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Ich bin iM EINsatz: Von Patrouillenfahrten bis zu Husten, Schnupfen, Heiserkeit

Novo Selo, 29.07.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In allen deutschen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Oberstabsärztin Silke D. vor ihrem Sanitätsbereich im Camp Novo Selo
Oberstabsärztin Silke D. vor ihrem Sanitätsbereich im Camp Novo Selo (Quelle: Bundeswehr/Dritan H.)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Silke D. und als Ärztin der Sanitätseinsatzkompanie in Novo Selo eingesetzt. Ich bin das erste Mal im Einsatz. Seit 2006 bin ich bei der Bundeswehr. Zunächst habe ich Humanmedizin in Bochum studiert. Danach war ich in der HNO-Abteilung des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg tätig. Seit einem Jahr arbeite ich als Truppenärztin in Osterholz-Scharmbeck.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Oberstabsärztin Silke D. bereitet ihren Rettungswagen für die nächste Patrouille vor
Oberstabsärztin Silke D. bereitet ihren Rettungswagen für die nächste Patrouille vor (Quelle: Bundeswehr/Dritan H.)Größere Abbildung anzeigen

Das Besondere an meiner Aufgabe ist, dass ich hier im Einsatz sowohl BAT- als auch Truppenärztin bin. Der BAT ist ein „Beweglicher Arzttrupp“ und besteht aus einem Arzt, einem Rettungsassistenten und einem Einsatzsanitäter. Mit unserem Rettungswagen begleiten wir die Patrouillen der Deutschen Einsatzkompanie KFOR im Nordkosovo. Damit ist sichergestellt, dass bei Bedarf sofort ärztliche Versorgung vor Ort ist. Mein kleines Team in Novo Selo besteht aus zwei Rettungstrupps und mir als Ärztin.

Einfache Untersuchungen nimmt die Ärztin vor Ort vor
Einfache Untersuchungen nimmt die Ärztin vor Ort vor (Quelle: Bundeswehr/Dritan H.)Größere Abbildung anzeigen

Als einzige deutsche Medizinerin im Camp Novo Selo bin ich außerdem die Truppenärztin, also der Hausarzt für die Soldaten. Husten, Schnupfen, Heiserkeit behandle ich vor Ort. Prellungen und Abschürfungen beim Sport sowie allergische Symptome sind die häufigsten Krankheitsbilder. Für weitergehende Diagnosen schicke ich die Soldaten nach Prizren in das Einsatzlazarett.

Der geschützte SAN-Transportpanzer Fuchs gehört zu Silke D.‘s Fuhrpark
Der geschützte SAN-Transportpanzer Fuchs gehört zu Silke D.‘s Fuhrpark (Quelle: Bundeswehr/Dritan H.)Größere Abbildung anzeigen

Hier im Einsatz ist mir bewusst geworden, was alles hinter den einzelnen Aufträgen steht. Wir als Sanität planen unsere BAT-Einsätze anhand der Patrouillenaufträge der Einsatzkompanie. Zusammen tragen wir zu einem sicheren und stabilen Umfeld im Nordkosovo bei. Am Anfang meines Einsatzes war ich drei Wochen am Stück im Camp. Da war es wirklich schön, als es endlich auf die erste Patrouille ging. Das Camp hier ist sehr übersichtlich. Insgesamt komme ich aber gut damit zurecht, dass hier in Novo Selo das Feldlager nicht so ausgebaut ist wie das deutlich größere in Prizren.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

In Deutschland war ich bislang nur in Sanitätseinrichtungen weitab von der kämpfenden Truppe eingesetzt. Deshalb ist es für mich spannend und bereichernd, sowohl das Dienstgeschäft als auch die Mentalität der Kameraden der Einsatzkompanie zu erleben. Man lernt sich untereinander viel besser kennen als im Dienstalltag zu Hause, weil man viel mehr Zeit miteinander verbringt. Wir gehen zusammen essen, sind beim Kompaniegrillen der Einsatzkompanie dabei und treffen uns abends in der gemeinsamen Betreuungseinrichtung. Das ist eine wirkliche Horizonterweiterung.

Silke D. hat Spaß bei der Arbeit
Silke D. hat Spaß bei der Arbeit (Quelle: Bundeswehr/Dritan H.)Größere Abbildung anzeigen

Hier sind Freundschaften entstanden. Die Arbeit hat so viel Spaß gemacht, dass ich gerne noch länger im Einsatz geblieben wäre.
Überraschend war für mich die Schönheit der Landschaft des Kosovo. Gerade deswegen ist es schade, dass die Menschen im Kosovo nicht mehr aus dem Potential ihres Landes machen. Es liegt doch recht viel Müll überall herum.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich meine Familie, das eigene Bett und das Bad. Die Verpflegung in Novo Selo ist ok, aber ich freue mich schon sehr auf frisches Rührei zum Abendessen. Als Nordlicht vermisse ich das Meer. Das ist wie mit einem Urlaub: Ein paar Wochen in den Bergen finde ich schön, aber auf Dauer ist mir das Flachland lieber.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

In wenigen Tagen ist mein Einsatz zu Ende. Meinem Nachfolger wünsche ich ebenso interessante und gute Erfahrungen, wie ich sie machen durfte. Der Einsatzkompanie danke ich für die tolle Zeit. Kommt gesund und munter heim!
Wenn alles klappt, sehe ich meinen Mann und meine Familie bald wieder und wir genießen den restlichen Sommer zusammen. Ich habe euch viel zu erzählen, so viel Platz ist an dieser Stelle gar nicht ;-)
Grüße auch an meine Einheit, ich freue mich auf euch!


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Silke D.


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