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Ich bin iM EINsatz: „Gelebt wird vorwärts!“

Koulikoro, 03.11.2014.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Fahrlehrer Stabsfeldwebel Jörg S. erklärt einem malischen Soldaten die Anzeigen und Instrumente
Fahrlehrer Stabsfeldwebel Jörg S. erklärt einem malischen Soldaten die Anzeigen und Instrumente (Quelle: Bundeswehr/Dirk Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Stabsfeldwebel Jörg S. und seit Oktober 1982 bei der Bundeswehr. Ich bin ausgebildeter Fernmelder und seit 1989 Militärkraftfahrlehrer. In Deutschland leiste ich meinen Dienst im Kraftfahrausbildungszentrum Eutin in Schleswig-Holstein. Dieses ist mein zweiter Auslandseinsatz. Von Juli bis November 2010 war ich im 23. ISAF-Kontingent in Kabul als stellvertretender Transportzugführer eingesetzt.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Das deutsche Pionierausbildungskommando in Mali, in dem ich als Kraftfahrfeldwebel eingesetzt bin, besteht aus insgesamt 14 Soldaten. Wir führen sowohl infanteristische Grundlagen- als auch Spezialausbildung der malischen Pioniere durch. Ich kümmere mich dabei als „Einzelkämpfer“ um die Aus- und Weiterbildung der malischen Kraftfahrer.

Erst die Theorie, dann die  Praxis – mit einfachen Hilfsmitteln erläutert Jörg S. Antrieb eines LKW
Erst die Theorie, dann die Praxis – mit einfachen Hilfsmitteln erläutert Jörg S. Antrieb eines LKW (Quelle: Bundeswehr/Dirk Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Momentan läuft gerade eine Wiederholungsausbildung der malischen Battle Group „Elou“. Die sechs Pionierkraftfahrer haben sowohl eine malische als auch eine deutsche Fahrausbildung erhalten. Deshalb kann ich auf gewisse Grundkenntnisse aufbauen und die Schwerpunkte spezieller setzen.

Unser Ausbilder-Team ist vom Alter her gut durchmischt. Vielleicht kommen gerade deshalb auch alle sehr gut miteinander aus. Die malischen Soldaten sind uns gegenüber freundlich, interessiert und in jeder Hinsicht offen. Sprachbarrieren erschweren uns die Arbeit manchmal. Auch die Bürokratie innerhalb der EU-geführten Mission macht das Leben nicht unbedingt in jeder Situation leichter. Andererseits nehmen immerhin 28 Nationen an EUTM Mali teil. Da läuft manches nicht ganz so straff, wie wir es vielleicht gewohnt sind

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Sicherheit geht vor – gemeinsame Überprüfung der Profiltiefe
Sicherheit geht vor – gemeinsame Überprüfung der Profiltiefe (Quelle: Bundeswehr/Dirk Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Warum geht ein 51-jähriger Fahrlehrer aus einem geregelten Dienst und einem intakten Umfeld nach Mali in den Einsatz? Neue Ziele und Erfahrungen sammeln, Menschen einer anderen Nation helfen, wobei hier nicht nur die militärische Hilfe eine Rolle spielt. Aber auch das Kennenlernen sowie das Respektieren anderer Kulturen dürfen hierbei nicht vergessen werden. Die Arbeit mit den malischen Soldaten bringt Spaß, mit ihrer Aufgeschlossenheit und ihrem Interesse wird selbst das Erreichen von Ausbildungsteilzielen von beiden Seiten als kleiner Erfolg gefeiert.

Das vermisse ich hier am meisten.

Trotz der ruhigen Sicherheitslage und der Möglichkeit das Camp zu verlassen, fehlt mir ein „normaler“ Tagesablauf mit allen Freiheiten, die man sonst so genießen kann. Hier spielt gerade der Vereinssport und der Kontakt zu Mitsportlern eine große Rolle. Hinzu kommt natürlich auch die wunderschöne Holsteinische Schweiz mit ihrer hügeligen Landschaft, eingebunden in die zahlreichen Seen und die unmittelbare Nähe zur Ostsee. Ganz stark vermisse ich meine drei Kinder, obwohl sie alle schon erwachsen und aus dem Haus sind. Der Kontakt und die Bindung zu ihnen sind mir ungeheuer wichtig.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich freue mich auch darauf, hier noch mehr in meinem Fachbereich gefordert zu werden. Natürlich möchte ich die Monate hier gesund verbringen und will mich auf diesem Wege bei der Sanitätseinsatzkompanie in Koulikoro für die sehr gute Versorgung meiner erlittenen Verletzung bedanken.

Noch liegen zwei Jahre und zehn Monate Dienstzeit vor mir. Danach möchte ich als Pensionär noch mal einen neuen Beruf erlernen - frei nach dem Motto: „Gelebt wird vorwärts!“ Ein Danke für die Unterstützung während des Einsatzes geht an meine Kameraden im Kraftfahrausbildungszentrum Eutin und natürlich an meine Freunde und Familie.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Jörg S.


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