein zu können, denn meine medizinische Laufbahn begann vor vielen Jahren als Schiffsarzt an Bord einer Fregatte der Klasse 123. Seitdem habe ich verschiedene Verwendungen an Land durchlaufen und mich als Facharzt für Viszeralchirurgie spezialisiert. Grob gesagt, geht es dabei um Operationen am Bauch.

In Deutschland leite ich als Klinischer Direktor die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thorax Chirurgie des Bundeswehrkrankenhauses in Hamburg. Daneben stehe ich der Konsiliargruppe Chirurgie vor, einer Art Beratungsgremium. In diesem Rahmen bin ich gleichzeitig Beauftragter für Maritime Einsätze.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Flottenarzt Dr. Wilm R. im Schiffslazarett
Flottenarzt Dr. Wilm R. im Schiffslazarett (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR Med)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin als Einsatzchirurg Teil des sogenannten „Forward Surgical Elements“ an Bord der "Mecklenburg-Vorpommern“ und gehöre damit zum Bordsanitätsdienst. Meine Anwesenheit ergibt sich aus den Aufgaben des Boarding-Teams: Sollte es bei deren Einsätzen zu einem schweren Zwischenfall kommen, sind mein Team und ich für die lebenserhaltenen Sofortoperationen verantwortlich. Man spricht dabei auch von der „Damage Control Surgery“.

Ansonsten unterstütze ich sehr, sehr gerne die Aufnahme von in Not geratenen Personen sowie das Team des Schiffslazaretts der “Mecklenburg-Vorpommern“.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Der Chirurg entfernt einem Soldaten ein harmloses Fibrom vom Hals
Der Chirurg entfernt einem Soldaten ein harmloses Fibrom vom Hals (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR Med)Größere Abbildung anzeigen

Ich fahre wirklich gerne zur See! Die wichtigste Motivation für mich ist, dass alle an Bord - und nicht ausschließlich das Boarding-Team - wissen, dass mein Team und ich alles tun werden und auch können, um verletzten Kameraden zu helfen und dass sie wieder gesund nach Hause kommen. Diese Verantwortung übernehme ich gerne - gerade auf See.

Für die in Not geratenen Personen ist eine chirurgische Behandlung nur selten erforderlich. Dennoch beeindruckt und motiviert mich immer wieder aufs Neue die zutiefst humane Art der Versorgung auf deutschen Marineschiffen. Viele Gesichter, vor allem die Kinder, werde ich nie vergessen. Diese Erfahrung macht mich besonders dankbar!

Das vermisse ich hier am meisten.

Wilm R. ist ein großer Sportfan
Wilm R. ist ein großer Sportfan (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR Med)Größere Abbildung anzeigen

Ich kann es nur immer wieder betonen: Seefahrt ist toll! Trotzdem vermisse ich aber meine Familie. Auch wenn meine Frau meine Abwesenheiten durch Auslandseinsätze seit 1997 schon kennt, ist es bei uns immer noch keine Routine, dass ich für längere Zeit weg bin. Darum bin ich ihr extrem dankbar für ihre Geduld und unseren Zusammenhalt.

Ansonsten fehlt es mir, trotz des ganzen Wassers um die Fregatte herum, nicht schwimmen, segeln oder surfen zu können. So etwas quält eine Wasserratte wie mich. Am Stück 20 Meter geradeaus rennen wäre auch langsam mal eine Abwechslung. Und auch mal wieder selbst zu kochen, vermisse ich.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Fun Fact: Als Flottenarzt ist Dr. Wilm R. der dienstgradhöchste Soldat an Bord
Fun Fact: Als Flottenarzt ist Dr. Wilm R. der dienstgradhöchste Soldat an Bord (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR Med)Größere Abbildung anzeigen

Ich wünsche mir sehr, dass die Besatzung der “Mecklenburg-Vorpommern“ wieder heil und gesund nach Hause kommt - egal wie sich der Einsatz noch entwickeln wird. Und ich hoffe, dass meine Kameradinnen und Kameraden alle, die zu Hause auf sie warten, wieder so vorfinden werden, wie sie sie verlassen haben.

Des Weiteren grüße ich das Team meiner Klinik, auf das ich mich immer verlassen kann und das stets ganz vorne dabei ist, wenn es darum geht, sich für Patienten - egal ob Soldaten oder Zivilisten - einzusetzen.

Und natürlich freue ich mich, bald wieder meine Familie zu sehen, die die Basis für alles ist und gerade durch die Einsätze oft viel aushalten muss.


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Stand vom: 08.01.18 | Autor: Wilm R.


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