Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Aktuelle Einsätze > Einsatztagebuch EUTM Mali Teil 9: Mein persönliches Fazit

Einsatztagebuch EUTM Mali Teil 9: Mein persönliches Fazit

Köln, 22.02.2016.

„Meine Güte ist das kalt!“ Das ist so ziemlich das Erste, was mir durch den Kopf ging, als ich in Paris gelandet bin. Ich habe es auf die Müdigkeit geschoben, im Flugzeug habe ich kein Auge zugetan. Maximale Sitzplatzbelegung im Flugzeug, verdammt eng in der Economy. Ein wohlgenährter Sitznachbar – und schon ist es vorbei mit der Nachtruhe. Aber die Filmauswahl war gut, wenigstens etwas.

Blick zurück – rund drei Monate war Dennis Kraft als Pressefeldwebel in Mali

Blick zurück – rund drei Monate war Dennis Kraft als Pressefeldwebel in Mali (Quelle: Bundeswehr/Benjamin Rupp)Größere Abbildung anzeigen

Nun sitze ich hier in meinem Büro und denke über die letzten drei Monate nach. Den Karneval habe ich mir dieses Jahr gespart, ich hätte den rheinischen Frohsinn einfach nicht ertragen. Es wäre wahrscheinlich von mir selbst auch ein bisschen zu viel verlangt, von einem westafrikanischen Entwicklungsland direkt auf „Kamelle und Strüssche“ umzuschalten. Nein, stattdessen habe ich eine Woche Ruhe genossen. Runterkommen, reden, gut essen, spazieren gehen, erst aufstehen wenn es der Körper zulässt und nicht der Wecker, an- und zurückkommen. Schon die Umstellung auf das europäische Klima ist eine Herausforderung. Klingt komisch, wenn man es nicht selbst erlebt hat, ist aber so.

nach oben

Viel verpasst, aber auch viele neue Menschen kennengelernt

Das war also mein Mali-Einsatz. Wieder Westafrika. Wieder viele schöne Momente mit meinen Kindern verpasst: Weihnachten, Neujahr, den Geburtstag meiner großen Tochter. Einige haben mein Presse- und Informationszentrum Personal in Köln verlassen, andere sind dazu gekommen. Ich habe viel verpasst. Das gibt einem niemand zurück.

Ein Teil der Arbeit: Fotoausbildung malischer Soldaten

Ein Teil der Arbeit: Fotoausbildung malischer Soldaten (Quelle: Bundeswehr/Benjamin Rupp)Größere Abbildung anzeigen

Auf der anderen Seite habe ich viele tolle Leute kennengelernt, neue Freundschaften geschlossen und natürlich hat es auch Spaß gemacht. Losgeflogen am Tag nach den Anschlägen von Paris, eine Woche später der terroristische Anschlag auf das Hotel Radisson Blu in Malis Hauptstadt Bamako. Was für ein Einsatzbeginn!
Aber es wurde schnell klar, dass die EU-Mission gern gesehen ist in Mali. Überall wurden wir freundlich begrüßt, die Zusammenarbeit mit den malischen Streitkräften war und ist gut. Wir wurden und werden nicht nur als Helfer und Unterstützer in diesem Land gesehen, auch als Gäste. Das ist mein persönlicher Eindruck.

nach oben

Ohne Französischkenntnisse - aber mit Übersetzer

Sieben Bücher habe ich in den letzten drei Monaten gelesen und rund 90 Tage lang jeden Morgen meine Malaria-Prophylaxe genommen. Ich bin einige tausend Kilometer auf Malis Straßen gefahren, habe etwas mehr als 10.000 Bilder gemacht. Ich hätte gern die französische Sprache gelernt, die für mich eine der schönsten Sprache der Welt ist. Dies hätte mir im Nachhinein auch sehr geholfen, meine Arbeit noch besser zu machen. Insbesondere als „Pressemann“, mit viel Kontakt zur malischen Bevölkerung.
Mit Englisch war man aufgeschmissen, das spricht nämlich keiner in Mali. Oder will es nicht, weil er oder sie darin genauso unsicher ist, wie ich es in der Landessprache bin. Aber irgendwie bin ich dann doch immer zurechtgekommen.<> Dank eines nicht selbstverständlichen Übersetzers kann ich heute noch darüber lachen, wie ich meine Urlaubsmitbringsel gekauft habe. Feilschen Sie mal ohne Französischkenntnisse mit einem malischen Händler, der „acht Kinder von zwölf Frauen“ hat und seine ganze Existenz bedroht sieht, wenn man seine unverschämt hohen Preise mit einem Spottpreisangebot kontert. Sitzen Sie mal bei einem malischen Oberst im Büro und versuchen Sie, bei einem Wortschwall die richtige Stelle zu treffen, an der Sie lächeln müssen. Alles nicht so einfach. Aber es zeigt auch, dass Kommunikation ohne Sprachkenntnisse möglich ist.

nach oben

Pakete sind immer gern gesehen

Zu Weihnachten erreichte Hauptfeldwebel Kraft ein überraschendes Paket – nachzulesen in Teil 5 seines Tagebuchs

Zu Weihnachten erreichte Hauptfeldwebel Kraft ein überraschendes Paket – nachzulesen in Teil 5 seines Tagebuchs (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Sehr gefreut habe ich mich über die Post, insbesondere über die unerwartete. So viele Menschen haben mir geschrieben, die ich gar nicht kenne. Die meisten waren Sammler von Feldpoststempeln, aber sie haben alle auch immer ein paar liebe Sätze an uns geschrieben. An die „Jungs und Mädels“ im Einsatz. Dafür nochmals ein großes Dankeschön.
Ich habe alles gerne beantwortet und zurückgeschickt. Sehen Sie es mir nach, liebe Sammler, dass ich keine Romane geschrieben habe, es war dann doch eine ganze Menge Post.
Auch das unerwartete Paket zu Weihnachten hat mich sehr beeindruckt und in mir den Entschluss reifen lassen, es am Ende dieses Jahres genauso zu machen. Ich werde auch Pakete an diejenigen schicken, die vielleicht nichts zum Auspacken haben. Eine kleine Geste, die nicht viel kostet, aber so viel Freude bereitet. Jeder, der im Einsatz war oder ist, weiß, was ich meine. Vielleicht machen es mir ja dann ein paar von Ihnen, liebe Leser, nach. Salami, geräucherter Schinken, Chips und Instant Kaffee gehen immer! Wenn Sie keinen Namen eines potenziellen Empfängers haben, adressieren Sie es an den Betreuungsfeldwebel oder den Ansprechpartner des Deutschen Bundeswehrverbandes vor Ort – verbunden mit dem Hinweis: „Für alle, die heute nichts bekommen haben.“

nach oben

Viele schöne Erinnerungen

Die Einsatzmedaille in Bronze wurde am Silvestertag verliehen

Die Einsatzmedaille in Bronze wurde am Silvestertag verliehen (Quelle: Bundeswehr/Benjamin Rupp)Größere Abbildung anzeigen

Was wird mir ganz besonders in Erinnerung bleiben? Auf jeden Fall die chaotischen Straßenverhältnisse und damit meine ich den Zustand der Straßen allgemein, sowie die Verkehrsteilnehmer. Auch die Verleihung der Einsatzmedaille an Silvester, weil es einfach ein besonderer Tag war. Ich habe eine tolle Kameradschaft erlebt und Freundschaften geschlossen, die den Einsatz überdauern werden. Aber vor allem wird mir die hervorragende Zusammenarbeit mit meinem Pressestabsoffizier und dem spanischen Hauptmann in Erinnerung bleiben, insofern: „Herr Major, Capitán, Kameraden – ich melde mich ab. Kommt mir alle gesund wieder nach Hause.“

nach oben


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 22.02.16 | Autor: Dennis Kraft


http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/poc/einsatzbw?uri=ci%3Abw.bwde_einsatzbw.aktuelle_einsaetze&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB174000000001%7CA7DA7M652DIBR