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Ich bin iM EINsatz: Militärpfarrer im Mittelmeer

In See, 25.08.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Während der Seenotrettung packt Militärdekan Jochen F. dort an, wo seine Hilfe gebraucht wird (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Militärdekan Dr. Jochen F. und im 4. Deutschen Einsatzkontingent EUNAVFOR MED eingesetzt. Dieser Einsatz in der Operation „Sophia“ hat mich erstmals auf ein Schiff der Deutschen Marine geführt. Eigentlich bin ich als Militär- und Hochschulseelsorger und als Dozent an der Universität der Bundeswehr in München tätig. Bisher war ich als Seelsorger bei ISAF in Afghanistan (2011) und bei AF TUR in der Türkei (2014 und 2015) im Einsatz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Am Sonntagabend bietet der Pfarrer auf dem Tender einen Gottesdienst für die Besatzung an (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED)Größere Abbildung anzeigen

Die Militärseelsorge ist Teil des psychosozialen Netzwerkes (PSN) der Bundeswehr. Als Bordpfarrer stehe ich allen Besatzungsmitgliedern für Gespräche in belastenden Situationen zur Verfügung. Persönlich halte ich aber auch den individuellen Kontakt zu den Soldaten im Alltag für äußerst wichtig – und zwar für beide Seiten. Es besteht so die Möglichkeit, auf lockere Weise den eigenen Horizont zu erweitern.

Traditionell gehören die Vorbereitung und Durchführung eines wöchentlichen Gottesdienstes an Bord zu meinen Aufgaben. Während der Hafenaufenthalte wähle ich eine kunsthistorisch bedeutende Kirche aus und lade die Soldaten zu einem Gottesdienst dorthin ein. So besteht für sie die Gelegenheit, Kirche und Glaube in einem anderen Kulturkreis kennenzulernen.

Im Rahmen der Seenotrettungen helfe ich hauptsächlich bei der Versorgung der Besatzung mit Essen und Trinken und stehe für Gespräche zur Verfügung. Gegebenenfalls kann ich auch die Schiffsführung oder den Interkulturellen Einsatzberater bei ethischen oder religiösen Fragen beraten und unterstützen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Der Besuch des EKD-Ratsvorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm (Mitte) und Militärbischof Dr. Sigurd Rink (re.) im Einsatz war für Jochen F. ein besonderes Ereignis (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED)Größere Abbildung anzeigen

In diesem Einsatz freue ich mich besonders, meine während der Studienzeit in Rom erworbenen Italienischkenntnisse zum Nutzen von Schiffsführung und Besatzung einsetzen zu können. Dies reicht von der einfachen ungezwungenen Unterhaltung bis hin zu Gesprächen mit Hafenbehörden und Krankenhäusern.

In bester Erinnerung wird mir sicher die Taufe des Anfang Juli an Bord der „Werra“ geborenen Jungen bleiben. Aufgrund des gemeinsamen Glaubens entstand unmittelbar eine familiäre Atmosphäre zwischen der aus Nigeria stammenden Mutter sowie der Patin und mir, dem katholischen Priester aus Deutschland.

Das abenteuerlichste Erlebnis war die nächtliche Überfahrt in einem Rettungsboot von der „Werra“ in den Hafen von Cagliari. Ein erkrankter Soldat benötigte so schnell wie möglich eine medizinische Weiterbehandlung. Bei hohen Wellen und starken Winden brauchten wir für die vier Seemeilen mehr als eine Stunde. An Land konnte ich wieder mit meinen Orts- und Sprachkenntnissen unterstützen.

Natürlich war für mich als Militärgeistlichen der Besuch des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands ein besonderes Erlebnis, zumal ich auch in die Vorbereitungen direkt eingebunden war. Durch das Medienecho kam einerseits die Kirche als gesamtgesellschaftlich und politisch relevante Institution voll zur Geltung. Andererseits erhielten der Einsatz und die Soldaten eine sehr positive Resonanz in der Öffentlichkeit.

Das vermisse ich hier am meisten.

„Gute Kameradschaft und spannende Erlebnisse“ – der Einsatz bei „Sophia“ führte den Militärpfarrer erstmals an Bord eines deutschen Kriegsschiffes (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED)Größere Abbildung anzeigen

Zunächst möchte ich sagen, dass ich hier an Bord wie in allen bisherigen Einsätzen eine gute Kameradschaft erfahre und viele spannende Erlebnisse habe. Durch den mir bisher völlig unbekannten Alltag auf einem Schiff, mit den mit der Seefahrt verbundenen, ganz eigenen Herausforderungen (glücklicherweise bin ich bislang nicht seekrank geworden), gibt es genügend Abwechslung.
Natürlich vermisse ich den Kontakt in die Heimat, vor allem meine tägliche Messfeier bei den Ordensschwestern. Aber jeder Einsatz geht ja irgendwann zu Ende.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Am Ende meiner Zeit auf der „Werra“ danke ich der Besatzung für die kameradschaftliche Aufnahme und wünsche meinem Nachfolger bei EU NAVFOR MED auf der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ gute Begegnungen sowie bereichernde Erfahrungen. Ich freue mich auf einige erholsame Tage, bevor das neue Studienjahr an der Bundeswehr-Universität München wieder beginnt.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Militärdekan Dr. Jochen F.


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