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Ich bin iM EINsatz: Dr. Andreas P. – Als Klinischer Direktor in Koulikoro

Koulikoro, 07.08.2017.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Werden der „Role 2“ gleichzeitig mehrere Verletzte zur Versorgung gebracht, entscheidet Andreas am Eingang über den Schweregrad der Verletzung und der Priorität der Versorgung
Werden der „Role 2“ gleichzeitig mehrere Verletzte zur Versorgung gebracht, entscheidet Andreas am Eingang über den Schweregrad der Verletzung und der Priorität der Versorgung (Quelle: Bundeswehr/Thomas Erken)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Dr. Andreas P. Ich bin 50 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder. Ich komme aus der Anästhesiologie und Intensivmedizin im Bundeswehrkrankenhaus Ulm, in dem ich Oberarzt für die Sektion der klinischen Anästhesiologie bin. Meine Karriere bei der Bundeswehr begann 1986 und seitdem habe ich mich über die Bundeswehr stets weitergebildet. Nach dem Studium der Medizin in Hamburg, habe ich meine Facharztausbildung in der Anästhesie-, Intensiv- und Notfallmedizin absolviert. Zusätzlich bin ich ausgebildet in der Tauch- und Überdruckmedizin und habe auch einen Master of Business Administration.

Mein erster Einsatz war bei IFOR in Kroatien im Jahr 1996. Seitdem sind viele weitere auf dem Balkan, in Afghanistan und im Libanon hinzugekommen. Dies ist mein 16. Einsatz und der erste in Afrika. Nach dem Ende meiner Zeit hier in Koulikoro werde ich auf insgesamt 1.041 Einsatztage zurückblicken.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Die „Role 2“ besteht aus mehreren Nationen, so dass Andreas ein Patientenübergabegespräch auch auf Englisch führen muss
Die „Role 2“ besteht aus mehreren Nationen, so dass Andreas ein Patientenübergabegespräch auch auf Englisch führen muss (Quelle: Bundeswehr/Thomas Erken)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin als Facharzt in der sogenannten „Role 2“ tätig, einer Sanitätseinrichtung auf dem Niveau eines deutschen Kreiskrankenhauses. Dort bin ich im Team mit meinen Kollegen für die Versorgung akut erkrankter oder verletzter Soldaten verantwortlich. Darüber hinaus bin ich Transfusionsbeauftragter: Für den Fall, dass wir alle Blutkonserven aufgebraucht haben, organisiere ich die Blutspende von Kameraden, um frisches Blut für die Verwundeten zur Verfügung zu haben. Gleichzeitig nehme ich die Aufgabe als klinischer Direktor war, den hier alle kurz „KD“ rufen. Als solcher bin ich für die internen Arbeitsabläufe aller Teileinheiten in der „Role 2“ verantwortlich.

Oberfeldarzt Dr. Andreas P mit seinem Team in der Klinik. Jeden Morgen werden die anstehenden Aufgaben besprochen
Oberfeldarzt Dr. Andreas P mit seinem Team in der Klinik. Jeden Morgen werden die anstehenden Aufgaben besprochen (Quelle: Bundeswehr/Thomas Erken)Größere Abbildung anzeigen

Ein typischer Tag bei uns beginnt mit dem Kompanieantreten, dem sich meine Klinikrunde mit den medizinischen Teileinheiten der „Role 2“ anschließt. Darin besprechen wir die anstehenden Tagesereignisse und Herausforderungen für die Teileinheiten, beispielsweise bei der Instandsetzung und Materialbewirtschaftung, aber auch Fortbildungsinhalte. Im Anschluss folgen die Visite von Patienten auf der Bettenstation und die ambulante Versorgung. Falls wir keine akuten Aufgaben haben, können wir uns der Fortbildung und dem Sport widmen oder wir bringen uns in der Sanitätseinsatzkompanie ein.

Meine eigentliche Teileinheit setzt sich zusammen aus dem Anästhesie-Assistenten und zwei Sanitätsfeldwebeln, die wiederum Fachkrankenpfleger sind. Wir stammen alle aus dem Bundeswehrkrankenhaus Ulm und kennen uns bereits aus dem alltäglichen Arbeitsleben daheim. Das macht das Arbeiten sehr angenehm und wir sind fast so etwas, wie eine kleine Familie.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Die klimatischen Bedingungen in Afrika sind auch für mich eine neue Herausforderung, obwohl ich schon sehr viele Einsätze absolviert habe. Tropische Erkrankungen, aber auch der Einsatzraum in Mali interessieren mich ungemein. Für mich gehört es zum Selbstverständnis als Soldat und Anästhesist, in Auslandseinsätze zu gehen. Denn es kann keinen Einsatz geben, wo nicht die Anästhesie benötigt wird. Doch meine Hauptantriebsfeder liegt in meinem Team aus der „Role 2“. Diese mir anvertrauten Frauen und Männer zu führen und zu motivieren ist für mich die Aufgabe schlechthin als Offizier und Klinischer Direktor.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ohne Frage vermisse ich am meisten meine kleine Tochter, die erst neun Monate alt ist und meine Frau. Schon bei meiner ersten Tochter habe ich verpasst, wie sie Laufen lernte. Leider werde ich das auch diesmal nicht vollständig mitbekommen. Doch Dank des von der Bundeswehr kostenlos zur Verfügung gestellten Internets, ist die Trennung von meiner Familie nun besser zu bewältigen, als noch vor 21 Jahren bei meinem ersten Einsatz.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich wünsche mir und meinen Kameraden im Einsatz alles erdenkliche Soldatenglück. Für die Zeit nach meinem Einsatz wünsche ich mir ausreichend Zeit mit meiner kleinen Tochter und meiner Frau. Für die Zukunft hoffe ich auf eine förderliche Verwendung, in der ich meine Ausbildung und Erfahrung einbringen kann.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Dr. Andreas P.


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