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Ich bin iM EINsatz: Als Reserveoffizieranwärter

In See, 10.01.2018.

Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Es ist die erste Seefahrt für Friedrich W.
Es ist die erste Seefahrt für Friedrich W. (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR Med)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Friedrich W. und ich bin 19 Jahre alt. Als Reserveoffizieranwärter habe ich mich für drei Jahre als Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr verpflichtet. Eingestiegen bin ich im Juli 2016. Zunächst habe ich die normale Offizierausbildung an der Marineschule Mürwik in Flensburg absolviert. Seit Sommer dieses Jahres gehöre ich nun zur Stammbesatzung der Fregatte Mecklenburg-Vorpommern.

In meinem aktuellen Dienstgrad Seekadett bin ich noch Offizieranwärter und habe den Status eines Schülers. Somit sind wir noch nicht Teil des Offizierkorps der Mecklenburg-Vorpommern, sondern gehören erst mal zur Unteroffiziermesse. In diesem Kreise fühle ich mich aber sehr wohl: Gleich nachdem ich an Bord gekommen bin, wurde ich sehr freundlich und aufgeschlossen aufgenommen. Damit fiel der Abschied von zu Hause leichter.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Die ersten Wochen an Bord standen ganz im Sinne der Eingewöhnung und Ausbildung. Bis auf wenige Wochen Praktikum im Offizierlehrgang hatte ich noch keine Erfahrung mit den Aufgaben oder dem Leben an Bord eines Kriegsschiffes. So wurden Schiffspläne auswendig gelernt, Feuerlöschübungen durchgeführt sowie Anlagen und Geräte kennengelernt.

Die Analyse der Radarbilder ist eine von seinen Aufgaben
Die Analyse der Radarbilder ist eine von seinen Aufgaben (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR Med)Größere Abbildung anzeigen

Darüber hinaus gab es auch jede Menge in meinem neuen Tätigkeitsfeld zu lernen – dem Operationsdienst. Zu meinen täglichen Aufgaben gehört vor allem die Seeraumüberwachung. Dazu zählt unter anderem die Aufklärung von potenziellen Schleusern sowie Waffenschmugglern. Das ist auch unsere Haupttätigkeit hier im Einsatz. In der Operationszentrale der Mecklenburg-Vorpommern analysiere ich dazu Radarbilder. Dabei halte ich natürlich auch nach kleineren Booten Ausschau. Meist sind diese völlig überfüllt und geraten schnell in Seenot.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Während die meisten meiner Crew-Kameraden nach der Offizierausbildung ein Studium bei der Bundeswehr begonnen haben, kann ich als ROA jetzt schon berufliche Erfahrungen in verantwortungsvollen Aufgabenbereichen sammeln. Denn studieren werde ich erst nach meiner dreijährigen Verpflichtungszeit. Insofern will ich meine verbleibenden zwei Jahre nutzen, um möglichst viele Einblicke in den operativen Dienst einer Fregatte bekommen. Dass wir uns zusätzlich noch in einem mehrmonatigen Auslandseinsatz befinden, ist schon etwas Besonderes.

Hinzu kommt, dass ich neben den Wachschichten in weitere, unterschiedliche Aufgaben eingebunden bin. Ich übernehme verschiedene Rollen bei Gefechtsdiensten. So bin ich zum Beispiel als Maschinengewehrschütze eingesetzt oder unterstütze bei der Brandbekämpfung.

Die Aufnahme von in Not geratenen Personen ist jedes Mal schon eine Ausnahmesituation für die Besatzung der Mecklenburg-Vorpommern. Zu Hause nahm ich es früher immer eher distanziert in den Medien wahr, wenn Menschen aus wackeligen Booten gerettet wurden - nun erlebe ich es hautnah! Meine Eindrücke während des jetzigen Einsatzes reichen von entkräfteten Personen bis hin zu Kleinkindern, die während des Transits nach Italien auf dem Flugdeck der Fregatte Fußball spielen.

Bisheriger Höhepunkt hier an Bord war schließlich die Geburt eines Jungen Anfang November 2017. Unter der Besatzung löste dieses Ereignis eine große Euphorie aus.

Das vermisse ich hier am meisten.

Friedrich freut sich schon auf zu Hause
Friedrich freut sich schon auf zu Hause (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR Med)Größere Abbildung anzeigen

Neben den vielen positiven Erfahrungen gehen mit dem Leben in der Bordgemeinschaft auch viele Kompromisse und Entbehrungen einher; wenig Privatsphäre, eingeschränkte Kommunikation, unregelmäßiger Schlaf und die Abwesenheit von zu Hause über die Festtage können der Motivation schon einmal einen Dämpfer verpassen.

Glücklicherweise bin ich mit diesen Belastungen aber nie allein und spätestens beim gemeinsamen Bundesliga gucken in der Unteroffiziermesse rücken all die Entbehrungen in den Hintergrund.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Für die Zukunft und die Zeit nach dem Einsatz wünsche ich mir erst einmal einen entspannten Skiurlaub mit meiner Familie.

Zu Hause angekommen freue ich mich vor allem darauf, wieder uneingeschränkt Sport machen zu können und all meine Freunde wiederzusehen.

Im Laufe des nächsten Jahres werde ich an weiterführenden Lehrgängen im Rahmen meiner Ausbildung teilnehmen, welche mir in naher Zukunft die Wahrnehmung eigener Führungsverantwortung ermöglichen.


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Stand vom: 11.01.18 | Autor: Friedrich W.


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