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Ich bin iM EINsatz: „Bei der Marine spielt die Musik“

In See, 29.08.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen deutschen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Obermaat Kai P. ist einer der Reservisten auf der
Obermaat Kai P. ist einer der Reservisten auf der (Quelle: Bundeswehr/Helge Adrians)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Obermaat Kai P. und studiere an der Folkwang Universität der Künste in Essen Musikwissenschaften. Im aktuellen Semester müssen meine Kommilitonen jedoch auf mich verzichten, denn ich leiste gerade eine mehrmonatige Reservedienstleistung an Bord der „Karlsruhe“, die sich als Teil der „Standing NATO Maritime Group 2“ (SNMG2) gerade im Ägäischen Meer befindet.

Im Vergleich zu den Kameraden an Bord ist mein Werdegang eher ungewöhnlich: Nach meinem Wehrdienst bin ich aus der Bundeswehr ausgeschieden und habe angefangen, Musik zu studieren. Ich merkte jedoch irgendwann, dass mir die Marine fehlt. Daher habe ich mich später zum Reserveunteroffizier ausbilden lassen.

Das geschah bei Reservedienstleistungen neben meinem Studium. Die nötige Zeit nahm ich mir meist in den Semesterferien oder ich pausierte. Für mein Studium brauchte ich zwar ein wenig länger als manche Kommilitonen, dafür habe ich auf den Seefahrten sehr viel erlebt. So bin ich schon zum dritten Mal mit einer SNMG unterwegs. Zählt man die Teilnahme am deutschen Einsatz- und Ausbildungsverband 2015 dazu, bin ich nun zum vierten Mal im Einsatz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Obermaat Kai P., hier mit einem Kameraden, strahlt immer gute Laune aus
Obermaat Kai P., hier mit einem Kameraden, strahlt immer gute Laune aus (Quelle: Bundeswehr/Helge Adrians)Größere Abbildung anzeigen

An Bord bin ich einer von drei Unteroffizieren im Signalbetriebsdienst. Wir teilen uns die Seewachen, denn wenn wir nicht in Hafen sind, muss 24 Stunden lang die nautische Schiffsführung sichergestellt sein. Dazu gehört auch der Signalbetrieb.

Als „Signäler“ – wie man uns in der Marine nennt – sind wir Spezialisten für Kommunikation im Nahbereich. Wir halten den Kontakt zu den anderen Schiffen der SNMG2, indem wir beispielsweise den taktischen Sprechfunk übernehmen oder für die nautischen Flaggensignale im Mast der „Karlsruhe“ verantwortlich sind. Das sind lauter bunte Flaggen mit ganz unterschiedlichen Bedeutungen. Da darf man nicht den Überblick verlieren! Insofern ist es ein tolles Gefühl, wenn man an Bord der „Karlsruhe“ – die derzeit das Flaggschiff der SNMG2 ist – ein bestimmtes Signal setzt und ein ganzer Flottenverband daraufhin agiert. Zuletzt ergaben sich leider wenige Möglichkeiten dazu, weil wir meist allein patrouillierten.

Neben dem Signalbetrieb unterstütze ich in den Seewachen den Wachhabenden Offizier als Ausguck, um so zur Vervollständigung des Lagebildes beizutragen. In dieser Zeit fallen mir auch immer wieder neue Weck- und Kantinensprüche ein, die ich morgens sowie zu den jeweiligen Öffnungszeiten über die Schiffslautsprecheranlage durchsage. In der Marine haben diese kleinen und zum Schmunzeln anregenden Gedichte eine lange Tradition.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Auch als Signalmaat hält er regelmäßig Ausschau
Auch als Signalmaat hält er regelmäßig Ausschau (Quelle: Bundeswehr/Helge Adrians)Größere Abbildung anzeigen

Am meisten Spaß macht mir die Taktische Kommunikation. Sie findet in Echtzeit, unter allen Umständen und mit allen Mitteln statt – zur Not auch ohne Strom, mit dem Flaggenalphabet im Mast des Schiffes. Bei manchen Manövern kann es da schon mal ordentlich zur Sache gehen. Da kann es auch schon mal vorkommen, dass die heißen Abgase des Schiffs die Signalleinen zum Schmelzen bringen.

Das Schönste für mich ist, mit der Marine die Welt zu sehen! Wenn ich nachts Seewache habe, stehe ich gerne in der Nock und halte nach der Milchstraße am Himmel Ausschau – mit dem besten Kaffee der ganzen Flotte in der Hand.

Das vermisse ich hier am meisten.

Zwei Welten: An Bord einer der „Signäler“ – sonst Musikstudent in Essen
Zwei Welten: An Bord einer der „Signäler“ – sonst Musikstudent in Essen (Quelle: Bundeswehr/Helge Adrians)Größere Abbildung anzeigen

Als Musikstudent fehlt mir natürlich das Klavierspielen. Ich habe zwar eine Ukulele im Gepäck, doch das ist kein vollständiger Ersatz.
An meine WG muss ich oft denken: An meine Mitbewohner, unseren Kühlschrank für das gekühlte Bier mit ihnen, den Klappstuhl im Garten, das Gras unter den Füßen, die Tasse Kaffee und die Zeitung. Einfach die Ruhe. Insofern bin ich echt froh, an Bord keinen Straßenlärm zu haben. Hier ist es zwar durch diverse Lüfter und Durchsagen auch mal laut, doch das ist kein Vergleich. Zudem kommt man an Bord schnell voran und muss nicht auf das Grün der Ampel warten, bis es mal weitergeht.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Bald wird die „Karlsruhe“ wieder gen Heimathafen aufbrechen. Für mich endet der Einsatz schon ein wenig früher, da ich bereits Anfang September nach Hause fliegen werde. Bis dahin will ich den jetzigen Törn erfolgreich und wohlbehalten zu Ende bringen. Dazu gehört für mich auch, nochmal die mediterrane Lebensart in den letzten Häfen zu genießen.

Nach dem Einsatz möchte ich Urlaub in den USA machen und einen Städtetrip nach Wien unternehmen, um mich zu erholen und auf andere Gedanken zu kommen. Denn bekanntlich heißt es ja: Nach der Seefahrt ist vor der Seefahrt. Sobald ich meine Masterarbeit geschrieben und das Studium beendet habe, kann ich mir vorstellen, mich zum Reservebootsmann und zum Signalmeister ausbilden zu lassen. Dann würde es mich freuen, wenn zahlreiche weitere Reservedienstleistungen bei der Marine folgen würden.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Kai P.


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