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Ich bin iM EINsatz: Frau am Steuer – hilft ungeheuer.

Koulikoro, 10.11.2014.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Als Kraftfahrerin in Mali: Stabsunteroffizier Yvonne L.
Als Kraftfahrerin in Mali: Stabsunteroffizier Yvonne L. (Quelle: Bundeswehr/Dirk Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Stabsunteroffizier Yvonne L., und seit Oktober 2008 bei der Bundeswehr. Damals trat ich zunächst in die Laufbahn der Mannschaften ein. Nach der Grundausbildung folgte eine Versetzung zum Luftlandefernmeldebataillon der Division Schnelle Operationen in Stadtallendorf. 2011 wechselte ich nach Rennerod im Westerwald, zum Lazarettregiment 21. Damit verbunden war der Wechsel in die Laufbahn der Unteroffiziere und die Ausbildung zum Kraftfahrer B, CE, G und zum Einsatzsanitäter. Dieser Einsatz im 5. Deutschen Einsatzkontingent EUTM Mali ist mein erster Einsatz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Das Team: Oberfeldwebel Michael H., Yvonne L., Oberstabsarzt Sebastian B. (v.l.)
Das Team: Oberfeldwebel Michael H., Yvonne L., Oberstabsarzt Sebastian B. (v.l.) (Quelle: Bundeswehr/Dirk Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Meine Aufgabe ist es, meine Jungs sicher von A nach B zu bringen. Ich bin Kraftfahrerin eines unserer insgesamt drei Beweglichen Arzt Trupps (BAT). Dazu steht ein 2-Tonnen-Krankenkraftwagen -zur Verfügung sowie ein EAGLE IV, ein gepanzertes Fahrzeug. Die meisten Fahrten erledigen wir mit dem EAGLE IV, da er - bestmöglichen Schutz bietet.

Ich habe hier ein richtiges Super-Team. Die Besatzung auf meinem Fahrzeug besteht aus dem Arzt, Oberstabsarzt Sebastian B., der im Auto hinter mir sitzt und immer wieder begeistert ist, dass er so viel Beinfreiheit aufgrund meiner Körpergröße von „nur“ 1,65 Metern hat. Der Kommandant und Rettungsassistent, Oberfeldwebel Michael H. sitzt rechts von mir, er ist quasi mein menschliches Navigationsgerät. Auch wenn wir die Vorausbildung nicht gemeinsam als Trupp gemacht haben, klappt die Zusammenarbeit ausgezeichnet.

Da mein Kommandant und ich zuerst für einen Einsatz in Afghanistan ausgebildet, dann aber kurzfristig umgeplant wurden, haben wir uns zuerst ein wenig unvorbereitet gefühlt. Doch die Tätigkeit ist ja die gleiche.

Unser typischer Tagesablauf beginnt um 8 Uhr und endet normalerweise gegen 18:30 Uhr. Die BAT-Besatzungen stellen Bereitschaftsdienste in der Form 5/30min. Das heißt, dass die erste in 5 Minuten und die zweite in 30 Minuten einsatzbereit sein muss.

Morgens werden als erstes die Fahrzeuge und die medizinischen Geräte gecheckt, dann stehen auch die regelmäßig anfallenden Fristenarbeiten auf dem Plan. Auch medizinische Weiter- und Fortbildungen durch den Arzt sind Bestandteil meiner Tätigkeit. Abstellungen des Trupps zu Schieß- und Sprengvorhaben sowie Abstellungen zu mehrwöchigen Ausbildungen in Sikasso gehören ebenfalls zu unserer Arbeit.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Dreckige Finger inklusive – Yvonne L. kümmert sich nicht nur um das Fahren sondern erledigt auch technische Arbeiten am Fahrzeug
Dreckige Finger inklusive – Yvonne L. kümmert sich nicht nur um das Fahren sondern erledigt auch technische Arbeiten am Fahrzeug (Quelle: Bundeswehr/Dirk Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Ich glaube, als Frau hinterm Steuer, gerade auf gepanzerten Fahrzeugen, herrscht erstmal hier und da etwas Skepsis. Doch das kommt bei mir gar nicht in Tüte - ich verstehe mein Handwerk. Ich krabbele genauso unter mein Fahrzeug wie es jeder männliche Kamerad auch tut und gerade das macht mir Spaß – und nicht nur das Fahren. Die Verantwortung für seine „Kiste“ zu haben, so dass das Fahrzeug läuft und man auch mal öfter dreckig wird – das gehört einfach dazu.

Es gibt aber auch mal Situationen, da kann auch der erfahrenste Kraftfahrer nichts machen. Wenn einem beispielsweise auf dem Weg von Koulikoro nach Sikasso, noch nicht mal auf halber Strecke, der Luftkompressor kaputt geht und man vier Stunden bei 43 Grad Celsius mitten in Bamako auf den Bergetrupp wartet.

Eines der Fahrzeuge für den Beweglichen Arzt Trupp: Ein Eagle IV BAT
Eines der Fahrzeuge für den Beweglichen Arzt Trupp: Ein Eagle IV BAT (Quelle: Bundeswehr/Dirk Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Hier sieht man, wie wichtig unsere Arbeit ist. Als BAT sind wir die Ersten an einer Unfallstelle - da ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und dass das Team funktioniert. Die Besatzung ist für die bestmögliche Erstversorgung eines Patienten verantwortlich und ich muss trotz physischer und psychischer Belastung das Fahrzeug, meine Jungs und den Patienten sicher transportieren. Es ist natürlich schön zu sehen, wenn das, was du geleistet hast, dazu führt, dass ein Menschenleben gerettet werden konnte.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich meine Familie und meine Freunde. Mal eben ins Auto setzen und besuchen, wen man möchte und tun wonach einem ist – das geht hier nun mal nicht. Sei es einfach mal genießen, dass man bei Mutti bekocht wird, mit der Schwester über Gott und die Welt redet, oder einfach von der besten Freundin in den Arm genommen wird, weil einem danach ist. Einfach mal für sich sein, mit einer Tasse Kaffee auf dem Balkon zu Hause sitzen und die Ruhe genießen, oder ein deftiges Stück Fleisch essen. Außerdem vermisse ich die Tanzmädels aus meinem Heimatverein, die wahrscheinlich ohne mich schon fleißig trainieren und meine Stammeinheit, das 4. Lazarettregiment 21 – bald ist die Ruhe wieder vorbei.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich hoffe, dass alle meine Kameraden, die mit mir hier im Einsatz sind, gesund wieder nach Hause kommen und das auch bleiben. Außerdem danke ich meinen Kameraden, die mir geholfen haben, wenn ich Rat brauchte und wünsche denen, die mich um Rat und Hilfe gefragt haben, für ihre weiteren Pläne und ihre Zukunft alles Gute. Nach Hause zu meiner Familie und zu meinen Freunden schicke ich ganz viele Grüße - fühlt Euch gedrückt. Ihr wisst ja: Ich schaffe das!


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Yvonne L.


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