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Ich bin iM EINsatz: Logistik und Nachschub – spürbare Auswirkungen auf das Einsatzgeschehen

Incirlik, 30.03.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In allen deutschen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Oberstleutnant Kai P. „Was mich ferner beeindruckt hat, sind die Möglichkeiten, die der Lufttransport im täglichen Arbeitsalltag bietet.“
Oberstleutnant Kai P. „Was mich ferner beeindruckt hat, sind die Möglichkeiten, die der Lufttransport im täglichen Arbeitsalltag bietet.“ (Quelle: Bundeswehr/Oliver Pieper)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Kai P. Ich bin 41 Jahre alt, verheiratet und habe eine Tochter. In Deutschland bin ich Kommandeur der Luftwaffenunterstützungsgruppe Kalkar. Ich bin seit dem 01. Juli 1993 bei der Bundeswehr und habe nun fast das 23. Dienstjahr vollendet. Dieser Einsatz beim deutschen Einsatzkontingent Counter Daesh ist mein dritter Auslandseinsatz. Gegenwärtig bin ich als Logistikstabsoffizier und Truppenversorgungsoffizier im Stab des deutschen Einsatzkontingentes Counter Daesh tätig.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Der Truppenversorgungsoffizier bei der Materialübergabe.
Der Truppenversorgungsoffizier bei der Materialübergabe. (Quelle: Bundeswehr/Oliver Pieper)Größere Abbildung anzeigen

Als Logistikstabsoffizier bin ich für die gesamte Versorgungskette des deutschen Einsatzkontingentes Counter Daesh verantwortlich. Das Spektrum umfasst alle Versorgungsartikel und Materialien, die ein fliegender Verband im alltäglichen Bedarf benötigt, von Kleinigkeiten wie Bleistiften bis zum kompletten Triebwerk eines Tornados. Glücklicherweise kann ich mich auf meine Mitstreiter im Bereich der Logistik und des Nachschubes verlassen. Diese sind Spezialisten in ihrem Fachgebiet. Darüber hinaus bin ich der logistische Berater des Kontingentführers.

Feste Abläufe gehören zum Tätigkeitsbereich, aber auch schnelle Reaktionen auf unvorhergesehene Ereignisse. In der Regel startet mein Tag mit einer Telefonkonferenz mit dem Einsatzführungskommando. Hier spreche ich mit meinem zuständigen Logistikstabsoffizier in Potsdam alle Neuigkeiten und Besonderheiten durch, die in den letzten 24 Stunden gelaufen sind und nachbereitet werden müssen. Außerdem wird der kommende Tag besprochen.

Im Anschluss widmet sich das Team der Bearbeitung von Anforderungen und der Abarbeitung von Tätigkeiten in der Materialbewirtschaftung. Das umfasst beispielsweise Prüfungen an Waffen, Ausgaben von Material an die Nutzer oder die Datenpflege in unserem elektronischen System.

Zuständig sind wir außerdem für die logistische Anbindung des deutschen Anteils im Combined Air Operations Center (CAOC) Al Udeid / Katar.

„Freude an der Tätigkeit bringt, dass man vielen Kameraden das Arbeiten einfacher machen kann, indem die richtigen Mittel zur richtigen Zeit bereitgestellt werden.“
„Freude an der Tätigkeit bringt, dass man vielen Kameraden das Arbeiten einfacher machen kann, indem die richtigen Mittel zur richtigen Zeit bereitgestellt werden.“ (Quelle: Bundeswehr/Oliver Pieper)Größere Abbildung anzeigen

Freude an der Tätigkeit bringt, dass wir vielen Kameraden das Arbeiten einfacher machen, indem die richtigen Mittel zur richtigen Zeit bereitgestellt werden. Da wir allerdings nur sehr eingeschränkten bis gar keinen Einfluss auf die Lieferzeiten haben, ist es manchmal frustrierend, wenn der Nutzer kein Verständnis dafür hat, dass sein Material nicht am nächsten Tag einsatzklar vor ihm steht. Aber mit den entsprechenden Erläuterungen haben wir auch das bislang immer wieder einfangen können.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Für mich ist dieser Einsatz hier besonders, weil ich nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder direkt mit dem Geschwaderflugbetrieb in Berührung komme. Nach logistischen Fachverwendungen in der Streitkräftebasis fühlt es sich gut an, wenn ich sehe, welche direkten Auswirkungen das eigene Handeln auf den Flugbetrieb hat. Kurz gesagt, wenn hier jeden Tag die Tornados starten, kann ich direkt die Ergebnisse unserer Arbeit sehen und auch fühlen.

Ausgebildetes Fachpersonal in den Bereichen der Logistik und Nachschub erleichtern deutlich den Arbeitsalltag von Oberstleutnant Kai P.
Ausgebildetes Fachpersonal in den Bereichen der Logistik und Nachschub erleichtern deutlich den Arbeitsalltag von Oberstleutnant Kai P. (Quelle: Bundeswehr/Oliver Pieper)Größere Abbildung anzeigen

Was mich ferner beeindruckt hat, sind die Möglichkeiten, die der Lufttransport im täglichen Arbeitsalltag bietet. Diese Woche erwarten wir eine Lieferung von zusätzlichen Dienstfahrzeugen. Der Transport von besonders sperrigen oder großen Dingen mit der Antonov AN-124 ist mittlerweile nichts Besonderes mehr, aber dass die Crew der Antonov ein zweites Ladungsdeck in die Maschine einbringen kann, um damit 31 Fahrzeuge zu transportieren, das habe ich auch noch nicht zuvor gesehen. Dieser Transport wird sicherlich wirklich beeindruckend sein!

Was mich durchaus positiv überrascht hat, ist die Geschwindigkeit, mit der eigens entworfene Konzepte tatsächlich in die Tat umgesetzt werden können. Die Realisierung einer Konzeption für die Ausstattung der Soldaten mit der persönlichen Schutzausstattung hat insgesamt keine drei Wochen in Anspruch genommen. Nach ersten telefonischen Gesprächen wurde das Konzept zu Papier gebracht und dem Einsatzführungskommando vorgestellt. Das angeforderte Material wurde umgehend im Einsatz bereitgestellt. Da bin ich wirklich begeistert und kann an dieser Stelle nur allen Beteiligten beim Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), Einsatzführungskommando, Logistikzentrum der Bundeswehr und LHD dankbar sein für die Unterstützung und das persönliche Engagement.

Das vermisse ich hier am meisten.

Neben meiner Familie, meinen Freunden und Bekannten ist es vor allem das gewohnte Umfeld, das mir hier am meisten fehlt. Die Verbindung nach Hause klappt heute allerdings schon deutlich besser als zur Zeit meines ersten Einsatzes. Ich kann täglich nach Deutschland telefonieren und mich mit der Familie unterhalten. Ich sitze praktisch in digitaler Form mit am Tisch. Das sind schon deutliche Fortschritte. Trotzdem fällt es mir schwer, am Wochenende nicht gemeinsam mit der Familie etwas unternehmen zu können.
Daneben bin ich als Kommandeur meiner Einheit doch sehr verbunden. Obwohl ich weiß, dass ich einen fähigen Stellvertreter habe, bin ich mit meinen Gedanken oft in der Stammeinheit. Daneben sind es eher Kleinigkeiten, die ich vermisse. Sei es die feste Rad- oder Laufstrecke, das eigene Müsli oder die eigene Bettwäsche. Aber das ist auszuhalten. Schließlich sind es ja auch gerade diese Dinge, auf die ich mich wieder freuen kann.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Für die restliche Zeit des Einsatzes wünsche ich mir eine reibungslose Übergabe an meinen Nachfolger und eine komplikationslose Rückreise nach Deutschland. Dem Geschwader wünsche ich allzeit „many happy landings!“


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Kai P.


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