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Einsatztagebuch „Sophia“ Teil 4: Schiff im Gefecht

In See, 10.11.2016.

Auf der „Mecklenburg-Vorpommern“, zurzeit Teil der EUNAVFOR MED Operation „Sophia“ im zentralen Mittelmeer, herrscht Aufregung. Ein Speedboot nähert sich der Fregatte mit unverminderter Geschwindigkeit. Es zeigt keine Reaktionen auf die Warnungen der Besatzung. Was ist zu tun? Das ist nur ein Teil der Übungen, die immer wieder an Bord durchgeführt werden müssen. Und Hauptgefreiter Daniel V. und Obergefreiter Celin R. sind mittendrin.

„Speedbootabwehr, Speedbootabwehr! Besatzung Mitschiffs aufhalten!“ Sofort entsteht Gewusel im Schiff, die Bereitschaftsgruppen gehen auf Station. Obergefreiter Celin R. besetzt das Maschinengewehr in der Nock, und ich schaue gebannt in der Operationszentrale (OPZ) auf den Radarkontakt. Ein Speedboot kommt mit hoher Geschwindigkeit auf uns zu und reagiert nicht auf unsere Warnungen. Das Feuer wird eröffnet, wir beginnen uns an Backbordseite zu verteidigen. Zum Glück ist nur eine Übung. Das Speedboot wird mit mehreren großen Luftballons dargestellt.

Hauptgefreiter Daniel V. an seinem Arbeitsplatz in der OPZ

Hauptgefreiter Daniel V. an seinem Arbeitsplatz in der OPZ (Quelle: Bundeswehr/Stefanie Jähnig)Größere Abbildung anzeigen

Die Brücke fährt harte Ausweichmanöver, die das Schiff in Schräglage bringen. Alles was jetzt nicht seefest ist, kracht auf den Boden. Dann auf einmal die Durchsage, dass das letzte simulierte Speedboot nicht bekämpft werden konnte. Es schießt und trifft unser Schiff. „Besatzung auf Gefechtsstation, Besatzung auf Gefechtsstation, Feuer in XI Zulu 4!“ (Raumkennzahl an Bord) Ich besetzte meine Station, das sogenannte „Damage Control Board“. Als Plotter (Protokollant) ist es meine Aufgabe, die innere Lage des Schiffs zu dokumentieren, damit die OpZ laufend über die Entwicklungen informiert ist.

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Inneres und äußeres Gefecht

Obergefreiter Celin R. bei der Leckabwehr – das gehört zum „inneren Gefecht“

Obergefreiter Celin R. bei der Leckabwehr – das gehört zum „inneren Gefecht“ (Quelle: Bundeswehr/Stefanie Jähnig)Größere Abbildung anzeigen

Das Gefecht besteht aus zwei großen Teilen. Das „äußere Gefecht“ beinhaltet die Abwehr externer Gegner – von Speedbooten über Kampfflugzeuge bis hin zu Ubooten. Dafür arbeiten in der OpZ mehrere Teams, die jeweils auf eine Bedrohung spezialisiert sind. Die Führer dieser Teams besprechen dann mit dem Kommandanten die Prioritäten und das weitere Vorgehen. Das „innere Gefecht“ umfasst die komplette Schadensabwehr, wie Wassereinbrüche, Feuer und die sanitätsdienstliche Versorgung verwundeter Kameraden.

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Koordination ist alles

Für das innere Gefecht existieren im Schiff vier „Gruppenstände“, Orte an denen sich die Trupps zur Bekämpfung der Schäden ausrüsten und aufhalten, bis sie gefordert sind. Sie alle kommunizieren mit dem Leitstand. Der ist zuständig für die innere Lage und koordiniert zusammen mit den Gruppenständen die Schadensabwehr. Diese wiederum stehen in ständiger Kommunikation mit der OpZ, wo sich der Kommandant und der Schiffselektronikoffizier befinden. Je nach Schaden und äußerer Bedrohung werden dann die Prioritäten bei der Schadensabwehr befohlen.

Die Versorgung verletzter Soldaten muss ebenfalls regelmäßig geübt werden

Die Versorgung verletzter Soldaten muss ebenfalls regelmäßig geübt werden (Quelle: Bundeswehr/Stefanie Jähnig)Größere Abbildung anzeigen

Die Sanitäter verteilen sich im Gefecht auf zwei Verbandplätze. Dort werden verwundete Soldaten hingebracht, und es wird nach Schwere der Verletzungen entschieden, wer als erstes behandelt werden sollte. Die Entscheidungen treffen der Schiffsarzt oder der Sanitätsmeister.

Inneres und äußeres Gefecht sind miteinander verbunden. Sind beispielsweise bestimmte Anlagen aufgrund eines Feuers im Schiff ausgefallen, muss das schnellst behoben werden. Aufgrund dessen sind alle Stationen über verschiedene Funkkreise miteinander verbunden, um einen genauen Sachstand über die Schäden und Einschränkungen an Bord zu haben. Deshalb schreibe ich als Plotter jeden Schaden und jeden Verletzen in der OpZ auf mein Board. Der Schiffselektronikoffizier und der Kommandant informieren sich dann bei Bedarf über aktuelle Situation.

Truppführer des Brandabwehrtrupps auf der „Mecklenburg-Vorpommern“

Truppführer des Brandabwehrtrupps auf der „Mecklenburg-Vorpommern“ (Quelle: Bundeswehr/Stefanie Jähnig)Größere Abbildung anzeigen

Obergefreiter Celin R. ist auf dem Gruppenstand im Unterstützungstrupp (U-Trupp). Sollte dieser ein Feuer zugewiesen bekommen, das er bekämpfen soll, bereitet der U-Trupp die Feuerlöschstrecke vor. Der Brandabwehrtrupp (BAT) rückt dann mit Sauerstoffmasken und feuerfester Kleidung vor und löscht das Feuer.

Sollte es zu einem Wassereinbruch kommen, geht der Leckabwehrtrupp vor und baut mit Balken eine Abstützung, um den Querschnitts des Lochs so gut es geht zu verkleinern. Anschließend wird das Wasser im Schiff herausgepumpt, auch „lenzen“ genannt.

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Übung macht den Meister

Im Gefecht ist die Besatzung ein großes Team. Um diese komplexe Organisation zu perfektionieren, wird das Gefecht ständig trainiert. Im Anschluss wird besprochen, was gut lief und was vielleicht nicht optimal war – damit beim nächsten Mal alles besser läuft und das komplette Zusammenspiel zwischen OpZ, Brücke, Gefechtsstand, Gruppenständen und Sanitätern funktioniert. Danach wird das benutzte Material aufgeräumt. Wir alle atmen durch und sind dann bereit für die nächste: „Speedbootabwehr, Speedbootabwehr!“

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Stand vom: 10.11.16 | Autor: Daniel V.


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