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Ich bin iM EINsatz: Fahrschüler mit echter Verantwortung

In See, 14.12.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Fähnrich Curt M. absolviert sein Bordpraktikum fürs Nautikstudium auf der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“
Fähnrich Curt M. absolviert sein Bordpraktikum fürs Nautikstudium auf der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ (Quelle: Bundeswehr/Stefanie Jähnig)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Fähnrich zur See Curt M. und seit August 2016 der U-Jagd-Offizier der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“. Nach meinem Grundwehrdienst als Transportsoldat bei der Streitkräftebasis verließ ich 2009 zunächst die Bundeswehr. Im Sommer 2014 stieg ich dann als Offizieranwärter (OA) bei der Marine wieder ein. In der Regel studiert man dabei an einer der beiden Universitäten der Bundeswehr. Bei mir ist alles jedoch ein wenig anders, ich werde an einer zivilen Hochschule Nautik studieren. Auf Grund der geringen Zahl an Nautikstudenten unter den OA‘s wird dieses Studium nicht an einer Bundeswehruniversität angeboten. Ich besuche für vier Jahre die Jade Hochschule in Elsfleth, um dort den Bachelorabschluss zu erlangen.
Zum Antritt benötigte ich ein Praktikum auf See. Dafür nutze ich mein erstes Jahr an Bord. Das Studium wird kurzerhand etwas nach hinten verschoben. Das Jahr an Bord vor dem Studium begann gleich in der zweiten Woche mit unserem Aufbruch in die EUNAVFOR MED Operation „Sophia“ im zentralen Mittelmeer.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Als Wachoffizierschüler ist Fähnrich M. für die sichere Navigation verantwortlich
Als Wachoffizierschüler ist Fähnrich M. für die sichere Navigation verantwortlich (Quelle: Bundeswehr/Stefanie Jähnig)Größere Abbildung anzeigen

Meine Hauptaufgabe ist es, als sogenannter Wachoffizierschüler das Fahren und Führen des Schiffs auf der Brücke zu erlernen. Auf der Seewache verbringe ich also einen Großteil der Zeit damit, das Schiff sicher zu navigieren und zu steuern.
Die Brückenwache setzt sich aus einem Rudergänger, zwei Ausgucks, einem Navigator und einem Signäler zusammen. Bei mir als WO-Schüler gibt es dann noch zusätzlich einen erfahrenen Wachoffizier als „Backseater“, der wie ein Fahrlehrer fungiert.

Schon bei einer „normalen“ Seefahrt gibt es viele Manöver, die ich erlernen und umsetzen muss. Auch bei schwierigen Wetterbedingungen. Dazu zählen zum Beispiel das Ankern, das Fahren in engen Gewässern und das Ein- und Auslaufen der Fregatte in einen Hafen. Dazwischen gilt es natürlich immer, das Schiff sicher im Verkehr zu bewegen, sowie die Brückenwache zu führen. Auch Notmanöver werden ständig geübt, denn sie müssen im Fall der Fälle einfach sitzen.

Die „MVP“ ist knapp 140 Meter lang und fast 17 Meter breit – viel Verantwortung für Fähnrich M. beim Navigieren
Die „MVP“ ist knapp 140 Meter lang und fast 17 Meter breit – viel Verantwortung für Fähnrich M. beim Navigieren (Quelle: Bundeswehr/Stefanie Jähnig)Größere Abbildung anzeigen

Unsere Teilnahme an der Operation „Sophia“ bietet in meinem Bereich auch immer wieder neue Herausforderungen. So ist der Einsatz unserer Speedboote inzwischen zur Routine geworden – sie werden hier ständig gebraucht.
Wir arbeiten auch mit anderen Schiffen oder Booten zusammen: Mal soll ein verdächtiges Fahrzeug näher untersucht werden, mal steht die Rettung von Personen aus Seenot bevor.

Jenseits der Wache geht der Tagesdienst natürlich weiter. Dabei verbringe ich viel Zeit mit Vor- und Nachbereitungen. Gerade größere Manöver wie das Einlaufen in einen neuen Hafen werden intensiv geplant. Welcher Kurs ist zu fahren, welche Abstände sind wo einzuhalten, woran kann man sich orientieren. Alle relevanten Daten werden in die elektronische Seekarte eingegeben. Danach wiederholt man eine ähnliche Prozedur für das Radar, falls am Tage des Einlaufens Nebel aufzieht. Dies alles dauert zwar seine Zeit, ist aber für einen sicheren Ablauf unverzichtbar. Und nichts wäre mir peinlicher, als die Fregatte auf eine Sandbank zu setzen.

Dazwischen fallen natürlich an Bord diverse Nebenaufgaben an. Sie erstrecken sich vom Erstellen einer schnellen Eingreiftruppe, die im Ernstfall in kürzester Zeit die Waffen besetzt, bis zum Verwalten der Messekasse und dem Großeinkauf von Gummibärchen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Bei allen Manövern ist die präzise Kommunikation mit der Besatzung wichtig
Bei allen Manövern ist die präzise Kommunikation mit der Besatzung wichtig (Quelle: Bundeswehr/Stefanie Jähnig)Größere Abbildung anzeigen

Als Fähnrich einen Dienstposten zu haben, der normalerweise von einem Oberleutnant zur See besetzt wird, macht einen schon etwas zum Exoten. Es ist schön, bereits nach zwei Jahren in der Flotte angekommen zu sein, die Schulen erstmal hinter sich gelassen zu haben, und echte Aufträge für einen echten Einsatz mit echter Verantwortung abzuarbeiten. Gerade als WO-Schüler auf der Brücke bin ich hautnah bei jeder aktuellen Lage dabei. Es ist sehr motivierend, von Anfang an mit seinen Entscheidungen direkten Einfluss auf das Tagesgeschehen nehmen zu können und tatsächlich Führungsverantwortung zu tragen.
Dazu kommt das direkte Führen der Soldaten, die mir in der Seewache unterstellt sind. Natürlich muss man dabei auch ab und zu Entscheidungen treffen, mit denen man sich nicht beliebt macht. Aber es gehört auch dazu, dass man den Leuten zuhört und persönlich auf sie zugeht. Am Ende steht dann eine Seewache, die auf alle Situationen vorbereitet ist und die Herausforderungen als Team meistert.

Das vermisse ich hier am meisten.

Was mir wirklich fehlt, ist die Möglichkeit, mich zu Fuß weiter als 200 Meter in eine Richtung bewegen zu können. Einfach mal nach draußen in die (grüne) Natur zu gehen, ist auf Hoher See nicht möglich. Daheim mache ich das gerne, um zusammen mit meiner Freundin mal eine oder zwei Stunden abzuschalten. Auf See bleibt zumindest die Kommunikation über Email und Telefon, aber zum Abschalten kommt man nie wirklich. Die nächste Seewache ist ja immer nur einen Steinwurf entfernt. Und auch an Sonntagen ohne Tagesdienst steht der Einsatz nicht still.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Mein oberstes Ziel ist es, erst einmal den nächsten Auftrag und das nächste Manöver sauber abzuarbeiten und den gesamten Einsatz positiv abzuschließen. Der absolute Glücksfall wäre es, wenn ich es bis zum Studienbeginn im nächsten Herbst schaffe, den „Leistungsnachweis 1“ zu erwerben. Das ist quasi der Führerschein für die Brücke und wäre ein großer Erfolg nach nur einem Jahr an Bord.
Wenn es nach dem Studium in Elsfleth wieder zurück in die Flotte geht, möchte ich natürlich wieder an Bord einer Fregatte eingesetzt werden. Ich bin gespannt, was für Aufgaben bis dahin auf mich warten.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Curt M.


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